„Wir sind einladend, ehrlich und transparent. Wir entscheiden und handeln im Dialog, demokratisch und auf Augenhöhe.“ Unsere Vision

Tagesimpulse

im Herbst und Winter 2020

Neue Tagesimpulse vom 11.11. bis 25.12.2020
Eigentlich wollten wir erst im Advent die Idee der Tagesimpulse aus der Osterzeit wieder aufgreifen. Angesichts der erneuten Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie haben wir es vorgezogen und schon am Mittwoch, 11.11. damit begonnen, denn das war ohnehin ursprünglich der Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit.
In diesen schwierigen Tagen soll dieser Impuls Nähe und Verbundenheit vermitteln, Trost und Ermutigung geben und den Horizont weiten. Mehr als jedes andere Jahr kann uns vielleicht die Vorfreude auf das Geburtsfest unseres Herrn diese dunkle Zeit heller und trostreicher machen. Außerdem liegen die Tagesimpulse ab 14./15.11. in gedruckter Form in unseren Kirchen zum Mitnehmen für Sie aus.
 

Montag, 23. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Relevanz

Liebe Gemeinde, liebe Leserin, lieber Leser,
vermutlich wird Ihnen der Heilige des heutigen Tages, der Heilige Kolumban, wenig sagen. Als irischer Mönch, Wanderprediger und Missionar war er im 6. und 7. Jahrhundert am Oberrhein und in der Schweiz tätig. Ein Mann mit Prinzipien, klaren Werthaltungen und Zielen. Die St.-Kolumba-Kirche war im Mittelalter eine der größten Pfarrgemeinden Kölns; nach den Bombenangriffen des Krieges blieb nur eine Ruine übrig. Heute trägt das Diözesanmuseum Köln den Namen Kolumba-Museum; der moderne, preisgekrönte Neubau integriert aber sehr geschickt auch die Überreste des alten Gotteshauses am Rhein.
Genau aus diesem, z.Zt. auch geschlossenen, Museum kommt eine Meldung der Kuratoren*Innen zur Rolle der Museen angesichts des zweiten Lockdown. Dort kann man u.a. lesen:

„Ist aus der Nicht-Nennung der Museen( in der Liste der zu schließenden Einrichtungen…) abzuleiten, dass sie im politischen Denken keine Rolle spielen? Darf man daraus schließen, dass die Museen zwar als Garnitur eines vergnüglichen Sonntags akzeptiert sind, nicht aber in ihrer politischen Funktion, etwa als Bildungsinstitution zum Verständnis von Geschichte (auch zur Relativierung von Krisenzeiten), als Identitätsträger einer pluralistischen Gesellschaft oder als Ort des ästhetischen und spirituellen Ausgleichs?...Als „Museum der Nachdenklichkeit“ regt Kolumba an zur Reflexion…Als Ort des Austauschs, der Freude, der Hoffnung, des Trostes und der Freiheit würde er dringender benötigt denn je zuvor.“

Auch hier wieder eine eindringliche Stimme, die die Relevanz einer kulturellen Einrichtung erinnert. Wer oder was ist also wichtig – in der Phase eines Lockdowns, in Krisenzeiten einer Pandemie? Wer setzt, wer bestimmt diese Prioritätenliste? Inwieweit sind – auch mit Artikel 4 unseres Grundgesetzes - unsere Gottesdienste, unsere kirchlichen Angebote und Aktivitäten in einer solchen Krise geschützt und relevant? – Ich bin dankbar, dass wir – trotz mancher Einschränkungen – unseren Glauben in geöffneten Kirchen feiern können; auch noch 1400 Jahre nach dem Hl. Kolumban.
Weiß Gott, wohin der Weg uns führt.

Herzlich Ihr
Reinhard Kleinewiese, Pastor
 

Christkönigssonntag, 22. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Christkönig

Wenn ich mir sie ansehe, die Regierenden unserer Tage
nicht mehr Könige genannt, doch oftmals mit Königsallüren
dann bin ich geneigt, mich eher dem zu unterstellen
dessen Fest erst 1925 eingeführt wurde:
Christus König.

Was im Juristenleben als unerhört gilt – Befangenheit
das zeichnet ihn aus – voreingenommen ist er
richtet nicht neutral nach allem und jedem sondern
danach, was ich an ihm getan habe
Christus König?

Und dabei darf ich im Andern nicht einmal ihn suchen
sondern dem andern um seiner selbst willen beistehen
ihn als Person ganz wahr- und ernstnehmen
erst dann – danach – gibt er sich zu erkennen
Christus König…

So wie sich Christus den Armen, Flüchtlingen, Hungernden,
den Menschen im Gefängnis um ihretwillen zugewandt hat,
so sollen sich Christen parteiisch diesen Menschen zuwenden
damit erfahrbar werde
Christus König!

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder / Schwestern getan habt,
das habt ihr mir getan.

Pfr. Georg Aßmann

Bild: Christus-Mosaik in der Hagia Sophia (Instanbul), um 1261 entstanden

 

Samstag, 21. November 2020

Tagesimpuls | von Angelika Aperdannier
Ein wenig Licht spenden

Alle Jahre wieder steht die Vorbereitung der Caritas-Adventssammlung auf der To-do-Liste im Pfarrbüro. Fast 12.000 Haushalte unserer Pfarrei werden angeschrieben, der Flyer mit Überweisungsträger kommt per Bote oder mit der Post ins Haus. Seit Jahren eine erfolgreiche Aktion, bei der viele mitwirken, besonders die ehrenamtlichen Helfer*innen der Caritas oder Kirchortteams, die sich treffen, um gemeinsam die Post versandfertig zu machen.
Und dann der Lockdown im November. Die Pfarrheime werden (wieder) geschlossen. Nur noch zwei Haushalte dürfen zusammen kommen. Treffen unserer Gruppen sind unmöglich. Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Oh je, was tun?

Mutige Menschen sagen öffentlich, was jetzt dran ist. Darunter auch die Journalistin Dunja Hayali:
„Prävention ist keine Hysterie und Ignoranz kein Mut. Es bedarf der Mithilfe auch im Kleinen, auch von uns allen. Durch Solidarität und Verantwortungsübernahme, nicht nur für das eigene Schicksal“.

Was für unsere Gesellschaft gilt, gilt auch in unserer Pfarrei, und ganz speziell für die Caritas-Adventssammlung. Im Büro haben wir umgestellt von „Gruppenarbeit“ auf „corona-sichere Heimarbeit“, unzählige Kartons TO GO gepackt mit Material für den Einsatz zu Hause: Flyer, Umschläge, Etiketten, ein Grußwort des Seelsorgeteams zum Advent noch dazu. Auch im Angebot: Arbeitstreffen zu zweit auf Abstand im Pastoralbüro zum „Eintüten“ vor Ort.

Und innerhalb einer Woche wurden die Kartons kontaktlos abgeholt, die ganze Arbeit verteilt und getan, viele Hände haben mitgemacht, Solidarität gezeigt, damit die Caritas-Sammlung auch in diesem Jahr möglich wird, als Grundlage für unsere Caritasarbeit, zugunsten vieler Menschen in unserer Pfarrei. Danke dafür! Wenn Ihnen also in den nächsten Tagen Post ins Haus kommt, wissen Sie, dass viel Einsatz dahinter steckt.

„Freiheit heißt Verantwortung, ich jedenfalls werde … weiter versuchen, selbst umsichtig und verantwortungsbewusst damit umzugehen. Und ich werde versuchen, denen die im Schatten stehen, ein wenig Licht zu spenden und vertraue darauf, dass ich auf das gleiche hoffen darf.“ (Dunja Hayali)

Ein wenig Licht spenden, das möchten wir einander im November,
mit unserer Caritas-Aktion, und auch darüber hinaus.

Herzlicher Gruß
Angelika Aperdannier

Freitag, 20. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Zwischen Tod und neuem Leben

Wussten Sie, dass Andrew Lloyd-Webber auch ein Requiem, also eine Messkomposition für Verstorbene geschrieben hat? Gut, von ihm stammt auch „Jesus Christ, Superstar“, aber als mir ein Mitstudent einmal sein „Requiem“ auslieh, hatte ich zuvor noch den „Starlight Express“ gehört und war nun ziemlich überrascht, eine ganz andere, nachdenkliche Seite des Komponisten kennenzulernen. Lloyd-Webber hat das Requiem für seinen verstorbenen Vater geschrieben. Ähnlich ging es mir mit Mozarts Requiem, seinem letzten und unvollendeten Werk, das er schon im Angesicht seines eigenen Todes schrieb.
Die Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Tod kann besonders erschütternd sein, aber gerade diese Erschütterung kann auch eine Berührung mit den Grundfesten des Lebens möglich machen, all das sanft Verhüllende aber auch Verschleiernde aufreißen und den Blick auf das Ganze freigeben.
Mittlerweile hat sich bei mir eine ganze Reihe von Requiem-Einspielungen angesammelt. Da ist Hector Berlioz mit seiner ekstatischen und dramatischen Endzeitvision und das von den Schrecken des 2. Weltkriegs durchwirkte „War Requiem“ von Benjamin Britten. Da sind auch – nicht unserer liturgischen Tradition folgend – das „Requiem Ebraico“ von Eric Zeisl, komponiert im Exil für seine in Treblinka ermordete Familie und mit größerem zeitlichen (1984) und persönlichem Abstand das Requiem von Mikis Theodorakis für die Opfer eines Massakers der deutschen Wehrmacht 1943 in der griechischen Kleinstadt Kalavryta.
Viele der klassischen und romantischen Komponisten wie Giuseppe Verdi, beschwören in der alten Sequenz „Dies irae“ mit aller Kunstfertigkeit die ganze Dramatik das Jüngste Gerichts.
Gabriel Faure und Maurice Duruflé lassen diesen Teil ganz aus. Ihre Kompositionen mag ich besonders, denn hier überwiegen Trost und Versöhnung. Ja, hier wie in den Werken der Renaissance – das erste mit namentlich bekanntem Komponisten stammt von Johannes Ockeghem – leuchtet im Tod Schönheit auf und lässt ahnen, dass wir in dieser Liturgie nicht nur am Rand des Grabes, sondern vor allem an der Schwelle des Himmels stehen. Im November lege ich mir gerne mal eines dieser Werke auf. Wenn Ihnen das in diesen dunklen Tagen nicht doch zu melancholisch ist, versuchen Sie es ruhig  auch einmal – vorzugsweise mit einer dieser Trostliturgien zwischen Tod und neuem Leben. Vieles lässt sich auch auf YouTube finden und sonst: fragen Sie mich einfach. Ich leihe auch Tonträger aus…

Ihr Ludger Kaulig

Donnerstag, 19. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Heilige der Nächstenliebe

„Für mich soll’s rote Rosen regnen – mir sollten sämtliche Wunder begegnen…“
Was Hildegard Knef 1968 mit ihrer typisch rauen Stimme ins Mikrofon gesungen hat, hätte Elisabeth von Thüringen 750 Jahre eher vielleicht etwas anders formuliert: Für Dich soll’s rote Rosen regnen – und dann werden uns sämtliche Wunder begegnen…
Die berühmte Heilige der Nächstenliebe, die die eigenen Grenzen mutig weitet und dem goldenen Käfig der Wartburg entflieht, um sich ganz im Sinne der damals aufkommenden Armutsbewegung für die Ärmsten und Schwächsten mit Herz und Hand einzusetzen, wird oft mit dem legendarischen ‚Rosenwunder‘ in Zusammenhang gebracht. Brot habe sie in einem verdeckten Korb für die Menschen am Fuß der Burg bringen wollen; und als ein Wächter sie auffordert, das Geheimnis des Korbes zu lüften, hätten Rosen im Korb gelegen.
Wahrheit oder Legende – ganz gleich: Der Wesenskern leuchtet auf: Hier geht es um handfeste Liebe in der Nachahmung und im Auftrag des Jesus von Nazareth.
Eine von vielen mutigen Frauen in der Geschichte des Christentums und der Kirche, die nicht darauf gewartet haben, bis die Männer ihnen ‚erlauben‘, was sie von ihrer inneren Bestimmung her tun mussten.
Man kann warten, bis eine Erlaubnis kommt; man kann tun, was das Herz einem aufträgt; man kann Liebe leben – entschieden und klar.
Elisabeth hat’s allen mutig gezeigt: „Man muss im Leben darauf achten, wenn für einen das Stichwort fällt!“ Dann werden uns ganz neue Wunder begegnen…
Einen wundervollen Tag heute wünscht Ihnen Ihr

Reinhard Kleinewiese, Pastor

Mittwoch, 18. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
WENN

Das kleine Büchlein mit dem blauen Einband steht recht unscheinbar rechts oben in meinem Bücherregal. Es trägt den Titel: „Das kleine Buch vom Wenn“. Es enthält nur Fragen, die mit einem ‚Wenn‘ beginnen. Spielerisch leicht denke ich mir diesen kleinen Zeitvertreib für ein paar Fragen…Bis sich zeigt: Hier wird es richtig spannend und herausfordernd und herrlich ehrlich (hoffentlich!). Lassen Sie sich doch auch einmal von der einen oder anderen Frage kitzeln, herausfordern und weitertragen…
• Wenn Sie eine Ihrer Schwächen gegen eine Stärke austauschen könnten: Was würden Sie gegen was tauschen?
• Wenn Sie einem Menschen nachträglich vergeben könnten, wem würden Sie was vergeben wollen?
• Wenn Sie jemanden aus Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis für die Heiligsprechung nominieren müssten, wer käme für Sie in Frage?
• Wenn Sie Gott eine Frage stellen könnten, wie hieße sie?
• Wenn Sie zu irgendeinem Alter in Ihrem Leben zurückkehren und von da ein anderes Leben beginnen könnten, welches Alter wäre es?
Nun – haben Sie bereits angefangen?
Wenn das Wörtchen ‚Wenn‘ nicht wär‘, ...das klingt immer nach einer unüberbrückbaren Vorbedingung.
Aber wenn das Wörtchen ‚Wenn‘ nicht wär‘, würden Menschen sich auch kaum trauen, über den eigenen Gartenzaun zu schauen, den eigenen Schatten zu überspringen, sich nach vorne hin auszustrecken, auch mal Grenzen – zumindest in Gedanken – hinter sich lassen.
‚Wenn‘ – macht Mut; auch und gerade auch im Glauben: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!
Hey, auf geht’s.
Einen guten Tag mit manchen Überraschungen wünscht Ihnen

Reinhard Kleinewiese, Pastor

Dienstag, 17. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Schale meiner Sehnsucht

Gleich links im Eingangsbereich des Klosters Helfta bei Eisleben steht sie:
Eine große Schale mit der umlaufenden Schrift:
„Vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht.“
Der Satz stammt von der Heiligen Gertrud von Helfta, eine der großen Mystikerinnen des Mittelalters. Heute ist ihr Festtag.
Diese Schale im Kloster Helfta ist mit etwas Wasser befüllt; darin schwimmen viele Buchstabenplättchen – ein buntes ABC, das offenbar darauf wartet, zu Worten geformt zu werden.
Ein starkes Bild und eine einladende Inspiration:
Die Schale meines Lebens, meiner Geschichte und Geschichten, meiner Erinnerungen und Wünsche, meiner schönen wie schmerzlichen Begegnungen – solch eine Schale meines Lebens ist gut gefüllt!
Aber die Schale meiner Sehnsucht – leer!?
So vor Gott kommen können: Mit meinen Sehnsüchten, Hoffnungen, meinen Sternenträumen – und mit zu einer Schale geöffneten Händen einfach IHM auch hinhalten dürfen: Meine Leere, mein Dasein, mein Gott-Bedürftig-Sein.
Nicht immer schon angefüllt oder gar abgefüllt mit Diesem und Jenem; sondern aufrecht stehend offen sein für Gottes Verheißungen.
Das Gebet der Hl. Getrud kennt einen zweiten Teil:
„Und fülle mich neu mit dem Trunk heiliger Hoffnung, auf dass ich lebe!“
Versuchen Sie es doch auch einmal…
Herzlichst

Ihr Reinhard Kleinewiese, Pastor

Montag, 16. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Zukunftsgesicht


Ihr seid der Hoffnung Gesicht – den Hoffnungslosen Licht –
der Beginn einer neuen Welt.
Ihr seid der Heimat Gesicht – den Heimatlosen Licht –
der Beginn einer neuen Welt.
Ihr seid der Zukunft Gesicht – den Ahnungslosen Licht –
der Beginn einer neuen Welt.
Keine neue Welt, die den Himmel verspricht,
keine neue Zeit, die das Heute vergisst,
eine Welt, die Leben lässt.


Als die Gesangsgruppe ‚Ruhama‘ dieses Lied vor Jahren vorstellte, traf es mich mitten ins Herz: Der Hoffnung ein Gesicht geben, ebenso der Heimat und der Zukunft – dieses Bild gefällt mir bis heute. Und wer, wenn nicht wir Menschenkinder, wenn nicht Sie und ich, sollten das denn tun?
Wem, wenn nicht den Menschen guten Willens, wenn nicht Ihnen und mir – hat Gott in der Geburt des Jesus von Nazareth gezeigt, dass er ganz menschlich mitten unter uns, in uns und durch uns ‚zur Welt‘ kommen will?
Mach’s wie Gott: Werde Mensch.
Aber: Sind wir’s denn nicht – oder etwa noch nicht?
Der Theologe Karl Rahner hat es in einem prägnanten Satz einmal so gesagt:
„Ich bin Christ, um es zu werden!“
Der Mensch – ein Werdender, ein Wachsender, ein Entwickler, ein Entfalter – ein Abenteurer auf den Spuren des Lebens, seiner selbst und seinen noch unentdeckten Möglichkeiten. Ebenso der getaufte Christ – schon geistbeschenkt, vor aller eigenen Leistung himmlisch geliebt: Da kann was draus werden!
Stimmt: Wir sind schon – der Hoffnung Gesicht, der Heimat und der Zukunft Gesicht- und dürfen’s immer mehr werden – für manche Heimatlose, Hoffnungslose, Zukunftsängstliche und mit allen Weggenossinnen und Weggenossen.
Mitten in den coronabedingten Ausnahmezeiten den Mut nicht aufgeben, der Geduld Gottes vertrauen, dem Gebet Zeit geben zu wirken und der Hoffnung ein Gesicht zu geben; wach und kritisch mitten im Heute leben, sorgfältig Tun und Handeln auszurichten in Solidarität und zum Schutz gerade der Schwachen und Gefährdeten – so kann’s gehen. Keine neue Welt und keine neue Zeit, die das Heute vergisst – sondern eine besondere Zeit, die herausfordert, Gesicht zu zeigen; die empfindsam macht für das Nicht-Selbstverständliche, das Zarte, die kleinen Wunder des Lebens – in einer Welt, die leben lässt.

Mit Ihnen unterwegs
Ihr Reinhard Kleinewiese, Pastor

Sonntag, 15. November 2020

Tagesimpuls | von Maria Schmelting
steigen oder sinken

Du musst steigen oder sinken,
Du musst herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboss oder Hammer sein.  (J.W. von Goethe)

Ich verliere auch nicht gern – wahrscheinlich habe ich als Kind zu wenig Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Doch das Leben hat mir Nachhilfe gegeben: nicht alle Träume konnte ich im Planspiel meines Lebens siegreich nach vorne setzen; manches Mal hat das Schicksal mich weggekickt, und ich musste wieder vorn anfangen. Rechts und links von mir ging es anderen ähnlich, und der Glückswürfel rollte sich weiter und tut es bis heute. Und immer noch erlebe ich mich drin, bin mitten im Spiel, bei dem es um Gewinnen und Verlieren geht, o-der ums Steigen und Sinken!
Steigen oder sinken: mit diesen zwei Wörtern erfahren wir jeden Morgen den aktuellen Stand der Inzidenzzahlen in der Coronakrise. Gewinnen oder verlie-ren: selbst ein Präsident, der doch als Zweiter hohe Zahlen gewonnen hat, kämpft immer noch peinlich um seine Vorherrschaft.
Steigen oder Sinken – Gewinnen oder Verlieren – Sie und ich, wir haben unsere eigenen Erfahrungen im Lebensgepäck, wir hatten oft keine Wahl und nicht immer Einfluss darauf. Das Spielbrett unseres Lebens – wie ein stabiler Am-boss: mag draufhämmern wer will, wir formen durch innere Stärke und eigenen Widerstand daran mit, wie das Spiel des Lebens am Ende ausgehen soll.
Wir tun gut daran, ein Schrift- oder Herzenswort zu kennen, das uns hält und stärkt und wieder aufbauen kann, wenn das Selbstwertgefühl sinkt. Mein Wort ist zurzeit dieses: „Sprich DU das Wort, das tröstet und befreit!“
Und ihrs?

Maria Schmelting

Samstag, 14. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Kunstwerk unseres Lebens

Bildbände bekommt man, glaube ich, meistens geschenkt und kauft sie eher selten selbst. Um solche Geschenke davor zu bewahren, dankbar angenommen – mit mehr oder weniger Interesse -, dann aber erstmal achselzuckend ins Regal gestellt zu werden, wo sie dekorativ verstauben, habe ich mir schon seit längerer Zeit etwas anderes angewöhnt: An einer gut sichtbaren Stelle in der Wohnung oder im Büro lege ich jeweils einen Band aus. Wenn ich dort das erste Mal am Tag vorbeikomme, blättere ich einmal um und gönne mir etwas Zeit für das Bild.
Zum wiederholten Mal liegt dort ein Bildband von Andy Goldsworthy (* 1956). Er nimmt Dinge aus der Natur und gestaltet daraus Kunstwerke. Sie sind mal monumental z.B. aus Steinen oder großflächig als Erdarbeit mit einem Bagger, meist aber klein, zerbrechlich und vor allem:  vergänglich – aus Halmen, Blätter, Beeren, Eiszapfen… So bleiben von Goldsworthys Werken meist nur Erinnerungen in Gestalt der Fotos, die dieses Buch präsentiert.
Eigentlich eine schöne Analogie unseres Lebens. Schaffen wir nicht auch aus kleinen alltäglichen Dingen das flüchtige Kunstwerk unsers Lebens – oft scheinbar nur noch eine Erinnerung im Fotoalbum oder, schon halb vergessen, auf einer Festplatte?
Wenn Gott sich erinnert, wenn in der Bibel steht, dass er an uns denkt, ist das viel mehr als ein Gedanke oder ein altes Foto. Wenn Gott wohlwollend, barmherzig an uns denkt, ist der Gedanke Wirklichkeit, bedeutet Leben und Erlösung (für mich besonders deutlich und eindrucksvoll: Lk 23,42-43). Weil Gott uns nicht vergisst, sind wir lebendig auch jenseits des Todes, bei ihm gegenwärtig jenseits der Zeit. Auch wenn wir die Eucharistie als „Gedächtnisfeier“ begehen, wirken wir mit ihm diese göttliche Art der Vergegenwärtigung. Da wird nun umgekehrt er unter uns gegenwärtig in ganz schlichten Dingen. Ich lese das auch als Einladung, mit ihm im Flüchtigen und Vergänglichen das Ewige zu entdecken.
Der Herbst bietet eine gute Gelegenheit, das mit den Mitteln von Andy Goldsworthy auszuprobieren. Die Natur bietet gerade jetzt besonders viel und besonders schönes „Material“ und der derzeitige Lockdown ist vielleicht gerade eine gute Zeit dafür, das behutsam zu sammeln, fast schon zärtlich zu komponieren und dabei im herbstlich Vergehenden die göttlich zeitlose Gegenwart zu meditieren.
Als konkrete Anregung schicke ich Ihnen noch einen Link – www.artnet.de (und dann nach „Goldsworthy“ suchen) –
und grüße Sie herbstlich und herzlich.

Ludger Kaulig

Freitag, 13. November 2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
„Danke!“

Manchmal haben Kinder die besten Ideen und Gedanken. Die Erfahrung mache ich immer wieder.
Bei einem Gottesdienst mit Erstkommunionkindern Ende Oktober erzählte ich von Samuel, der von Gott gerufen wird. Im Anschluss fragte ich die Kinder: „Was meint ihr, wieso ruft Gott eigentlich Menschen? Was sagt der denen? Was sollen die machen?“
Erstmal schweigen. Dann kamen ein paar Ideen.
Und es entwickelte sich - ungefähr -folgendes kurzes aber einprägsames Gespräch:
Kind: „Dass die Danke sagen.
Ich: „Was meinst du genau?“
Kind: „Ja, dass man Danke sagt.“
Ich: „Du meinst, Gott sagt den Menschen „Sag, Danke, wenn du etwas bekommst oder dir etwas Gutes getan wird.“?
Kind: „Genau. Man muss Danke sagen. Das will Gott. Dann ist es gut.“
Und ich merkte, wie mir im Anschluss Situationen durch den Kopf gingen, wo ich „Danke“ gesagt habe, weil mir etwas Gutes getan wurde. Das waren kurze Erinnerungen an schöne Momente!

„Danke dafür!“ sagt
Ralf Peters

Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 17, Verse 11-19, hält dazu diese thematisch passende Erzählung bereit:
Und es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter. Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

Donnerstag, 12. November 2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
Uns eint die Liebe 

Im November ballen sich die Totengedenktage.
Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag.
Wer hat im Laufe seines Lebens nicht einen lieben Menschen verloren?
Einem Theologen wurde einmal die Frage gestellt:
„Werde ich nach dem Tod mein verstorbenes Kind wiedersehen?“
„Die Frage ist falsch gestellt“; antwortete er.
Da ist kein ich, da ist alles eins. In der Zeitlosigkeit sind wir und unsere Verwandten eins. Für den Verstand ist das nicht zu begreifen, weil wir uns nur eine personale Beziehung vorstellen können. In der Zeitlosigkeit gibt es eine viel innigere Verbundenheit.
Und deshalb dürfen wir Gott von ganzem Herzen bitten: „Öffne unsere Herzen und Augen und mach unseren Verstand bereit, dass wir sehen lernen.“
Als ich vor 13 Jahren die Nachricht vom plötzlichen Tod meiner einzigen Tochter bekam, war ich nicht fähig, zu sehen. Ich war wie gelähmt.
Und diese Lähmung machte es möglich, dass die Wahrheit dieser Nachricht nicht in meine Seele drang. Sie entfernte sich von meinem Geist und ließ so zu, dass der Körper funktionierte.
Wäre ich sonst in der Lage gewesen, in der Wohnung meiner gerade verstorbenen Tochter aufrecht zu stehen?
Wäre ich sonst in der Lage gewesen, ihren leichten Parfümduft, der noch in der Garderobe hing, einzuatmen und nicht zu ersticken?
Als ich in der Messe neben dem Sarg meiner Tochter stand, sah ich nur das Holz. Ich sah eine Kiste. Ich sah nicht weiter. Ich wollte keine Beziehung zu dem Holz haben. Ich sah meine Söhne weinen, ich weinte nicht.
Einige Tage später ging ich an den Ort in der Kirche zurück, an dem dieses Holz, diese Kiste gestanden hatte. Der Sarg meiner Tochter.
Jetzt konnte ich sehen. Durch das Holz hindurch sehen. Und ich sah. Ich sah sie. Und der Wunsch wurde übermächtig in mir, sie zu berühren und zu wecken: „Steh auf mein Kind, es ist schon hell!“ Keine gnädige Lähmung schützte mich mehr.
„Öffne unsere Augen, dass wir sehen lernen!“, bitten die zwei Blinden im Matthäusevangelium:
Und wenn auch meine und unsere Augen sich auftun, was dürfen wir sehen und erkennen?
Wir sehen und erkennen, dass Gott uns ein Versprechen anbietet.
Er verspricht uns, dass wir eins sind mit den Toten. Kein Diesseits und kein Jenseits. Eine Gemeinschaft, in der wir uns nur auf die Beziehung Gottes zu uns verlassen können.
Uns eint die Liebe.
 
Ilse Blomberg

Mittwoch, 11. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Martinszüge abgesagt…
Was bleibt, wenn das schöne Brauchtum der Pandemie zum Opfer fällt? Kein Laternenbasteln, keine Umzüge, kein Martinsspielt, keine Martinsgans…
Es bleibt – wie in der Martinsbasilika von Tours – recht wenig vom Heiligen Martin: ein kleiner Schrein für ihn, dem ersten Heiligen, der kein Märtyrer war, und ein Bild in der Kuppel. Auch in darauf gibt es keine Laternen und keine Gänse. So bleibt Gelegenheit, einmal nachzudenken, auch jenseits des Brauchtums. Was also macht uns Martin erinnerungswert?
Ich denke an den neugetauften, jugendlichen Martin, der sich fragt: Wie geht Christsein? Er hatte noch keine bestehenden Traditionen zur Hand. Er musste suchen, was für ihn Christusnachfolge sein könnte. Und er suchte nicht nur oberflächlich, sondern von der Wurzel her (radikal). Ich denke an sein jugendliches Mitgefühl anderen gegenüber, symbolisiert im geteilten Mantel. Er hilft spontan, völlig unkonventionell, ja nahezu leichtsinnig. Ich denke auch an seine Bescheidenheit, selbst als Bischof. Er wohnt statt im Bischofshaus in einer armseligen Hütte vor der Stadt (aus der das Kloster Marmoutier entstand). Er gibt sich als Bischof nicht mit einem funktionierenden Zentrum zufrieden, sondern geht zu den Leuten aufs Land und schaut sich ihre Lebensverhältnisse und Sorgen an, hilft Kranken und Armen, und trägt so die Botschaft Jesu über den Stadtkern hinaus. Ja, das sollte über seinen Tod hinaus gelten. Darum wurde sein Grab zum Wallfahrtsort für Heil-Suchende.
Martin ist spontan, mutig, konsequent, ideenreich, ausdauernd, auf Jesus konzentriert, barmherzig, wirklich Lebenszüge, die zum „Mitziehen“ einladen. Lebenszüge, die gerade in Zeiten eingeschränkter liturgischer Versammlungen neu die Frage an uns heute stellt:
Wie geht Christsein - heute?
Die Frage, die schon Martin mit sich trug – und auf seine Weise, ohne ihm verfügbare Tradition beantwortete.

Pfr. Georg Aßmann
 

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