St. Bartholomäus
59227 Ahlen
Wiedereröffnung der St.-Bartholomäus-Kirche
Wie groß war die Freude, dass wir nach zweijähriger Bauzeit (und noch viel längerer Vorgeschichte) endlich unsere Pfarrkirche St. Bartholomäus wiedereröffnen konnten! Die Keimzelle unserer Kirchengemeinde und der Stadt Ahlen erstrahlt in neuem Glanz! Sie steht nun wieder für Gottesdienste aller Art zur Verfügung und bekommt darüber hinaus als Kunst- und Kulturkirche einen neuen Schwerpunkt.
Wir freuen uns, dass unser Altbischof Dr. Felix Genn am 24. August 2025 mit uns die Weihe des neuen Altares gefeiert hat! Ein besonderer Glücksfall ist die Tatsache, dass der Festtag unseres Pfarrpatrons, des Heiligen Bartholomäus, in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel. Konnte es einen besseren Tag für die Wiedereröffnung geben?!
Die Kirche bietet nach dem Umbau mit der weiten Altarinsel, mit den freien Seitenschiffen, mit der „neuen“ Kapelle neben dem Altarraum und den technischen Neuerungen viele Möglichkeiten. Ausdrücklich ermutigen wir alle Mitglieder unserer Pfarrei sowie die Stadtgesellschaft „Besitz zu ergreifen“ von unserer Stadtkirche und diese mit Leben zu füllen!
Ralf Peters und Bernd Egger
>Hier gelangen Sie zum Video des festlichen Gottesdienstes
Bilder der eindrucksvollen Feier
Die Baustelle ist nun Geschichte
In den Herbstferien 2023 haben die Umbauarbeiten in unserer St.-Bartholomäus-Kirche begonnen. In einem ersten Arbeitsschritt wurden die Kirchenbänke ausgeräumt. Dies ist nun Geschichte, denn die Bauarbeiten sind beendet und am 24.08.2025 wurde die Kirche feierlich wiedereröffnet. Ein Dankeschön gilt insbesondere unserem tatkräftigem Hausmeisterteam, den Küsterinnen und Küstern und allen ehrenamtlichen Helfenden.
Die Wahrhaftigkeit des Heiligen Bartholomäus
Wer war dieser Bartholomäus?
Wir wissen nicht allzu viel über ihn. Er steht nie im Mittelpunkt. Es werden von ihm keine besonderen Ereignisse überliefert. Johannes erwähnt einen Freund des Philippus namens Natanael. So kam es, dass schon bald Natanael und Bartholomäus gleichgesetzt wurden. Die kirchliche Tradition geht davon aus, dass Natanael und Bartholomäus identisch sind. „Bar-tolomai“ (aus dem Aramäischen) heißt auf deutsch „Sohn des Tolomai“. Bartholomäus war wohl der Beiname des Apostels.
Sein eigentlicher Vorname war wohl Natanael: Natanael, der Sohn des Tolomai (wörtlich: „des Furchenziehers“).
Als Jesus Natanael auf sich zukommen sieht, ruft er aus: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit!“ Jesus macht Natanael keine Vorwürfe wegen seines Misstrauens und seiner Skepsis. Er nimmt ihm das nicht übel. Im Gegenteil: Er erkennt seine Offenheit, seinen Freimut, seine Ehrlichkeit. Er sieht in ihm einen Menschen, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, ein durch und durch ehrlicher Mann, ein echter Israelit, der in der Tiefe seines Herzens nach Gott sucht. „Ein Mann ohne Falschheit“, also aufrichtig, grundehrlich, geradeaus. Wort und Tun stimmen überein.
Wahrhaftigkeit ist eine wichtige christliche Tugend. Sie drückt eine Lebenshaltung aus, um die wir immer wieder ringen sollen und um die wir immer wieder beten können, nämlich glaubhafte und glaubwürdige Menschen zu sein, Menschen, deren Wort und Verhalten wahrhaftig sind.
So sind wir mit unserem Namenspatron St. Bartholomäus ganz eingebunden in die Nachfolge Jesu.
Wie er mit seinem Leben eingestanden ist für diese Botschaft des Evangeliums, so sind auch wir eingeladen, die Wahrhaftigkeit des Bartholomäus im Alltag in Wort und Tat lebendig werden zu lassen.
(aus: Gründungsgottesdienst am 24.08.2014 mit Vorstellung der spirituellen Aspekte der sieben Heiligen unserer Kirchenpartrozinien in St. Bartholomäus)
Chronik der St.-Bartholomäus-Kirche
| Chronik | St. Bartholomäus |
|---|---|
| um 794 | Errichtung einer Kapelle zu Ehren des Apostels Bartholomäus auf dem Ahlener Hof |
| zwischen 804 und 809 | Die St.-Bartholomäus-Kirche wird Pfarrkirche einer Urpfarrei, die außer Ahlen auch Heessen, Dolberg, Hövel, Bockum, Vorhelm und Walstedde umfasst |
| 1139 | Die alte Pfarre wird von Bischof Werner dem Prämonstratenserkloster Cappenberg inkorporiert; Bestätigung durch Kaiser Friedrich Barbarossa. |
| 1160 | Ahlen wird durch Bischof Friedrich II. dem Propst von Cappenberg als Archidiakon unterstellt. |
| um 1285 | Die Pfarre St. Marien wird von der Alten Pfarre abgepfarrt. |
| um 1470 | Erbauung der jetzigen St.-Bartholomäus-Kirche, eine westfälische Hallenkirche mit Teilen der romanischen Vorgängerkirche. |
| 1512 | Errichtung des spätgotischen Sakramentshauses durch Meister Bernd Bunikmann. |
| 1744 | Stadtbrand, nachdem der Blitz in den Turm der Alten Kirche eingeschlagen war |
| 1809 | Einsturz des Turmes der Kirche |
| 1944 | In der St.-Bartholomäus-Kirche werden mehr als 180 Todesopfer des Bombenangriffs vom 23. März aufgebahrt. |
| 1974 | Liturgische Neugestaltung und Renovierung der Kirche. |
| 1978 | Konsekration des neuen Altars am Feste Kreuzerhöhung (14.09.), dem Weihetag der Kirche. |
| 1986 | Fertigstellung des Barthelhofes, Haus der Gemeinde St. Bartholomäus |
| 1994 | Baumsanierung des Kirchplatzes |
| 1995 | Innenanstrich und Renovierung der Kirche |
| 2001 | Abschluss der Sanierung des Mauerwerks der Pfarrkirche und der Neugestaltung des Kirchpatzes. |
| 2003 | Renovierung des Glockenstuhls und Weihe drei neuer Glocken |
Aus dem Programm „Tag des offenen Denkmals“ 14.09.2025
St. Bartholomäus-Kirche
Im Spätmittelalter - vermutlich zwischen 1480 und 1510 - wurde die heutige „Alte Kirche“ St. Bartholomäus als spätgotische Hallenkirche mit Bauresten des Vorgängerbaus von 1279 (Weihe durch Bischof Gerhard) errichtet. Die dreischiffige, vierjochige Hallenkirche schließt im Osten mit einem Fünfachtel-Chor ab, an den nördlich eine Kapelle und südlich die Sakristei von 1907 angebaut ist. Die reich gestalteten Maßwerkfenster weisen in ihren unterschiedlichen Ausführungen auf verschiedene Bauphasen hin, was auch den diagonal in die Längswand gestellten Strebepfeiler an der Südfassade erklärt.
Ein Blitzeinschlag in den aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirchturm führte 1744 zum Brand des Kirchendaches, des Rathauses und von über 30 Bürgerhäusern. Die anschließende Turminstandsetzung erwies sich als nicht tragfähig, so dass der Turm 1811 einstürzte und zwischen 1815 und 1819 im klassizistischen Stil wiedererrichtet wurde.
Der weite und klare Innenraum der Kirche verfügt über interessante Ausstattungsdetails und wertvolle Kunstwerke:
So ist das Kapitell neben der Orgel zu erwähnen, das aus dem romanischen Vorgängerbau stammt und als sogenannte „Spolie“ (Überrest aus einem älteren Bauwerk) hier wieder verbaut wurde. Der Schlussstein des ersten Jochs zeigt die älteste Darstellung des beflügelten Aals, der so den Nachweis liefert, dass der beflügelte Aal ursprünglich auf einem grünen und nicht auf rotem Wappenschild dargestellt war.
Zum Denkmalbestand gehören auch das spätgotische Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert und das wertvolle Sakramentshaus von 1512 aus Baumberger Sandstein des Hoetmarer Meisters Bernt Bunikmann.
Über die Vorgängerbauten der heutigen St. Bartholomäus-Kirche kann der historische Bezug zur Christianisierung des Münsterlandes und zu den Siedlungsanfängen des Ortes Ahlen hergestellt werden:
Die Pfarrgründung erfolgte durch Abt Bernrad, der ab 780 das Münsterland missionierte und hier eine der frühesten Taufkirchen errichten ließ, wobei sich die kirchlichen Flächen mit denen des hier ursprünglich ansässigen sächsischen Gogerichtsbezirks deckten. In der Lebensbeschreibung des heiligen Liudger (um 850) wird von einer Blindenheilung während einer Visitationsreise in der villa alna berichtet, wobei mit villa wohl ein bischöflicher Amtshof gemeint ist. Durch Bischof Werner wurde 1139 die Pfarre dem Kloster Cappenberg inkorporiert, eine Verbindung, die bis zur Säkularisation bestand. Die romanische, erste Kirche aus dem 9. Jahrhundert mit dem bischöflichen Amtshof lag verkehrsgünstig am Werseübergang und in unmittelbarer Nähe wichtiger Handelsstraßen gelegen und wurde so zum Ausgangspunkt einer kleinen Marktgemeinde und der weiteren Siedlungsentwicklung Ahlens. So entstand zunächst im Schutze der wohl wehrhaften, kleinen Kirche ein Kirchhofring mit einer schützenden Palisadenanlage innerhalb derer Kirchhöfner, wobei der Kirchhof dabei ursprünglich auch als Friedhof diente. Der von diesem Kirchring ausgehende Ausbau zu einer befestigten Stadt wurde später wegen der Lage zu den nahe gelegenen Kölnischen Burgen und der märkischen Stadt Hamm eine territorialpolitische Notwendigkeit für den Fürstbischof.
In den letzten Jahren bis 2025 wurde die Kirche noch einmal instandgesetzt, energetisch ertüchtigt und den geänderten Bedürfnissen der Gemeinde angepasst.
Text: Stadt Ahlen