„Wir engagieren uns im Dialog mit den christlichen Konfessionen, Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften und allen Menschen guten Willens.“ Unsere Vision

Tagesimpulse

im Herbst und Winter 2020

Tagesimpulse vom 11.11. bis 24.12.2020
In diesen schwierigen Tagen soll Ihnen die Tagesimpulse im Advent Nähe und Verbundenheit vermitteln, Trost und Ermutigung geben. Mehr als jedes andere Jahr kann uns vielleicht die Vorfreude auf das Geburtsfest unseres Herrn diese dunkle Zeit heller und trostreicher machen. 
 

Heiligabend, 24. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Günter Gramatke
Gott in unserer Welt

Eine aufgebrochene Erdkugel aus Zement, in die tiefe Kerbe hineingelegt ein Menschenkind. Es hält mit seinen Händen eine Dornenkrone, die die Welt umfängt. Dazu der Text: „Geborstene Welt, Welt aus hartem Beton. In deine Wunde legt sich das Heil, hält dich mit Dornen umfangen.“ Eine bemerkenswerte Darstellung, die ich vor Jahren bei einer Krippen-ausstellung in Telgte entdeckt habe und die mir in nachhaltiger Erinnerung geblieben ist.

Die geborstene, aufgebrochene Erde als Krippe Jesu, das Geheimnis seiner Geburt auf unserer verwundeten Erde, - eine Darstellung, die mich in diesem Jahr besonders berührt, da die Corona-Pandemie sich über die ganze Erde ausbreitet und einschneidende Maßnahmen die vertraute Feier des Weihnachtsfestes einschränken. Aber vielleicht sind wir damit viel näher am Kern des Weihnachtsgeschehens; denn es geht ja nicht um eine glanzvolle Idylle, sondern um den Beginn eines Weges, der am Kreuz endet. Kann man es eindrucksvoller ausdrücken? Gott legt sich in die Wunde unserer Welt, dorthin, wo sie am empfindlichsten, am schwächsten, am verletzbarsten ist, um sie auf diese Weise zu heilen und zu stärken mit der Kraft seiner Liebe.

Ich gebe zu: „Dieses weihnachtliche Geschehen stellt große Anforderungen an unseren Glauben. Können wir in dem weltweiten Elend und bei all den Belastungen und Enttäuschungen im Leben vieler Menschen wirklich daran festhalten, dass in der Geburt Jesu Gottes Liebe zu unserer Erde aufgeleuchtet ist und ihm diese Erde nicht gleichgültig ist? Ja, das ist eine unfassbare Botschaft. Aber ohne sie wäre der Glaube nicht wirklich tragfähig und hilfreich für unser Leben. Gott begibt sich mitten in diese friedlose und ungerechte Welt mit ihren grausamen Widersprüchen. Die Weihnachtsbotschaft erzählt von seiner Liebe gerade zu den Armen und Schwachen, zu denen, die vor den Mächtigen dieser Welt nichts zählen, und wertet sie auf. Er steigt in dem Kind Jesus hinab bis in die Schluchten der menschlichen Seele und lässt sich von ihrem Leid treffen und verwunden. Diese tröstliche Botschaft fordert auch uns auf zur Empathie, zum Mitgefühl mit anderen und zum Einsatz für die, die unsere Hilfe besonders brauchen. Letztlich können wir vor dem Wunder der Geburt Jesu nur anbetend stehen, wie es in einem Lied heißt. „Oh, dass mein Sinn ein Abgrund wär´ und meine Seel´ ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen.“

Pfr. Günter Gramatke
 

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Lothar Weichel
Liebe Suchende.

Jetzt ist es ja – Gott sei Dank – (bald) soweit. Auch in diesen Zeiten müssen wir mit Leib und Seele kräftig Weihnachten feiern!

Weihnachten, das heißt ja Gottes Liebe bekommt Hand und Fuß (genauer: „Händchen und Füßchen“). Und das ist ja das Wunderbare beim Christkind: Gerade geboren – und es kann schon sprechen und zuhören. Und davon erzählt die Geschichte:

„Du kannst nun jeden Tag zu mir kommen!“
Als die Hirten schon lange gegangen waren und es still geworden war in der provisorischen Notunterkunft seiner Geburt, hob das Christkind seinen Kopf und sah zur Tür. Dort stand ein Junge, verängstigt und schüchtern. „Komm herein“, sagte das Christkind „warum bist du denn so ängstlich?“ „Weil ich dir nichts mitgebracht habe“, antwortete der Junge. „Ich hätte aber sehr gerne etwas von dir“, meinte das Christkind in der Krippe.
Da wurde der fremde Junge ganz verlegen: „Ich habe nichts. Mir gehört nichts. Wenn ich etwas hätte, würde ich es dir geben. Hier“, und der Junge wühlte in den Taschen seiner Hose, „hier ist die Klinge eines alten Messers, Ich habe sie gefunden, du sollst sie haben.“ „Nein“, sagte das Kind, „behalte sie. Ich möchte etwas ganz anderes von dir haben. Es sind drei Dinge.“ „Gern“, sagte der Junge, „aber was?“ „Schenk mit deiner letzten Bild, das du gemalt hast.“ Der Junge wurde rot und verlegen...
Damit es nicht einmal Maria und Josef hören konnten, ging er mit seinem Mund ganz nah an das Christkind heran. „Aber das Bild war so schlecht, dass es niemand überhaupt anschauen mochte.“ „Eben deshalb“, sagte das Kind in der Krippe, „möchte ich das Bild haben. Du sollst mir immer das bringen, was anderen an dir nicht gefällt oder was anderen in deinem Leben nicht genügt.“ „Und dann“, fuhr das Christkind fort, „möchte ich deinen Teller haben, von dem du heute zu Mittag gegessen hast.“ „Aber den habe ich aus lauter Wut über meine Eltern zerbrochen“, stotterte der Junge. „Darum will ich ihn haben“, sagt das Kind in der Krippe. „Du sollst  mir immer das bringen, was in deinem Leben zerbrochen ist. Ich will es wieder ganz machen.“ „Und als Letztes“, sagte das Christkind, „gib mir die Antwort an deine Eltern, als sie dich fragten, wie du den Teller zerbrochen hast.“ Da wurde der Junge sehr traurig und flüsterte: „Ich habe gesagt, ich hätte den Teller unabsichtlich vom Tisch gestoßen. Aber das war eine Lüge. In Wirklichkeit habe ich ihn in voller Wut auf den Steinboden geworfen.“ „Das wollte ich wissen“, sagte das Kind.
„Bring mir immer alles, was ist deinem Leben schiefläuft, deine Ausflüchte, deine Feigheit und Grausamkeit. Ich will sie dir wegnehmen. Du brauchst sie nicht. Ich will dich froh machen. Ich will dich glücklich sehen! Und dann bring mir auch alles andere: deine Freude, dein Glück, deine Zuversicht, deine...“
(Unbekannter Verfasser)

Vielleicht schreiben Sie Ihre „drei Geschenke“ für das Christkind auf. An Ihrem Weihnachtsbaum ist bestimmt noch Platz.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückseliges neues Jahr 2021 wünscht Ihnen

Lothar Weichel

Dienstag, 22. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Claudia Pospiech
Erwartung


Dies ist Weihnachten,
einmal im Jahr diese Erwartung in sich fühlen,
dass das Erwachsene, das jetzt über uns ist,
nicht weniger, nein, mit viel mehr,
mit Unendlichem uns überraschen will,
dass im Grunde unsere größten Wünsche,
wenn wir sie nur recht ins Herz fassen,
nicht unerfüllt bleiben können,
dass wir gar keinen Moment den Wunsch,
sondern eigentlich immer schon eine kleine Erfüllung in uns tragen,
die wir der Pflege Gottes überlassen müssen,
der sie großzieht und zu Ansehen bringt
aus unserem Erdreich.                                           
 

Worte von Rainer Maria Rilke, der sie in einem Brief  an seine Mutter am 19. Dezember 1910 schrieb.

Sie haben mich an einem Tag in diesem Advent begleitet.
Wie gehen wir um mit Worten, die uns finden und gefunden haben?
Wie geht es Ihnen mit diesen Zeilen?
Haben Sie gar Bilder oder Gedanken dazu parat?

Das Erwachsene in uns
Die Stufen des menschlichen Lebens:
vom Fötus zum Embryo zum Baby zum Kind zum Jugendlichen zum Erwachsenen.
Das Erwachsene:
vom Fötus zum Embryo zum Baby zum Jugendlichen zum Erwachsenen.
Da heraus erwächst der Mensch mit seinen unverkennbaren Wesenszügen und Handlungen und erweitert sein Wesen mit allen neuen Begegnungen, ganz gleich welcher Art.
Die Zusage des großen JA durchwirkt dieses Geschehen.
Dieser Möglichkeit des Werdens in uns, mit uns,
durch uns.
Unendlichkeit.Lichtvolles.Verheißung.

Weihnachten dann,
wenn das Erwachsene uns mit dem Unendlichen in uns überraschen will?
Den Möglichkeiten Ausdruck geben. Dem Möglichen Vertrauen schenken. Dem Möglichen in Offenheit begegnen.

Empfinden wir es alle (gleich) ?
Es ist und bleibt in seiner Vieldeutigkeit eben jenes Geheimnis, welches Menschen umhüllt.
Wohl auch jenes tiefe Geheimnis, welches höchst lebendig von einem Jeden höchst selbst erkundet sein möchte und  - noch besser  - erkundet werden kann.
Geheimnis des Glaubens.

Das Erwachsene, das jetzt über uns ist . . . . . . . . . und über uns hinaus verweist.
Die spürbare Weite, dieses über-uns-hinaus-weisende.  
Herrlichkeit?
Herrlichkeit!
Herrlichkeit, ein Begriff der neu erspürt werden kann in diesen Tagen.
H e r r l i c h k e i t .
Sie zu erspüren, zu fühlen, zu leben, zu schenken und sich einzuverleiben braucht Hingabe und Übung.
Wie oft gestatten wir uns in Herrlichkeit zu denken?
Wie oft gestatten wir uns in Herrlichkeit zu leben?

Wir können unseren Wünschen Ausdruck geben, indem wir sie  -für uns- formulieren.
In der Stille. Im Herzen. Dort sind sie getragen. In uns. Mit uns. Durch uns.

Wenn aus Erwartung Entdeckung wird und wir verstehen:
Dies  ist  Weihnachten,  einmal  im  Jahr  diese  Erwartung  in  sich  fühlen,  dass  das  Erwachsene,  das  jetzt  über  uns  ist,  nicht  weniger,  nein,  mit  viel  mehr,  mit  Unendlichem  uns  überraschen will,  dass  im  Grunde  unsere  größten  Wünsche,  wenn  wir  sie  nur  recht  ins  Herz  fassen,  nicht  unerfüllt  bleiben  können,  dass  wir  gar  keinen  Moment  den  Wunsch,  sondern  eigentlich  immer schon  eine  kleine  Erfüllung  in  uns  tragen,  die  wir  der  Pflege  Gottes  überlassen  müssen,  der sie  großzieht  und  zu  Ansehen  bringt  aus  unserem  Erdreich.!

Claudia Pospiech

Montag, 21. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Reinhard Kleinewiese
Lachen und Weinen
‚Im katholischen Gottesdienst darf man nicht lachen‘,
las ich tatsächlich kürzlich in einem Artikel einer großen Zeitung. Ach – das wusste ich noch gar nicht! Wer hat gesagt, dass Glaube staubtrocken sein muss, langweilig, farblos und weltfremd? Dann ist er vermutlich auch gefühl-, hoffnungs- und letztlich sinnlos.

Im Buch der Bücher bin ich berauscht von Dynamik, Lachen und Weinen, Kämpfen und Lieben, Tragik und Humor – Gott ist wie das Leben: Bunt, vielfältig, spannend – ein feiner Dramaturg, ein Künstler – und vor allem: Ein Liebhaber. Die schönsten Liebeslieder sind auch in der Bibel zu finden– das „Lied der Lieder“, das Hohelied der Liebe. Heute, kurz vor dem Fest taucht ein Abschnitt daraus auf:
„Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge – einem jungen Hirsch gleich. Er spricht: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Dein Gesicht lass mich sehen, denn süß ist deine Stimme, lieblich dein Gesicht!“

Poesie von Verliebten. Gottespoesie. Gottes Stimme, die ruft und lockt, jung und dynamisch. So stelle ich mir Gott irgendwie auch vor: Ein Verliebter, der uns sucht. Jung und dynamisch springt er über die Berge, um seine geliebten Geschöpfe zu treffen. Gott – liebevoll, liebestoll. Verrückt nach der Welt – so macht er sich in Maria über alle Berge auf den Weg hin zu uns. (Und er kennt noch tausendundeine andere Variante).
Weihnachten als ‚Fest der Liebe‘ – das bekommt hier mal eine ganz neue Farbe! Ein Gott, der so verliebt ist, dass er das nicht für sich behalten will und los eilt, um uns zu finden: Ist das nicht fantastisch?

Da kann man aufatmen, klatschen, singen, jubeln, feiern, lachen, danken –
Oder: Wie weit und breit ist das Repertoire Ihres Glaubens?

Reinhard Kleinewiese

Sonntag, 20. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
Klimawandel

Seit einigen Tagen ist meine kleine Heimatstadt  Eluru  in den Weltnachrichten. Das wurde soeben in den deutschen Zeitungen und Nachrichten veröffentlicht. Der Grund ist eine mysteriöse Krankheit. Hunderte Fälle in Indien: Mysteriöse Krankheit ausgebrochen (09.12.2020, Tagesschau)

Es ist traurig für mich, dass die Menschen in meiner Stadt sehr gefährdet sind. Die Massenerkrankung mitten in der Corona-Pandemie bringt zusätzliche Probleme für das Gesundheitssystem in meiner Stadt.

Mein Dorf Madepalli ist nur zwei Kilometer entfernt von Eluru. Niemand aus meinem Dorf Madepalli ist bis jetzt krankgemeldet. Die Krankheit verbreitet sich zurzeit in Eluru und in einigen umliegenden Orten.

Mein Dorf Madepalli ist ein schöner Ort mit kleinen Kanälen, Wasserteichen, Wasserblumen, Kokos-palmen, Reisfeldern usw. Als kleiner Junge habe ich mit den Jungen des Dorfes in den Kanälen geschwommen. Wir haben das Wasser getrunken und Fische gefangen. Das Wasser war Kristall klar. Die Fische konnte ich unter der Wasseroberfläche sehen. Aber seit den 90-ger Jahren hat sich vieles in dieser Gegend verändert. 

Das Wasser ist kontaminiert. Abwasser von der Stadt Eluru und von der Großstadt Vijayawada wurden seit vielen Jahren in die Kanäle der Region abgeleitet. In allen Kanälen sammelt sich Müll, Plastik und Metall. Außerdem ist das Wasser mit organischen Chemi-kalien verschmutzt. 

Die Wasserbehörde der Stadt Eluru sammelt dieses Wasser in einem großen Trinkwasserteich. Es wird mit Chlorid sauber gemacht und  in die ganze Stadt Eluru geleitet. Viele Leute trinken nur dieses Wasser, weil sie kein Mineralwasser kaufen können.

Seit einigen Tagen werden Menschen in dieser Stadt krank. Krampfanfälle, Gedächtnisverlust und Angst-zustände: Mit solchen Symptomen wurden hunderte Menschen in Südindien ins Krankenhaus eingeliefert. Verdacht auf Bleivergiftung im Wasser (Tagesschau). Die meisten Patienten erholen sich in einigen Stunden wieder.  Doch von Tag zu Tag erkranken weitere Menschen.

Es steht fest, dass die Umwelt in der ganzen Welt sehr gefährdet ist.  Eluru, meine kleine Stadt ist ein Beispiel dafür. Das Klima auf dem Planeten hat sich gewandelt.

Pfr. Joseph Thota 

Enzyklika "Laudato si"
Klimawandel, Artenvielfalt, Trinkwasser: Diese Themen bestimmen die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Er wendet sich damit an "alle Menschen guten Willens" - und erklärt, warum eine ökologische Umkehr auch soziale Gerechtigkeit bedeutet. Papst Franziskus hat die reichen Industrienationen zu einer grundlegenden "ökologischen Umkehr" aufgefordert, um globale Umweltzerstörung und Klimawandel zu stoppen. Es sei unvertretbar, dass einige "mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde" leben könnten, heißt es in seiner Umweltenzyklika "Laudato si" (Sei gepriesen). "Darum ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann", so Franziskus weiter. Die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Rohstoffe auf Kosten ärmerer Länder, sei eine "ökologische Schuld" der Industrienationen. Einige "Höchstgrenzen der Ausbeutung des Planeten" seien bereits überschritten. (KNA)

Samstag, 19. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Maria Schmelting
Lichtfahrt ins Dunkel

Das Bild spricht für sich: Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren Bergleute so ins Dunkel der Erde. Sie hingen als Schicksalsgemeinschaft an einem Seil – in der einen Hand das kleine Licht für Sicht und Sauerstoff-kontrolle. Die andere Hand dient dem Halt, der Sicherheit …

Gott,
als Schicksalsgemeinschaft
tauchen wir weltweit ein ins Überleben unserer Erde.
Wir müssen zusammenhalten,
können nicht aussteigen
und sind aufeinander angewiesen.

Wie eine Lichtfahrt ins Dunkel
will mir die Gegenwart scheinen:
Die Luft wird dünner –
zu viele Krisen,
zu viele Katastrophen.
Und ich habe nichts anderes in der Hand
als Dein Wort,
das tröstet und befreit::
„Dich / Euch wird es nicht treffen!“
(Ps 91,7)
 
Ich verlasse mich auf Dich,
so wie es meine Vorfahren
all die tausend Jahre getan haben.
Komm, und befreie uns
von den Viren der Zeit,
die uns an Leib und Seele bedrohen.

Bleibe bei uns
mit dem Licht des Vertrauens.
Bleibe uns nahe
in Deiner Menschlichkeit.
Bleibe bei uns
in den Zufällen und Zeichen.
Bleibe bei uns –
Weihnachten –
weil alles so anders sein wird.

Maria Schmelting

Freitag, 18. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
"Willi, mir fällt nichts mehr ein..!"

(O-Ton war tirolerisch...) Tja, Adventskalenderbasteln 1986 im Pfarrheim meiner Kirchengemeinde in Innsbruck, wo ich damals studierte... und 24 Türchen sind ganz schön viele, wenn man sie alle mit eigenen Ideen bemalen muss... und so erzählte ich den Kids eine Geschichte von einem Schwein, dass sich an der Krippe eingefunden hatte (historisch natürlich abwegig, aber immerhin kommen Schweine 9-mal im Neuen Testament vor; leider nur sehr negativ, was bei der Abneigung des israelischen Volkes, was Schweinefleisch angeht, logisch ist. Aber hatte nicht Jesus immer eine Vorliebe für die Entrechteten und Verachteten?) Und so waren in der Tiroler Landes-hauptstadt im Stadtteil Saggen im Advent 1986 im Kalender überall Schweine zu finden, übrigens auch in manchen Krippen... ob das heute noch so ist, weiß ich leider nicht... mir hat das immer gut gefallen, immerhin tauchen Ochse und Esel in der biblischen Geschichte von der Geburt Jesu ja auch überhaupt nicht auf...

"Willi, lies mal vor, handelt von Dir!"
3 Jahre später, Kindergarten in Moers in meiner Praktikumsgemeinde. Das Buch, das mir der kleine Mensch reichte, hieß: "Willi Wildschwein". Ich las von einem kleinen Frischling, der vergeblich Freunde suchte - aber als großer, ausgewachsener Keiler dann den ganzen Wald vor den Jägern rettete. Und sich dann für alle Zeiten ausgesprochener Beliebtheit erfreute...
Danach erzählte ich erst immer, dass Wildschweine meine Lieblingstiere sind... bis sie es tatsächlich auch waren... und ich immer mehr Kuscheltiere dieser Art bekam, so dass sie zu einer ganzen Herde heran-wuchsen...
Und als ich eines Tages las, dass die Lieblingstiere von Jörg Zink, dem berühmten evangelischen Theologen, eben diese Tiere sind, weil sie immer mit der Nase am Boden bleiben, also geerdet sind, da wusste ich, ich hatte die richtige Wahl getroffen...
Und so finden Sie sich auch immer an meiner Krippe wieder... und für mich zählen Schweine überhaupt zu den interessantesten Vertretern der Tierwelt, zu den intelligentesten muss man sie sowieso zählen - und wer hat schon eine Nase, die so energiegeladen aussieht, dass man nur zu gerne den Stecker seines Föns dort anschließen möchte?

Willi Stroband

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Wann fängt Weihnachten an?

Mit der Verkündigung an Maria?
Mit dem Stammbaum Jesu, den wir heute im Evangelium lesen? Viel früher!
Mit der Verheißung im dritten Kapitel der Genesis (1. Buch Mose 3,15), worin Gott zusagt, dass er eines Tages die ganze Menschheit von Sünde und Tod, von Ungehorsam, allem Bösen und menschlicher Herzens-härte, die infolge des Sündenfalls entstanden waren, erlösen würde.
In allen folgenden Büchern und Kapiteln der Bibel bricht diese Verheißung immer wieder durch: Gott selbst spricht vielleicht eher selten, aber er wirkt im alltäglichen Gewirr menschlicher Entscheidungen. Auch im sogenannten Jakobssegen (heutige Lesung 1. Mose 49,10), wo vom Herrscherstab aus dem Haus Juda die Rede ist, klingt diese Verheißung an. Und selbst der zum Verfluchen bestellte, heidnische Seher Bileam gibt der Verheißung Ausdruck: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel.“ (Numeri - 4. Mose 24,17) Im letzten Buch der Schrift, in der Offenbarung des Johannes, heißt es dann: „Siehe, gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids; er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen.“ (Offb 5,6)

Wann fängt Weihnachten an?
Nicht in acht Tagen. Es hat längst angefangen, lange vor uns. Wir, die wir glauben, dass der Messias gekommen ist und uns auf seinen Geburtstag vorbereiten, können Erlösung/Weihnachten erlebbar machen, trotz Pandemie, trotz ausgefallener Weihnachtsfeiern, allem zum Trotz: es wird immer mehr Weihnachten/Erlösung - auch und gerade durch uns, jeden Tag.

In diesem Sinne und auf dass die von Gott eingelöste Verheißung der Erlösung neu und kraftvoll erfahrbar werde

Ihr Pastor Georg Aßmann

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Maria Schmelting
Es eilt: O Heiland reiß die Himmel auf!

Friedrich Spee, 1622. Es ist finsteres Mittelalter, ein Stück peinliche Kirchengeschichte. Es war so einfach: „für Hexen kamen nur Frauen in Frage“, und weiter heißt es wörtlich im „Hexenhammer“, in einem dicken Buch, von Dominikanerpatres erdacht und vom damaligen Papst bekräftigt: „... das Weib ist nur ein unvollkommenes Tier, das in allen Kräften der Seele und des Leibes mangelhaft ist.“ Das tut weh. Noch heute.

Es hat - Gott sei es gedankt, immer auch Menschen gegeben, die angesichts solcher Verlautbarungen auf die Barrikaden gingen. Friedrich Spee beispielsweise. Der Fall ‘Katharina von Hennoth’ ging ihm ans Herz.
Was war passiert? Wieder war jemand an Pest erkrankt. Die alte Frage: Warum? Sie suchte nach Schuld, nach dem Schuldigen. Diesmal war eine Nonne an Pest erkrankt. Wer hatte sie verhext? Katharina! Sie war schön, und das war Grund genug, ein Gerücht in die Welt zu setzen. ‘Gestehe! Eine Chance hast du sowieso nicht. Eine Frau hatte nie eine Chance. Gestehe oder bekenne! Die Folterei ging ins Unermessliche. Katharina gab nichts zu. Es gab nichts zuzugeben.

Friedrich Spee sah sie leiden, sah die vielen Frauen gedemütigt, sah sie blutig und zerfetzt, sah sie gegen den Himmel schreien und schließlich sah er sie in Flammen aufgehen. Das Maß war voll. 200 Frauen soll er so seelsorglich begleitet haben. Er verfasste unter einem Pseudonym das Werk „Cautio Criminalis“ (Vorsicht in den Kriminalprozessen!)

Damit begann die Jagd nach Friedrich Spee. Ihm wäre sein Ende klar gewesen, alles im Namen der Kirche. Er floh von einer Stadt zur anderen, gehetzt von den Schergen des 30-jährigen Krieges, die da grausig tobten und verfolgt von den Obern seines Ordens - Friedrich Spee war Jesuit. Unermüdlich blieb er im Einsatz bei seinen Pestkranken. „Schlohweiß“ war sein Haar in jungen Jahren, berichtet die Chronik. Er war 44 Jahre, als er selbst an Pest erkrankte und starb. Friedrich Spee - sein Leben, ein Schrei zum Himmel!

Und wir singen im Advent diesen Schrei zum Himmel, verfasst vom Dichter Friedrich Spee, noch hunderte von Jahren später. Für wen? Für wen rufen wir nach Erlösung, für wen nach Lösung?

Gott, reiß ihn auf, den Himmel! Reiß Türen und Tore auf! Komm! Komm schnell. Taue Schrecken und Angst in dieser unheimlichen Zeit der Pandemie und gieße Dich ins Leben. Erde, sei nicht harmlos. Schlag neues Leben aus. Du hast die Kraft. Es eilt!

Maria Schmelting

Dienstag, 15. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Im Kleinen das Große entdecken

Vor einem Monat habe ich Ihnen an dieser Stelle einige kleine musikalische Kostbarkeiten aus meiner Requiem-Sammlung (Lloyd-Webber u.a.) vorgestellt. Der Sammlung verdankt sich auch meine persönliche Entdeckung eines Komponisten, der es meist nicht in musikgeschichtliche Abhandlungen schafft. Das liegt mit Sicherheit an seiner Herkunft: Esteban Salas y Castro (1725 – 1803) ist der erste namhaft bekannte „klassische“ Komponist, der auf Kuba geboren wurde. Werke über ihn sind – nicht einmal übersetzt – offenbar weitgehend auf dieser Karibikinsel geblieben. Obwohl wesentlich später geboren, erinnert er mich ein wenig an Heinrich Schütz (1585 – 1672. Seine „Weihnachtshistorie“ ist für diese Tage übrigens auch sehr empfehlenswert.). Ich bin kein Fachmensch, aber ich vermute, dass Salas  – so wie Schütz durch den 30-jährigen Krieg – durch seine Rahmenbedingungen mit bescheidenen Mitteln, kleinen Ensembles und ungeschulten Besetzungen auskommen musste. Das führt zu eher zarten, intimen Stücken. Sie sind zugleich freundlich und volksnah und lassen neben den Wurzeln im spanischen Barock auch karibisches Flair ahnen. Diese Stücke sind dann wohl auch bekannter als sein Requiem. Und es sind vor allem Weihnachtslieder (Villancicos und auch Pastorelas). Deshalb möchte ich sie Ihnen heute ans Herz legen. Wenn Ihnen unsere weihnachtlichen Klassiker irgendwie noch lieb sind, aber durch zu häufigen Gebrauch auch abgenutzt erscheinen, zum Teil in Kaufhäusern totgedudelt, der amerikanische Weih-nachtspop als Verlegenheitslösung einer höchstens noch eingeschränkt christlichen Kultur entlarvt, dann beleben Sie doch Ihr Repertoire mit dem einen oder anderen dieser Stücke. Genießen Sie das Große, das aus bescheidenen Möglichkeiten geschaffen wurde, im Schlichten und Alltagsnahen, in der Miniatur einer Perle.

Vor allem aber: Wenn wir schon auf den Gesang in der Kirche verzichten müssen und auf die großen Chöre, dann mögen die Villancicos von Esteban Salas auch eine Ermutigung sein, selbst zu musizieren, daheim zu singen, Hausmusik an der Krippe, wo wir feiern, dass Gott sich auf unsere bescheidenen Möglichkeiten einlässt und im Kleinsten das Größte bewirkt.

Pfr. Dr. Ludger Kaulig

Montag, 14. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
Bald ist Weihnachten

Dieses Foto stammt aus einer Reihe mit dem Titel „Jesus an der Ruhr“,
die Schüler zusammen mit Profifotografen 2003 erstellt haben. Das Bild ist das Weihnachtsbild und trägt den Titel „Geburt Jesu“.
Es hat mich auf den ersten Blick fasziniert.
Betrachten Sie das Bild und lassen Sie sich mitnehmen auf eine kurze
Gedankenreise dazu:

Da sitzt ein Kind.
Alleine.
Mitten in einer Art Wüste.

Sein Blick ist voller Sehnsucht.
Fesselnd. Faszinierend.
Und obwohl es mich nicht anschaut
dieses Kind
will ich hingehen.
Es in den Arm nehmen.
Ihm Geborgenheit schenken.
Seine Sehnsucht stillen.

Ihm erzählen
von seiner Zukunft
von der Welt.

Doch was habe ich ihm zu sagen?
Kind, deine Sehnsucht wird bleiben?

Aber das Kind schaut,
so voller Sehnsucht,
so voller Hoffnung.

Es zieht mich in seinen Bann,
dieses Kind.
Ich kann mich nicht entziehen.
Spüre ich da einen kleinen Funken Hoffnung?
In mir?

Und bald,
bald ist es soweit.
Weihnachten.

Ralf Peters

Sonntag, 13. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Hoffnungslied

Adventslieder gehörten schon immer zu meinen ‚Lieblingsliedern‘ innerhalb des kirchlichen Festzyklus. Geheimnisvoll sind sie, tief, nachdenklich und voller Symbolik. „Maria durch ein Dornwald ging“ ist eines davon.

Ursprünglich gar kein Advents-, sondern ein Wallfahrtslied aus dem Jahr 1850; entstanden im katholischen Eichsfeld, und zwar ursprünglich mit sieben Strophen: Maria – allein auf dem Weg zu Elisabeth - mit großer Freude unterwegs, mit einem Kinder der Verheißung und einer tragenden Hoffnung. Aber die Außenwelt macht es ihr nicht leicht: Es ist ein dorniger Weg, ein steiniger, ein Spießrutenlaufen. Gerede, Gerüchte – Dornen, die sich wie ein Stachel im Fleisch anfühlen. Doch sie geht, sie gibt nicht auf. Sie könnte nur die Wunden sehen, nur den Schmerz fühlen – doch ihr innerer Blick richtet sich auf Anderes. Und: Das Unerwartete passiert – die Dornen tragen Rosen. Perspektivwechsel. Mal den Blick heben; mal von einem anderen Hochsitz aus auf den Weg schauen; mal das Ziel neu definieren, dann birgt der Weg auch neue Überraschungen.
‚Jesus und Maria‘ – so endet jeder Vers.

Erst trägt Maria Jesus, dann trägt Jesus Maria. Und die Dornen tragen Rosen. Und es wird eine Zeit kommen, da trägt Jesus die Dornen als Krone. Und das wird der Durchbruch sein – das Licht am Ende des Dornwaldes, wenn ER durch den Tod in das neue Leben durchbricht. Dann wird uns allen das Leben rosengleich blühen. Es beginnt mit dem Mut der Maria. Ihr Mut macht Mut.
Maria durch ein Dornwald ging – Ein Liebeslied zwischen Maria und Jesus.
Ein Hoffnungslied, ein Adventslied: Von Menschen, die tragen und getragen sind und die nicht aufgeben, weil sie nicht aufgegeben sind.
Hoffnung – ist ein Vogel, der singt, auch wenn die Nacht noch dunkel ist.

Singen Sie doch in diesem Sinn einmal dieses Adventslied. Spüren Sie, was in Ihnen zum Klingen kommt?

Reinhard Kleinewiese

Samstag, 12. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Thomas Gocke
Zeit für mich

Jetzt im Advent merken wir noch einmal ganz deutlich, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf unserer Sozialleben hat. Es gibt keine Weihnachtsfeiern, keine Weihnachtsmärkte und eingeschränkte Familienfeiern. Der Advent, traditionell eine Zeit der Geselligkeit, wirkt trist und geradezu leer. Wo sich sonst eine Weihnachtsfeier nach der anderen die Klinke in die Hand gab und ich die Lust schon fast verloren hatte und ein Dankeschön-Essen am Ende des Jahres sich an das andere reihte, verbringe ich in diesem Jahr die Zeit Zuhause.

Normalerweise hetzte ich an den Feiertagen von A nach B um allen gerecht zu werden und auch bei jedem gewesen zu sein, schließlich soll sich jeder wertgeschätzt fühlen. Im Advent da renne ich von einem Geschäft in das Andere, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen, sei es für das Wichteln auf der Arbeit oder im Freundeskreis oder eben die großen Geschenke, für die Eltern und den Partner.

Das habe ich dieses Jahr alles nicht, die Geselligkeit, den Stress, den Anspruch an mich selbst auch dieses Jahr alle anderen glücklich zu machen, ob mit Geschenken oder mit meiner Anwesenheit. Dieses Jahr habe ich Zeit. Zeit für mich. Der Advent ist eine besinnliche Zeit, eine Zeit der Vorbereitung auf die Geburt Jesu Christi. Vielleicht nutze ich dieses Jahr die Zeit einmal genau dafür. Mich auf dieses Fest besinnlich vorzubereiten. Zeit dafür werde ich genug haben.                                                                

Thomas Gocke

Freitag, 11. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
 Jeder Schmerz, jeder schwierige Moment wird früher oder später Vergangenheit sein.


Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird über das Land hereinbrechen.
(Lukas: 21, 23)


Dieser Vers des Evangeliums der Werktagsmesse der letzten Woche des Kirchenjahres hat mich nachdenklich gemacht.

Meine Überlegungen und Gedanken sind bei den Menschen im Krankenhaus und bei den Menschen, die Corona-positiv getestet wurden. Es ist wirklich schwer für alle Menschen in dieser Corona-Zeit. Es ist noch schwerer für die Kranken und schwangeren Frauen, die ins Krankenhaus gehen müssen. Die Corona-Pandemie fordert das gesamte Gesund-heitssystem. Die Regelungen für Patienten und Besucher sind unvermeidlich, machen es den Menschen aber sehr schwer, übrigens auch den Pflegekräften und dem medizinischen Personal. Der Wunsch der Kinder, bei der sterbenden Mutter im Krankenhaus zu sein, ist nur schwer zu erfüllen, ebenso der Wunsch, ihr Gesicht der sterbenden Mutter ohne Maske zu zeigen. Die Sterbenden können die ihnen nahestehenden Menschen wegen der Masken nicht so gut identifizieren. Im Trauergespräch höre ich häufig ähnliche Gedanken und Geschichten.
Das tut weh…

Es tut weh, die schwerverletzten Menschen und die Notfallkranken im Krankenhaus zu sehen. Diese Menschen zu besuchen, zu begleiten, ihnen Liebe zu zeigen ist heute schwer. Kranke Menschen werden auch wegen einer guten Atmosphäre bald gesund, aber diese liebevolle und gemütliche Umgebung ist heute ein Fragezeichen geworden. Menschen haben Angst, einen Krankenbesuch zu machen oder Besuch zu empfangen. Die Einschränkungen und Regelungen der Corona-Pandemie zerstören die Beziehungen der Menschen sehr massiv.
Das tut weh…

Ein werdender Vater hat Schwierigkeiten, während der Geburt bei seiner Frau zu sein und sein neugeborenes Kind zu sehen. Es tut weh für das junge Paar und für die junge Familie, diesen schönen Moment ihres Lebens in dieser Corona-Zeit erleben zu müssen. Das tut weh…   
Noch schwieriger ist das Leben in Indien: Eine junge Mutter arbeitet als Beamtin im Polizeidienst. Sie hat ein kleines Kind und sie stillt ihr Kind noch. Eine ihrer Arbeitskolleginnen war Corona-positiv getestet. Die junge Mutter hatte Erstkontakt und hat schlimme Tage in ihrem Leben verbracht. Sie konnte das Kind nicht stillen und sie konnte nicht zu ihrem Kind gehen oder es in ihre Arme nehmen.
Das tut weh…

Niemand will gerne diese schweren Zeiten erfahren. Viele von uns haben Fragen: Warum passiert das mir, oder uns? Die Gläubigen fragen: Warum lässt Gott diese Pandemie nicht zu Ende gehen?  Warum diese dunklen Tage?...

Schwierige und leidvolle Zeiten kommen nicht von Gott, aber er wird sie nutzen, damit unser Glaube wächst und stabiler wird. Diese dunklen, extrem schwierigen Zeiten stärken uns und sind oft eine Chance für eine Richtungsänderung, die uns neue Möglichkeiten des Wachstums und des Glücks eröffnet. Am Ende des Evangeliums kommt auch ein Versprechen von Jesus: Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. (Lukas: 21.28)

Pfr. Joseph Thota

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Sabine Holzkamp
Fürchte dich nicht!

In der heutigen Lesung vom Tage aus dem Buch Jesaja heißt es: Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich werde dir helfen.

Hanns Dieter Hüsch, der menschenfreundliche Kabarettist vom Niederrhein, hat eine ganz wunderbare Geschichte erzählt. Ein junger Mann, Paul, flüchtet aus einer Anstalt und verbringt den Heiligen Abend in einem leeren Güterwaggon. Allein im Dunkeln und mit seiner Angst schreibt er mit Kreideresten die Wände des Waggons voll mit allem, was ihn bewegt. Im Licht des neuen Morgens aber hat sich alles verwandelt. Überall, an den Wänden und unter der Decke und sogar auf dem Boden des Waggons, steht deutlich zu lesen: Fürchte dich nicht! Und es wäre nicht wegzuwischen gewesen, sagt Paul.

Das „Fürchte dich nicht!" ist nicht mehr wegzuwischen – was für eine starke Übersetzung der Weihnachts-botschaft! Fürchtet euch nicht! Was für eine Botschaft in der derzeitigen Corona-Krise.

Fürchte dich nicht, ist die Botschaft Gottes an uns alle. Nicht nur Maria darf erfahren, dass sie ohne Furcht sein darf, weil Gott mit ihr ist. Auch die Hirten dürfen diese Botschaft hören, als die Engel ihnen verkünden: „Euch ist der Retter geboren. “Fürchte dich nicht“, das ist die Botschaft Gottes, deshalb steht sie auch 365mal in der Bibel, für jeden Tag neu. Fürchte dich nicht, diese Botschaft möge uns in Fleisch und Blut übergehen. Fürchte dich nicht, diese Botschaft weckt die Fähigkeit, für andere ein Engel zu sein, der die Botschaft Gottes verkündet und den Mitmenschen spüren lässt: Fürchte dich nicht. Ein Gedicht von Rudolf Otto Wiener „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel“ zeigt: Wir können alle im Alltag einander Engel sein.

Fürchtet euch nicht! Gott bei euch!
Mit diesem Motto machen die katholische und evangelische Kirche bundesweit sichtbar, dass Weihnachten in der Corona-Pandemie nicht vergessen ist. Gerade angesichts von Leid und Angst in der Pandemie, von Kriegen in der Welt und globalen Unsicherheiten erinnern die Kirchen an die tröstende, zuversichtliche und hoffnungsfrohe Botschaft des Weihnachtsfestes. Diese Botschaft soll allen Menschen zuteilwerden. Fürchtet euch nicht!

Sabine Holzkamp

Mittwoch, 9. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Günter Gramatke
Die Hoffnung wachhalten


„An uns ist es, in winterlicher Zeit uns eng um das Feuer zu scharen…
An uns ist es, in Kälte und Dunkelheit beieinander zu bleiben und,
während es schneit, unentwegt wachzuhalten die Hoffnung.
Das ist es. Das ist uns aufgegeben in winterlicher Zeit.“


So lauten einige Verse aus dem sogenannten Winterpsalm, der gerade in der diesjährigen, von den Einschränkungen der Coronapandemie gezeichneten Adventszeit besonders aktuell ist. Wir leben im übertragenen Sinn in winterlicher Zeit. Wir leben in einer Welt, über die sich weithin Kälte und Dunkelheit ausgebreitet haben. Da gibt es nur eines: beieinander-bleiben und unentwegt die Hoffnung wachhalten. In einer Zeit, in der wir schmerzhaft erfahren, wie begrenzt und anfällig unser Leben ist, brauchen wir umso mehr den, der unserem Dasein trotz allem Sinn verleiht, der unsere adventlichen Sehnsucht erfüllen und den unendlichen Durst in uns mit seiner liebenden Gegenwart stillen kann.

Auch unter erschwerten Bedingungen gibt es so etwas wie beieinander zu bleiben und sich eng um das Feuer zu scharen – nämlich um den Glutkern des Glaubens, den Gott in unseren Herzen entzünden möchte.  Dann können wir auch in diesem Advent den erwarten, der in unserer Mitte und bei jedem persönlich ankommen möchte.

Wenn wir auch nicht vor leidvollen Erfahrungen und Zweifeln bewahrt bleiben, gemeinsam können wir die Wartezeit aushalten und Zeichen der Gegenwart Gottes in dieser Zeit entdecken.  Innerlich beieinander bleibend, eng um das Feuer gescharrt, können wir unsere gemeinsame Hoffnung beleben, die sich ausstreckt nach dem endgültigen Kommen Jesu in unverhülltere Herrlichkeit.

Der jüdische Schriftsteller und Friedensnobel-preisträger Elie Wiesel erzählt, wie jemand dem Rabbi sein Elend klagt. Dieser antwortet: „Gott wird dir helfen“. „Ja, gut und schön“, meint der Betreffende. „Aber, was ist in der Wartezeit?“ Darauf der Rabbi: „Gott wird dir beim Warten helfen“.
Möge Gott auch uns beim Warten helfen, damit es uns nicht zermürbt und wir in winterlicher Zeit unentwegt die Hoffnung wachhalten können.

Pfr. Günter Gramatke

Dienstag, 8. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Maria


„Mit Maria beginnt etwas ganz Neues. Sie wird die Mutter Jesu werden. Sie ist wohl die berühmteste Mutter. Viele finden bei ihr Geborgenheit und Trost." (Kard. Chr. Schönborn, Wien)

Heute feiern wir das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ („Mariä Empfängnis“).
Mit dem Begriff der „Unbefleckten Empfängnis“ können heute wohl wenige Menschen etwas anfangen, auch für Christinnen und Christen ist es meist nicht leicht. Oft wird dieser Feiertag mit der Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel verwechselt. Gemeint ist aber, dass Anna, Marias Mutter, empfangen hat. „Gottes Weihnachtsvorbereitungen“ nennt es Kurt Koch. Gemeint ist damit, dass Maria von Anfang an ganz besonders auserwählt wurde von Gott, denn durch sie sollte Jesus in die Welt kommen.

Maria ist also schon vor der Geburt etwas ganz Besonderes. Vielleicht können wir das Fest so verstehen: Maria war eine, die sich nicht berühren, beeindrucken und beeinflussen ließ von den Bedingungen und Anforderungen der Gesellschaft ringsum, eine, die ihren Weg mit Gott und im Vertrauen auf ihn ging. Maria, ein Teenager, eine 14- oder 15-jährige Jugendliche, die sich vor dem Ruf Gottes nicht drückte (wie manche Propheten am Anfang ihrer Laufbahn). Eine, die JA sagte zu einer ungeheuren Zumutung: ein Kind in die Welt zu setzen ohne die Sicherheit einer legalen Verbindung, ein JA im Vertrauen auf Gott.

Maria ist diejenige, die es Gott ermöglicht, zur Welt / in die Welt zu kommen. Durch sie schenkt Gott sich der Welt, wird zu „einem von uns“. Mirjam selbst ist so ein Teil der Verheißung, der Liebe Gottes für seine Schöpfung. Das Fest ihrer Empfängnis, ihrer wunderbaren Erwählung, steht nicht zufällig am Beginn des Advents. Das Hoffen, das Warten auf Gott, auf den Messias, den Erlöser, ist in ihr und durch sie bereits konkret geworden. Und Maria selbst mag uns mit diesem Fest näherkommen, „geerdet“ werden: als Schwester, Vertraute, Gefährtin, die sich auf das Wagnis mit Gott eingelassen hat.

Wenn wir doch vertrauen könnten - wie du, Maria!
Dann hätten wir die Kraft aufzubrechen
aus Strukturen der Unterdrückung und Gleichgültigkeit,
Aufzubrechen auf den Weg der Versöhnung
mit den Menschen, den Geschöpfen, der Erde.


Pfr. Georg Aßmann

Montag, 7. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Birgit Ruhmöller
Manchmal brauchst du einen Engel

„Manchmal brauchst du einen Engel,
der dich schützt und dich führt.
Gott schickt manchmal einen Engel,
wenn er deine Sorgen spürt.“

So lautet der Refrain des Liedes „Manchmal brauchst du einen Engel“ mit einem Text von Hermann Schulze-Berndt und der Musik von Siegfried Fietz (im Übrigen sehr hörenswert!)

Engel umgeben uns, sie beschützen uns und begleiten uns. Vielleicht hilft ein Gedanke aus Psalm 91,11f sich öfter von Engeln umgeben zu fühlen:
„Denn Gott hat seine Engel ausgesandt, damit sie dich schützen, wohin du auch gehst. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen.“

Aber es gibt sie auch, die Alltagsengel. „Du bist ein Engel“, „da hattest du aber einen Schutzengel“, „dich schickt der Himmel“… wie oft haben wir den einen oder anderen Satz schon benutzt oder im Nachhinein im Stillen gedacht, wenn uns unverhofft Hilfe zu Teil wurde, jemand mich vor einer Dummheit bewahrt hat, mich getröstet hat, … dann öffnet sich unverhofft ein Stück Himmel. Diese Alltagsengel können zuhören und helfen, etwas Neues anzufangen, Mut zu-sprechen, trösten und ein Stück des Weges mit-gehen… Sie sind beschenkt mit Empathie, d.h. sie sind mitfühlend und bei der Sache bzw. bei dem Nächsten. Doch oftmals bemerken wir es nicht, dass ein Mensch für uns zum Engel geworden ist.

Manchmal treffen wir einen Engel – ohne es zu merken - und manchmal werden wir selber -  unbemerkt -  zu einem Engel.
So heißt es in der vierten Strophe:

„Gott ist stets an deiner Seite,
auch wenn du ihn gar nicht siehst,
mit behutsamen Geleite,
damit neue Hoffnung sprießt.“

Ich wünsche Ihnen diese Hoffnung,
nicht nur im Advent.                              

Birgit Ruhmöller

2. Advent, 6. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Den Horizont weiten

„Flucht nach Ägypten“, stand unter dem Gemälde, bei dem ich das zum ersten Mal bemerkte. Man erkannte die biblischen Figuren nur, wenn man genau hinsah. Ich ärgerte mich ein bisschen: Diente das biblische Motiv dem Maler aus dem 16. Jahrhundert nur als Vorwand für eine üppig-fantastische Landschafts-malerei? Spielte der religiöse Gehalt noch eine Rolle? Auch zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 1,1-8 ) fand ich ein solches Bild.
 
Herri met de Bles heißt der Künstler, und er hielt es offenbar nicht einmal für notwendig, sich an die biblische Topographie zu halten. Dachte er vielleicht, dass das Jordanufer und die Wüste schlichtweg zu langweilig sind und platzierte das Szenario kurzum auf einer Anhöhe mit Blick auf Stadt, Hafen und Meer? –
Trotz der möglicherweise eher oberflächlichen Motivation  überrascht mich das Bild positiv. Mir bietet sich zunächst ein möglicher (wenn auch seitens des Künstlers zweifellos unfreiwilliger) Brückenschlag zum heutigen Tagesheiligen, dem Hl. Nikolaus, der – zwar nicht bei uns, dafür umso mehr an europäischen Küsten – als Schutzpatron der Seefahrer verehrt wird.

Und dann verbinden sich das Bild und die beiden Heiligen zu einem einigenden Gedanken: Ist den Gottgesandten, den Freudenboten, den Heiligen nicht gerade diese Perspektive eigen? Kennzeichnet sie nicht oft ein weiter Horizont, nicht unbedingt der Überblick über jedes Detail oder die Weitsicht über Jahrhunderte hinweg, aber der Sinn für das Ganze, für den göttlichen Rahmen jenseits der flirrenden Einzel-heiten und jenseits des Nebels in der Ferne, das Wohin (die Zukunft) unserer vielen Wege und das Woher (die Herkunft) dessen, der uns entgegen-kommt?

Die Predigt des Täufers und die Fürsorge des Nikolaus, ja, auch das Staunen der Kinder, wo es noch stattfindet am heutigen Tag, erheben über das Alltägliche, sind eine Anhöhe, die Aussicht gewährt auf die Zuwendung Gottes. Nehmen wir den Tag, seine Texte und Heiligen doch zum Anlass, so über das bloß Naheliegende hinauszuschauen. Und wenn Sie sich als Impuls dazu nicht mit diesem Gemälde begnügen möchten, können Sie das sogar ganz wörtlich tun und gehen auf die Halde (wenn das Wetter es zulässt, sonst an einem der kommenden Tage) oder zu einem anderen realen Aussichtspunkt und lassen den Blick und die Gedanken schweifen.

Ihr Pfr. Dr. Ludger Kaulig

Bild: Herri met de Bles, um 1540,
Landschaft mit Predigt Johannes des Täufers,
The Cleveland Museum of Art, 
https://www.clevelandart.org/art/1967.20

Samstag, 5. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
Liebevolle Stille mit Gott

In dieser Corona-Zeit bemüht sich die Welt still zu sein. Ich komme aus Indien, das ist man meist umgeben von vielen Menschen und Lärm. Nur in der Nacht ist es still, aber der Lärm fängt schon früh am Morgen an. Hinduistische Lieder erklingen gegen 04:00 Uhr morgens laut aus dem Hindu-Tempel aus uralten Audio-Musikgeräten. Die Lieder sind sehr spirituell und daran sind die Menschen auch gut gewöhnt. Und gegen 06:00 Uhr werden wieder die christlichen Lieder aus der Dorfkapelle aus ähnlich alten Musikgeräten gespielt. So geht der Lärm oder das Getöse weiter den ganzen Tag...

In Indien leben Menschen in den Dörfern dicht zusammen und in kleinen Häusern von etwa 10 qm wohnen mehr als sechs Menschen. Da kann man überall auf Menschen treffen. Auf jeden Fall ist die Atmosphäre nicht still, nicht einsam, sondern von vielen sozialen Kontakten geprägt.  
In 2012 bin ich zum ersten Mal ins Ausland nach Deutschland geflogen. Zu meiner Überraschung ist es hier überall still und es ist auch überraschend für mich, Menschen kaum auf der Straße und überhaupt an öffentlichen Orten zu sehen, nur Autos auf der Straße und geschlossene Häuser. Ja, es gibt bestimmte Orten und Zeiten, wo mehrere Menschen zusammen kommen, bei besonderen Ereignissen, bei geplanten Events, bei Konzerten und Festen mit lauter Musik. Ich musste mich ganz neu orientieren…

Und jetzt in dieser Corona-Zeit ist es hier für meinen Geschmack noch schlimmer geworden. Ein Land steht still. Die Angst vor einer Ausbreitung des Corona-Virus ist groß und die Geschäfte und die Treffpunkte  sind geschlossen. Es gibt Besuchsbeschränkungen für Alte und Kranke usw. und überall ist es in der Corona-Zeit noch stiller geworden. 

Auf jeden Fall ist das stille Leben schwierig, für mich und viele andere Menschen. Aber diese Stille hilft uns, mal tiefer in uns hineinzugehen und den Herr Gott in uns zu spüren und sein strahlendes Licht in uns zu entdecken. Durch die Stille werden wir uns der Schönheit, Einheit, Güte und Wahrheit in uns und um uns herum bewusst. In der Bibel lesen wir: „Der Herr ist in seinem heiligen Tempel, lass die ganze Erde vor ihm schweigen“ (Habakuk 2:20). Der heilige Paulus schreibt im 1. Korintherbrief (3, 16): „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“

Daher versuche ich in diesem neuen stillen Leben der Corona-Zeit, mein Leben etwas anders zu orientieren, in der Stille etwas Spirituelles zu spüren. Gott ist das innerste Geheimnis unseres Lebens. Gott unterstützt uns darin, so zu sein, wie wir sind. 
Das zweite Vatikanum sagt, wie wichtig Stille ist, um Gott zu spüren. Hier sind Ruhephasen hilfreich. Auch in Dokumenten, in denen die Reform der Liturgie umrissen wurde, wurde die Notwendigkeit betont, an einigen wichtigen Punkten der Messe Momente der Stille einzufügen: nach der Predigt, als Teil der Gebete, bei der Wandlung und nach der Kommunion. Neben dem „stillen Leben in der Corona-Zeit“ hilft mir auch die Eucharistie, eine stille Begegnung mit Gott zu erfahren.    
   
 Ihr Joseph Thota
 

Freitag, 4. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Thomas Gocke
Christus in jedem Menschen sehen


„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“, und „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ So endete das Kirchenjahr 2020.

Bis zum Ende des Kalenderjahres 2020 ist es auch nicht mehr weit. Was bleibt am Ende? Bin ich Christus dieses Jahr schon begegnet? In jedem Moment meines Lebens entscheide ich mich, ob bewusst oder unbewusst, für Christus oder dagegen. Das klingt sehr dramatisch und schon fast unvorstellbar anspruchsvoll, wer soll das denn schaffen? Ich soll immer, wenn ich einer Person begegne Jesus in ihr sehen. Ich würde unter dieser Last zerbrechen.

Was will Christus uns also am Ende des (Kirchen-) Jahres mitteilen? Für mich will dieser Text eine Sensibilität für meine Mitmenschen wecken. Es geht nicht darum mich völlig aufzuopfern. Es geht darum eine Aufmerksamkeit zu wecken und diese Aufmerksamkeit wach zu halten. Er will mir sagen: „Hey Du, der Typ dahinten braucht deine Hilfe, geh nicht einfach vorbei.“
In der Zeit dieser aktuellen Pandemie brauche ich diese Sensibilität, diese Aufmerksamkeit für meine Mitmenschen besonders! Wer fühlt sich unsicher? Wer hat Angst? Wer ist allein? Aufmerksamkeit kann jetzt auch bedeuten, der Versuchung zu Wieder-stehen, sich zu treffen, zu feiern. Selbst keinen Anlass für eine Zusammenkunft zu bieten, denn wenn ich einlade, dann werden die Leute zu mir kommen.

Jesus schenkt uns die Augen der Liebe, die alle Menschen in unserer Welt in den Blick nehmen. Mit diesem Geschenk stellt er uns aber auch gleichzeitig in die Verantwortung, in Liebe an allen Menschen zu handeln.

Thomas Gocke

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
Warten
Gerade am letzten Sonntag hat das neue Kirchenjahr begonnen, auf das neue weltliche müssen wir ja noch einen Monat warten. Und im Rückblick war das alte ein eher „gebrauchtes“… Covid 19 all over the world, Einschränkungen auf allen Ebenen des Lebens (Ende offen…), viele Menschen bangen um ihre Existenz durch die verschiedenen Arten der lock-downs, Ostern konnte nicht gemeinsam gefeiert werden, kulturelle Veranstaltungen fanden so gut wie gar nicht statt usw. usw….

Im Scherz hatte ich in der letzten Woche gesagt, ich würde mir wünschen, dass nicht der 1. Advent 2020 bevorstehe, sondern gleich der 1. Advent 2021 – aber: ohne dieses eine Jahr älter geworden zu sein (in meinem Alter muss man doch schon mit dem „Verbrauch“ der Jahre vorsichtig umgehen…).

Doch als Christen steht uns die Hoffnung gut ins Gesicht geschrieben: Immerhin sind trotz alledem viele Babies geboren und auch getauft worden, Menschen haben sich verliebt und manche geheiratet, viele von uns könnten auch in der Pandemie von so manchen wunderschönen Erlebnissen berichten, in Amerika hat ein mittlerweile (fast) auch von der Gegenseite zugegebener Machtwechsel stattgefun-den, der Hoffnung macht auf das erneuerte Zusammenrücken der Weltgemeinschaft – aber vor allem scheint es nun brauchbare Impfstoffe gegen das Virus zu geben, und jede(r) Immunisierte wird die Verbreitung dieser Seuche entschleunigen, so dass im nächsten Jahr um diese Zeit die Normalität eingetreten sein könnte….Hoffnung!!!

Und dazu fällt mir immer eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten ein, die mich seit meinem Studium begleitet:

Ein Mann steht an einer Straßenlaterne gelehnt, blind, und schaut mit völliger Gewissheit in die Weite seines (unsichtbaren) Raumes, dass er wieder abgeholt werden würde… Es war ein wunderbarer Schein der Vorfreude auf seinem Gesicht, geduldiges und vertrauendes Warten… dann wusste ich auf einmal:
So müsste das Adventsgesicht eines Christen aussehen…! (nach Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 2, 1985, S. 12f.)

In diesem Sinne eine erwartungsfrohe Zukunft, durchaus über die Adventszeit hinaus…
Euer Willi

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Wunder gibt es immer wieder…

Im heutigen Evangelium lesen wir: „Und es kam eine große Menge zu ihm“ - es waren und es sind Unzählige, Tausende, die hungern und dürsten. Nach Brot und Leben. Nach Gerechtigkeit. Frieden. Nach einem heilsamen Wort. Nach Hoffnung, dass es endlich besser wird. Gerade jetzt in dieser Pandemiezeit, gerade hier in diesem Land, wo es seit Menschengedenken Menschenrecht und Staaten-recht, Religion und Friede so schwer miteinander haben.

Faszinierend an diesem Text: Die Menschen kommen nicht nur um ihrer selbst willen. Sie „brachten Lahme, Blinde, Krüppel, Stumme und viele andere Kranke; sie legten sie Jesus zu Füßen“

Schon das, meine ich, ist ein Teil des Wunders: Da kommen so viele Menschen, und sie nehmen auf die Schwächsten Rücksicht. Ja, vielleicht wollten sie genau das: Hingehen und einen Kranken mitnehmen. Und dann ereignet sich ein Wunder nach dem anderen. So viele werden geheilt, werden satt bei der anschließenden Speisung der 4000. Wie geht das? Irgendetwas ist geschehen, sicher. Aber zu viele Fragen und zu viel Erklärung zerstört das Wunder. Auch davon berichtet das Evangelium an anderer Stelle. Von den Pharisäern und Sadduzäern, die das erklärt und vorgeführt bekommen wollen: Lass doch mal ein Zeichen vom Himmel sehen. Aber Jesus denkt nicht daran, und er lässt sie stehen.
Wunder kann man nicht machen oder auf Ansage reproduzieren. Wunder gibt es. Sogar immer wieder. Wunder ist Überraschung, unverfügbar, glückselig, manchmal nur ein Moment. Es wächst manchmal in der Einsamkeit, in der Zweisamkeit. Am ehesten dann, wenn man es nicht für sich selbst erwartet, sondern für einen anderen.

Ich wünsche Ihnen einen wunder-vollen Tag.
Ihr Pfr. Georg Aßmann

Bild: Rembrandt, Hundertguldenblatt

Dienstag, 1. Dezember 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Dezembergott

Du
Adventlicher
Verlockender
Ewiger -
klopf an
mach doch
die erste Tür auf -
zumindest
gib mir
den Schlüssel in die Hand
ich weiß noch gar nicht:
bin ich bereit?
teilweise bereit
zur Hälfte bereit
zögernd noch
und leicht ablenkbar
mit Vielem beschäftigt
verstellt
voll gestellt
angstvoll
sehnsüchtig

besuch mich
daheim
Überraschender Du
verlock mich
vor die Tür
ins Freie
und hilf mir
mich freizumachen
von allem Angehäuften Festsitzenden
von all dem, was ich verloren habe
dem ich immer noch nachhänge
alle meine Enttäuschungen
und was meinen Neid geweckt hat
meine Bewunderung -
weite mich
schaff mit mir Platz
tu mich auf
dass sich entfalte und wachse
dieses andere leben
von dir eingepflanzt
Starker
Ewiger.                

Bearbeitet nach einem Adventsgebet von

Reinhard Kleinewiese

Montag, 30. November 2020

Tagesimpuls | Maria Schmelting
Namenstag

Achtung! Schienenverkehr hat Vorrang! So haben wir es in der Fahrschule gelernt. Das Andreaskreuz, ein Hinweisschild, ein Warnschild – vielleicht auch mehr?

Andreas und sein Bruder Petrus leben in einem kleinen Dorf. Sie sind beste Fischer. Beide sind tief verwurzelt in ihrem jüdischen Glauben und wünschen sich nichts lieber, als dass Gott zu ihren Lebzeiten den Erlöser senden wird. In der kleinen Gemeinschaft um Johannes herum stärken sie sich gegenseitig in dieser Hoffnung.

Und dann passiert es: sie treffen auf den Unbekannten mit großer Ausstrahlung – Jesus ist sein Name. Sie kommen ins Gespräch, Andreas lässt alles stehen und liegen. Er ahnt: da geschieht mehr als ich begreifen kann. Sein Gottesbild verändert sich, es wird geerdet und zupackend. Es ergreift die Schwachen und Ausgestoßenen. Es tröstet die Trauernden und heilt verwundete Herzen. Andreas ist fasziniert und wird ein bester Freund Jesu, überzeugt andere und geht bis an seine Grenzen.

Veränderungen machen nicht alle mit; auch nicht, wenn der Jesusfreund Andreas ein neues Gottesbild vermittelt. Im Gegenteil, er treibt damit seine Gegner zur Weißglut. Sie nageln ihn fest – so und so – fest ans Kreuz; der Überlieferung nach ist es ein anderes Kreuz, ein X-förmiges, an das sie Andreas umbringen. Und so geht es in die Geschichte ein – als Andreaskreuz, als Straßenkreuz und Warnschild!

Stoppen und Einsicht nehmen, auf das, was da kommt! Es kommt das andere Weihnachten! Es ist auf die Schienen gestellt. Weihnachten in vollen Zügen – wird es in diesem Jahr nicht geben. Platzreservierung bevorzugt! Ich bin zuversichtlich, Weihnachten findet statt – anders und unvergesslicher! Bis dahin warten wir am „Bahnsteig Advent“ auf die aktuellen Durchsagen.

Heute zunächst heißt die Ansage: „Andrea und André und Andreas feiern Namenstag“! Allen meinen herzlichen Glückwunsch!

Bleiben Sie gesund, wünscht
Maria Schmelting

1. Advent, 29. November 2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
Advent heißt Ankunft

Mit dem ersten Advent beginnt in der christlichen Tradition das neue Kirchenjahr. Es ist der Auftakt zu einer Zeit des Wartens.

Warten – erwarten – Erwartung – erwartet werden.
Ankunft – ankommen – angekommen sein.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen irgendwo an und niemand holt Sie ab, weil Sie niemand erwartet. 
Und nun stellen Sie sich vor. Sie kommen irgendwo an, Sie werden abgeholt, denn Sie werden erwartet.
Erwartet werden – welch ein Glücksgefühl. 

Von einem Ankommen und Erwartet werden möchte ich aus einer Geschichte erzählen, die ich in einem Religionsbuch gefunden habe.
 
Ein entlassener Sträfling ist auf der Fahrt mit dem Zug nach Hause. Seine Verurteilung hatte Schande über seine Angehörigen gebracht. Sie hatten ihn nie im Gefängnis besucht und ihm auch nur ganz selten geschrieben. Trotzdem hatte er die Hoffnung im Herzen, dass sie ihm verziehen hätten. Um es ihnen aber leichter zu machen, hatte er ihnen einen Brief geschrieben. Er hatte ihnen vorgeschlagen, sie sollten ihm ein Zeichen geben, an dem er, wenn der Zug an der kleinen Farm kurz vor der Stadt vorbeifährt, sofort erkennen könne, wie sie zu ihm stünden. Hätten die Seinen ihm verziehen, so sollten sie in dem großen Apfelbaum an der Strecke ein weißes Band anbringen. Wenn sie ihn aber nicht wieder daheim haben wollten, sollten sie gar nichts tun, dann werde er im Zug bleiben und weiterfahren. Als der Zug an der kleinen Farm vor seiner Heimatstadt vorbeifährt, ist der ganze Baum voller weißer Bänder. Und alle Bitternis, die das Leben dieses Mannes vergiftet hat, ist wie weggeblasen.
 
Advent heißt Ankunft, Advent heißt Erwartung.
Wir warten auf das Wunder der Menschwerdung Gottes.
  
Ilse Waltraut Blomberg

Samstag, 28. November 2020

Tagesimuls | von Lothar Weichel
Himmel voller Liebe


Liebe Fahrzeughalterinnen und – halter,
liebe Mitchristinnen und Mitchristen.

Jetzt wird es aber allerhöchste Zeit.
Zum 30.11. müssen wir noch kündigen!
Damit werben bis zum 30.11. verschiedene Versicherungsagenturen für ihre ach so günstigen Angebote. Vor allem bei der Kfz-Versicherung sind enorme Spannen möglich, hier gibt es ein gewaltiges Einsparpotential! Also – jetzt kündigen?

Advent – das heißt für uns – WIR WECHSELN DEN ANBIETER!!!

Die Geburt Jesu ist das Kündigungsschreiben Gottes an den Tod! Und dies feiern wir im Advent und an Weihnachten! Gott fordert die höchste Prämie, unsere Liebe, und wirbt mit dem Slogan, er allein sei das Sicherste im Leben …
Und dies ist mit Geld nicht zu bezahlen! Nur mit Liebe, also mit der Währung Gottes. Geschenkt! Gratis! Teuerste Gnade, die es gibt!
Und Gott hat für uns schon alles bezahlt! Alles! Alles ist bezahlt!

Unser neuer Anbieter – Gott – sagt: „Halte Dich an mich!
Mach Dich fest an mir! Ich bringe Dich ins Leben, ich will, dass Dein Leben gelingt!“

Und deshalb wollen wir beten:

Wir, die wir verbunden sind,
in Frieden und Freude
in Not und Unglück
an diesem Tag mit unserem Herrn über alle Welten
unserem Gott, der alles berührt und bewegt und verwandelt
der uns Lachen und Weinen geschenkt hat
Hoffnung und Heimat.
Wir wollen versuchen von dem heutigen Tag an
und mit Seiner Hilfe
unsere Gewohnheitsgedanken abzulegen
und unsere üblichen Redensarten aufzugeben
und abzugeben alle gestrigen Begründungen und Erklärungen.

Herr,
nimm unsere Hände und führe uns auf den Weg
der Versöhnung
mit allen Menschen und allen Welten.
Erlöse uns von unserer Blindheit
und führe uns immer wieder an den Anfang aller Versöhnung:
Schenke uns einen Himmel voller Liebe.
Setze in unsere Augen Dein Zeichen: Das ist die LIEBE!
Da ist dann vielleicht Friede und Versöhnung,
frohe Botschaft und Himmelsgruß.
NUR GOTTES LAND HAT HAND UND FUSS!!!


(Hanns Dieter Hüsch)

Einen schönen Tag wünscht Ihnen
Lothar Weichel

Freitag, 27. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
Der Herr Gott...

Vor vier Monaten habe ich aus Indien Nachrichten bekommen, dass ein junger Mann aus meiner Nachbarschaft in Indien gestorben ist. Er war Corona Positiv getestet und hatte viel Angst, dass er stirbt. Seine Familie war von ihm finanziell abhängig. Er war das Rückgrat der Familie. Er wollte unbedingt diese tödliche Krankheit bald überwinden. Seine Familie und er haben viel gebetet, dass der Herr Gott ihn bald heilt. Daneben hat er auch die Medikamente genom-men, um heil zu werden. In Indien gibt es auch viel Propaganda über Ayurveda Heilsmittel. So wird gesagt, dass man beim Warmwassertrinken von Corona geheilt werden kann. Der junge Mann hat häufig warmes und heißes Wasser so oft getrunken, dass seine Speiseröhre verletzt wurde. Er starb nicht an Corona, aber wegen des heißen Wassers. Seine Familie war komplett entsetzt und war sehr traurig und sie klagen Gott an, dass er seine Gläubigen nicht rettet. Er höre den Menschen nicht zu. Er ist unmenschlich, unbarmherzig. Die Familie hat aufgehört den Gottesdienst zu besuchen.

Wer ist dann der Herr Gott? Können wir IHN beschreiben, IHN verstehen, IHN erahnen?

Denn Gott ist unendlich größer als alles, was wir jemals in menschlichen Gedanken oder Worten ausdrücken können. Die Wahrheit ist, dass Gott uns in seinem tiefsten Wesen unbekannt bleiben wird. Gott ist jenseits unseres Verständnisses. Gott kann nicht in unseren menschlichen Konzepten enthalten sein. Durch die Tatsache, dass wir einen Gedanken formulieren oder einen Begriff über Gott prägen, begrenzen wir Gott, der für menschliches Denken charakteristisch ist. Alle großen religiösen Denker haben dies verstanden.

Das Tao Te Ching (500 v. Chr.) beginnt mit den Worten: "Das Tao (Gott), das ausgedrückt werden kann, ist nicht das ewige Tao. Der Name, der benannt werden kann, ist nicht der ewige Name."

Indische Lehrer der Vergangenheit wurden nie müde, ihre Schüler daran zu erinnern, dass Gott nur beschrieben werden kann, indem man Unvollkommenheiten über Gott leugnet: den Weg des „Neti-Neti“: „Gott ist nicht das, nicht das.“ Der jüdische Philo von Alexandria (20 v. Chr. - 54 n. Chr.) sagte: "Gott allein kann eine positive Behauptung in Bezug auf sich selbst aufstellen, da er allein ein genaues Wissen über seine eigene Natur hat."

Der muslimische Gelehrte und Mystiker Al-Ghazali (1058-1111) kam zu dem gleichen Schluss. Er erklärte: "Es ist für niemanden außer Gott unmöglich, Gott wirklich zu verstehen."

Das gleiche kommt in der christlichen Tradition stark zum Ausdruck. Es hat immer Gottes völlige Transzendenz verkündet. Dionysius, ein christlicher Schriftsteller (um 500 n. Chr.), schrieb eine klassische Abhandlung darüber: Die himmlische Hierarchie. Darin beschreibt er das Paradoxon, dass wir Gott nur kennenlernen können, wenn wir die Unkenntnis Gottes akzeptieren. Indem wir die Begrenzung des begrifflichen Denkens akzeptieren, können wir in direkter Erfahrung mit Gott vereint werden. 

Thomas von Aquin, der ungekrönte König der traditionellen katholischen Theologie, betont die gleiche Wahrheit. "Der ultimative Höhepunkt menschlicher Erkenntnis von Gott besteht darin, zu begreifen, dass wir Gott nicht kennen. Denn dann erkennen wir, dass das, was Gott ist, alles übertrifft, was wir von Gott verstehen" (De Potentia Dei vii, 5, ad 14). "Auf dem Gipfel unseres Wissens angekommen, kennen wir Gott als unerkennbar. Unser Geist gelangt zu einem besseren Verständnis von Gott, genau in dem Maße, in dem er erkennt, dass die Natur Gottes vor allem das ist, was unser Geist erfassen kann" (Boetius de Trinitate 1) , 2, ad 1).

Daher ist es schwer den Herr Gott zu erahnen. Aber eines kann ich sagen: Gott ist das innerste Geheimnis unseres Lebens. Gott unterstützt uns darin, so zu sein, wie wir sind.

Pfr. Joseph Thota

Donnerstag, 26. November 2020

Tagesimpuls | vom Thomas Gocke
„Es kann nicht einfach zu Ende sein“
Am kommenden Samstag, 28. November, werden 74 Jugendliche aus unserer Pfarrei zur Firmung gehen. Sie hat auch dieses auf vielfache Weise besondere Jahr nicht davon abgehalten, die Firmung und besonders die Katechese zur Vorbereitung auf die Firmung mit all ihren Strapazen durch zu ziehen. Aufgrund der Pandemie haben auch wir in unserer Pfarrei verstärkt auf online Angebote gesetzt. Dabei kommt ein Gemeinschaftsgefühl eher schwerfällig zu Stande und auch ein persönlicher Austausch ist kaum möglich. So habe ich zusammen mit meinen Kollegen in den letzten Tagen und Wochen persönliche Gespräche in Kleingruppen mit den Firmanwärtern geführt.

Wir wollten in diese jungen Menschen reinhören, was bewegt Euch gerade jetzt, in diesem Alter, in dieser Zeit, in diesem besonderen Jahr, dem Ruf Gottes zu folgen? Wer jetzt glaubt, dass bei vielen es eher der Ruf der Großeltern oder der Ausblick auf einen bezahlten Führerschein ist, der hat weit gefehlt. Ich habe viele sinnige Gespräche geführt und tiefgreifende Motivationen gespürt; von christlicher Verantwortung für die Schöpfung bis hin zu dem Gedanken, der auch mich trägt. „Es kann nicht einfach zu Ende sein“, antwortete mir eine Firmanwärterin auf die Frage, wie sie über den Tod denkt. Sie führte es auch noch weiter aus, dass das Leben hier auf der Erde zwar schön sei, aber das es doch noch etwas „mehr“ geben müsse, etwas, was wir uns gar nicht vorstellen könnten, ein noch viel schönerer Ort.

Es ist genau diese Hoffnung, die wir Christen teilen und die mir mein Leben immer etwas leichter machen, wenn mir hier auf Erden etwas schwerfällt. Denn ich weiß, im Tod liegt nicht das Ende, sondern erst der Anfang.

Thomas Gocke

Mittwoch, 25. November 2020

Tagesimpuls | von Birgit Ruhmöller
Bedenkenswert


     Gelassenheit
          Hoffnung
               Zuversicht
                   
Vertrauen
                         Offenheit

Warum bedenkenswert? Weil es sich um positive Lebens-Worte und Lebens-Werte handelt.
Sie sind wichtig, bedeutend, denkwürdig und beachtenswert.

Gerade jetzt im Herbst, wenn es draußen trübe und nass ist, die Dunkelheit schon früh einsetzt. Die Stimmung ist wechselhaft, die persönlichen Kontakte sind minimiert. Gerade dann ist der Blick auf andere Dinge möglich, sinnvoll.

Das Licht am Ende des Tunnels zeigt sich in diesen „bedenkenswerten“ Worten. Es gilt sie festzuhalten, diese kleinen Lichtmomente.
Wie kann es gelingen?

Manchmal hilft ein einziges Wort, der Text eines Liedes im Radio, ein Kalenderspruch, ein Bibelvers, der Anruf eines lieben Menschen, selber den Hörer in die Hand nehmen, ein Spaziergang, das Hören auf das Rauschen der Blätter im Wind, ein heißer Tee, ein gutes Buch…

„Was auch immer gut für deine Seele ist… Mach es!“

Bleiben Sie offen dafür,

Birgit Ruhmöller
    

Dienstag, 24. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
Adventskalender

Eine Woche ist es noch hin, dann beginnt die Adventszeit, dieses Jahr voraussichtlich völlig anders, als wir es gewohnt sind… Keinen Glühwein auf hellerleuchteten Weihnachtmärkten, gemütliches (?) Shoppen im Bad der Menge, Advents- und Weihnachtsfeiern (im letzten Jahr hatte ich 19) werde ich ebenso vermissen wie die traditionellen Besuche auf dem Mittelalterweihnachtsmarkt in Dortmund und im Bibeldorf in Rietberg (seufz), wo ich jedes Jahr mit den unterschiedlichen Gruppen oder Familien aus Ahlen zu Gast war….

Aber – was gibt es alternativ?
Ich hatte letztens `mal wieder an die Adventskalender meiner Kindheit gedacht, die damals immer mit kleinen Schokostückchen befüllt waren. Erst viel später entdeckte ich bei vielen Familien, sogar bei Ehepaaren, dass man die ja tatsächlich auch selbst herstellen kann. Wie viele solcher liebevoll hergestellten Kunstwerke habe ich seitdem bewundern dürfen. Und vielleicht gibt es diese Tradition bei Euch sowieso schon. Wenn nicht… dann wäre diese seltsame Corona-Zeit die perfekte Gelegenheit, damit zu beginnen. Und nicht nur für die Kinder, auch die meisten jungen und älteren Erwachsenen freuen sich sicherlich über diese 24 schönen Lichtblicke jeden Tag…

Zu beginnen wäre mit der Überlegung: Wie soll die „Verpackung“ aussehen? Da sind der Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt, Häuschen aus Papier oder Holz, Socken oder Strümpfe, aufgezogen auf einer aufzuhängenden Schnur, die man danach auch noch anziehen kann, so dass man dann das ganze Jahr an die Adventszeit erinnert wird, kleine Fläschchen, Tassen, schön gestaltete Schachteln, kleine Beutel…ach, Ihr seid bestimmt viel einfallsreicher als ich..

Aber die Hauptsache sind natürlich die Inhalte: Da kommt es auf das Alter der zu beschenkenden Personen an. So wie ich das ganze Jahr nach give-aways Ausschau halte, die ich in Gottesdiensten verschenken kann, so könntet Ihr die Augen aufhalten nach Kleinigkeiten, die den Kalender füllen könnten. Und wenn Ihr Euch dafür einen festen Ort überlegt, wohin Ihr die Teile legt, findet Ihr sie dann im November bestimmt auch wieder. Wenn man einmal damit begonnen hat, seine Augen und das Herz für solche Geschenke zu öffnen, werdet Ihr überrascht sein, wieviel man finden kann. Dann gibt es auch keinen kurzfristigen Stress: „Oh, ich hab` noch nix für den 7. und 21. Dezember…!“

Tja, aber am allerschönsten, gerade zu Corona-Zeiten (aber nicht nur!) sind Dinge, die mit Zeit-schenken zu tun haben: ein gemeinsames Abendessen / ein Kino-Besuch / ein Kaffeetrinken / ein Ausflug in den Zoo / zum Flughafen nach Düsseldorf / in den Wildpark Voßwinkel in Arnsberg / eine lange Filmnacht mit Popcorn und Kaltgetränken aller Art / zum Live-Fußballspiel zu RW Ahlen, Dortmund oder sogar auf Schalke / ins Schwimmbad / zum Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr / zum Sonntag-nachmittäglichen oder abendlichen Wizard- oder Doppelkopfspielen / zum Shoppingausflug ins Allee-Center / eine Einführung ins Stricken-Lernen / ein Enkel-Großeltern-Computer-Smartphone-Kurs / ein Ausflug in eine Skihalle (ökologisch eigentlich nicht zu empfehlen, trotzdem aber schön…) / ein Ausflug nach McDonalds (für jüngere Adventskalender-Besitzer durchaus ein Highlight), alternativ Pizza oder chinesisch essen gehen / eine Vorlesestunde/…. Das sollen nur Anregungen sein, wenn Ihr selber nachdenkt, werdet Ihr auf sooo viel mehr Ideen kommen! Und diese „Gutscheine“ werden mich das ganze Jahr begleiten, voller Vorfreude können sie an meiner Pinwand immer wieder angeschaut werden…

Also, viel Spaß denn bei der Erstellung Eurer ganz persönlichen Kalender, schöne Gedanken beim sich Vorstellen, wie Eure Lieben sich freuen werden über Eure Ideen, jeden Advents-Morgen neu – und natürlich wünsche ich Euch selbst auch einen solcher Adventskalender….

Eine wunderschöne, mit vielen Überraschungen und Vorfreude auf das nächste Jahr 2021 gespickte Adventszeit 
wünscht Euch

Euer Willi!

Montag, 23. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Relevanz

Liebe Gemeinde, liebe Leserin, lieber Leser,
vermutlich wird Ihnen der Heilige des heutigen Tages, der Heilige Kolumban, wenig sagen. Als irischer Mönch, Wanderprediger und Missionar war er im 6. und 7. Jahrhundert am Oberrhein und in der Schweiz tätig. Ein Mann mit Prinzipien, klaren Werthaltungen und Zielen. Die St.-Kolumba-Kirche war im Mittelalter eine der größten Pfarrgemeinden Kölns; nach den Bombenangriffen des Krieges blieb nur eine Ruine übrig. Heute trägt das Diözesanmuseum Köln den Namen Kolumba-Museum; der moderne, preisgekrönte Neubau integriert aber sehr geschickt auch die Überreste des alten Gotteshauses am Rhein.
Genau aus diesem, z.Zt. auch geschlossenen, Museum kommt eine Meldung der Kuratoren*Innen zur Rolle der Museen angesichts des zweiten Lockdown. Dort kann man u.a. lesen:

„Ist aus der Nicht-Nennung der Museen( in der Liste der zu schließenden Einrichtungen…) abzuleiten, dass sie im politischen Denken keine Rolle spielen? Darf man daraus schließen, dass die Museen zwar als Garnitur eines vergnüglichen Sonntags akzeptiert sind, nicht aber in ihrer politischen Funktion, etwa als Bildungsinstitution zum Verständnis von Geschichte (auch zur Relativierung von Krisenzeiten), als Identitätsträger einer pluralistischen Gesellschaft oder als Ort des ästhetischen und spirituellen Ausgleichs?...Als „Museum der Nachdenklichkeit“ regt Kolumba an zur Reflexion…Als Ort des Austauschs, der Freude, der Hoffnung, des Trostes und der Freiheit würde er dringender benötigt denn je zuvor.“

Auch hier wieder eine eindringliche Stimme, die die Relevanz einer kulturellen Einrichtung erinnert. Wer oder was ist also wichtig – in der Phase eines Lockdowns, in Krisenzeiten einer Pandemie? Wer setzt, wer bestimmt diese Prioritätenliste? Inwieweit sind – auch mit Artikel 4 unseres Grundgesetzes - unsere Gottesdienste, unsere kirchlichen Angebote und Aktivitäten in einer solchen Krise geschützt und relevant? – Ich bin dankbar, dass wir – trotz mancher Einschränkungen – unseren Glauben in geöffneten Kirchen feiern können; auch noch 1400 Jahre nach dem Hl. Kolumban.
Weiß Gott, wohin der Weg uns führt.

Herzlich Ihr
Reinhard Kleinewiese, Pastor
 

Christkönigssonntag, 22. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Christkönig

Wenn ich mir sie ansehe, die Regierenden unserer Tage
nicht mehr Könige genannt, doch oftmals mit Königsallüren
dann bin ich geneigt, mich eher dem zu unterstellen
dessen Fest erst 1925 eingeführt wurde:
Christus König.

Was im Juristenleben als unerhört gilt – Befangenheit
das zeichnet ihn aus – voreingenommen ist er
richtet nicht neutral nach allem und jedem sondern
danach, was ich an ihm getan habe
Christus König?

Und dabei darf ich im Andern nicht einmal ihn suchen
sondern dem andern um seiner selbst willen beistehen
ihn als Person ganz wahr- und ernstnehmen
erst dann – danach – gibt er sich zu erkennen
Christus König…

So wie sich Christus den Armen, Flüchtlingen, Hungernden,
den Menschen im Gefängnis um ihretwillen zugewandt hat,
so sollen sich Christen parteiisch diesen Menschen zuwenden
damit erfahrbar werde
Christus König!

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder / Schwestern getan habt,
das habt ihr mir getan.

Pfr. Georg Aßmann

Bild: Christus-Mosaik in der Hagia Sophia (Instanbul), um 1261 entstanden

 

Samstag, 21. November 2020

Tagesimpuls | von Angelika Aperdannier
Ein wenig Licht spenden

Alle Jahre wieder steht die Vorbereitung der Caritas-Adventssammlung auf der To-do-Liste im Pfarrbüro. Fast 12.000 Haushalte unserer Pfarrei werden angeschrieben, der Flyer mit Überweisungsträger kommt per Bote oder mit der Post ins Haus. Seit Jahren eine erfolgreiche Aktion, bei der viele mitwirken, besonders die ehrenamtlichen Helfer*innen der Caritas oder Kirchortteams, die sich treffen, um gemeinsam die Post versandfertig zu machen.
Und dann der Lockdown im November. Die Pfarrheime werden (wieder) geschlossen. Nur noch zwei Haushalte dürfen zusammen kommen. Treffen unserer Gruppen sind unmöglich. Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Oh je, was tun?

Mutige Menschen sagen öffentlich, was jetzt dran ist. Darunter auch die Journalistin Dunja Hayali:
„Prävention ist keine Hysterie und Ignoranz kein Mut. Es bedarf der Mithilfe auch im Kleinen, auch von uns allen. Durch Solidarität und Verantwortungsübernahme, nicht nur für das eigene Schicksal“.

Was für unsere Gesellschaft gilt, gilt auch in unserer Pfarrei, und ganz speziell für die Caritas-Adventssammlung. Im Büro haben wir umgestellt von „Gruppenarbeit“ auf „corona-sichere Heimarbeit“, unzählige Kartons TO GO gepackt mit Material für den Einsatz zu Hause: Flyer, Umschläge, Etiketten, ein Grußwort des Seelsorgeteams zum Advent noch dazu. Auch im Angebot: Arbeitstreffen zu zweit auf Abstand im Pastoralbüro zum „Eintüten“ vor Ort.

Und innerhalb einer Woche wurden die Kartons kontaktlos abgeholt, die ganze Arbeit verteilt und getan, viele Hände haben mitgemacht, Solidarität gezeigt, damit die Caritas-Sammlung auch in diesem Jahr möglich wird, als Grundlage für unsere Caritasarbeit, zugunsten vieler Menschen in unserer Pfarrei. Danke dafür! Wenn Ihnen also in den nächsten Tagen Post ins Haus kommt, wissen Sie, dass viel Einsatz dahinter steckt.

„Freiheit heißt Verantwortung, ich jedenfalls werde … weiter versuchen, selbst umsichtig und verantwortungsbewusst damit umzugehen. Und ich werde versuchen, denen die im Schatten stehen, ein wenig Licht zu spenden und vertraue darauf, dass ich auf das gleiche hoffen darf.“ (Dunja Hayali)

Ein wenig Licht spenden, das möchten wir einander im November,
mit unserer Caritas-Aktion, und auch darüber hinaus.

Herzlicher Gruß
Angelika Aperdannier

Freitag, 20. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Zwischen Tod und neuem Leben

Wussten Sie, dass Andrew Lloyd-Webber auch ein Requiem, also eine Messkomposition für Verstorbene geschrieben hat? Gut, von ihm stammt auch „Jesus Christ, Superstar“, aber als mir ein Mitstudent einmal sein „Requiem“ auslieh, hatte ich zuvor noch den „Starlight Express“ gehört und war nun ziemlich überrascht, eine ganz andere, nachdenkliche Seite des Komponisten kennenzulernen. Lloyd-Webber hat das Requiem für seinen verstorbenen Vater geschrieben. Ähnlich ging es mir mit Mozarts Requiem, seinem letzten und unvollendeten Werk, das er schon im Angesicht seines eigenen Todes schrieb.
Die Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Tod kann besonders erschütternd sein, aber gerade diese Erschütterung kann auch eine Berührung mit den Grundfesten des Lebens möglich machen, all das sanft Verhüllende aber auch Verschleiernde aufreißen und den Blick auf das Ganze freigeben.
Mittlerweile hat sich bei mir eine ganze Reihe von Requiem-Einspielungen angesammelt. Da ist Hector Berlioz mit seiner ekstatischen und dramatischen Endzeitvision und das von den Schrecken des 2. Weltkriegs durchwirkte „War Requiem“ von Benjamin Britten. Da sind auch – nicht unserer liturgischen Tradition folgend – das „Requiem Ebraico“ von Eric Zeisl, komponiert im Exil für seine in Treblinka ermordete Familie und mit größerem zeitlichen (1984) und persönlichem Abstand das Requiem von Mikis Theodorakis für die Opfer eines Massakers der deutschen Wehrmacht 1943 in der griechischen Kleinstadt Kalavryta.
Viele der klassischen und romantischen Komponisten wie Giuseppe Verdi, beschwören in der alten Sequenz „Dies irae“ mit aller Kunstfertigkeit die ganze Dramatik das Jüngste Gerichts.
Gabriel Faure und Maurice Duruflé lassen diesen Teil ganz aus. Ihre Kompositionen mag ich besonders, denn hier überwiegen Trost und Versöhnung. Ja, hier wie in den Werken der Renaissance – das erste mit namentlich bekanntem Komponisten stammt von Johannes Ockeghem – leuchtet im Tod Schönheit auf und lässt ahnen, dass wir in dieser Liturgie nicht nur am Rand des Grabes, sondern vor allem an der Schwelle des Himmels stehen. Im November lege ich mir gerne mal eines dieser Werke auf. Wenn Ihnen das in diesen dunklen Tagen nicht doch zu melancholisch ist, versuchen Sie es ruhig  auch einmal – vorzugsweise mit einer dieser Trostliturgien zwischen Tod und neuem Leben. Vieles lässt sich auch auf YouTube finden und sonst: fragen Sie mich einfach. Ich leihe auch Tonträger aus…

Ihr Ludger Kaulig

Donnerstag, 19. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Heilige der Nächstenliebe

„Für mich soll’s rote Rosen regnen – mir sollten sämtliche Wunder begegnen…“
Was Hildegard Knef 1968 mit ihrer typisch rauen Stimme ins Mikrofon gesungen hat, hätte Elisabeth von Thüringen 750 Jahre eher vielleicht etwas anders formuliert: Für Dich soll’s rote Rosen regnen – und dann werden uns sämtliche Wunder begegnen…
Die berühmte Heilige der Nächstenliebe, die die eigenen Grenzen mutig weitet und dem goldenen Käfig der Wartburg entflieht, um sich ganz im Sinne der damals aufkommenden Armutsbewegung für die Ärmsten und Schwächsten mit Herz und Hand einzusetzen, wird oft mit dem legendarischen ‚Rosenwunder‘ in Zusammenhang gebracht. Brot habe sie in einem verdeckten Korb für die Menschen am Fuß der Burg bringen wollen; und als ein Wächter sie auffordert, das Geheimnis des Korbes zu lüften, hätten Rosen im Korb gelegen.
Wahrheit oder Legende – ganz gleich: Der Wesenskern leuchtet auf: Hier geht es um handfeste Liebe in der Nachahmung und im Auftrag des Jesus von Nazareth.
Eine von vielen mutigen Frauen in der Geschichte des Christentums und der Kirche, die nicht darauf gewartet haben, bis die Männer ihnen ‚erlauben‘, was sie von ihrer inneren Bestimmung her tun mussten.
Man kann warten, bis eine Erlaubnis kommt; man kann tun, was das Herz einem aufträgt; man kann Liebe leben – entschieden und klar.
Elisabeth hat’s allen mutig gezeigt: „Man muss im Leben darauf achten, wenn für einen das Stichwort fällt!“ Dann werden uns ganz neue Wunder begegnen…
Einen wundervollen Tag heute wünscht Ihnen Ihr

Reinhard Kleinewiese, Pastor

Mittwoch, 18. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
WENN

Das kleine Büchlein mit dem blauen Einband steht recht unscheinbar rechts oben in meinem Bücherregal. Es trägt den Titel: „Das kleine Buch vom Wenn“. Es enthält nur Fragen, die mit einem ‚Wenn‘ beginnen. Spielerisch leicht denke ich mir diesen kleinen Zeitvertreib für ein paar Fragen…Bis sich zeigt: Hier wird es richtig spannend und herausfordernd und herrlich ehrlich (hoffentlich!). Lassen Sie sich doch auch einmal von der einen oder anderen Frage kitzeln, herausfordern und weitertragen…
• Wenn Sie eine Ihrer Schwächen gegen eine Stärke austauschen könnten: Was würden Sie gegen was tauschen?
• Wenn Sie einem Menschen nachträglich vergeben könnten, wem würden Sie was vergeben wollen?
• Wenn Sie jemanden aus Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis für die Heiligsprechung nominieren müssten, wer käme für Sie in Frage?
• Wenn Sie Gott eine Frage stellen könnten, wie hieße sie?
• Wenn Sie zu irgendeinem Alter in Ihrem Leben zurückkehren und von da ein anderes Leben beginnen könnten, welches Alter wäre es?
Nun – haben Sie bereits angefangen?
Wenn das Wörtchen ‚Wenn‘ nicht wär‘, ...das klingt immer nach einer unüberbrückbaren Vorbedingung.
Aber wenn das Wörtchen ‚Wenn‘ nicht wär‘, würden Menschen sich auch kaum trauen, über den eigenen Gartenzaun zu schauen, den eigenen Schatten zu überspringen, sich nach vorne hin auszustrecken, auch mal Grenzen – zumindest in Gedanken – hinter sich lassen.
‚Wenn‘ – macht Mut; auch und gerade auch im Glauben: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!
Hey, auf geht’s.
Einen guten Tag mit manchen Überraschungen wünscht Ihnen

Reinhard Kleinewiese, Pastor

Dienstag, 17. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Schale meiner Sehnsucht

Gleich links im Eingangsbereich des Klosters Helfta bei Eisleben steht sie:
Eine große Schale mit der umlaufenden Schrift:
„Vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht.“
Der Satz stammt von der Heiligen Gertrud von Helfta, eine der großen Mystikerinnen des Mittelalters. Heute ist ihr Festtag.
Diese Schale im Kloster Helfta ist mit etwas Wasser befüllt; darin schwimmen viele Buchstabenplättchen – ein buntes ABC, das offenbar darauf wartet, zu Worten geformt zu werden.
Ein starkes Bild und eine einladende Inspiration:
Die Schale meines Lebens, meiner Geschichte und Geschichten, meiner Erinnerungen und Wünsche, meiner schönen wie schmerzlichen Begegnungen – solch eine Schale meines Lebens ist gut gefüllt!
Aber die Schale meiner Sehnsucht – leer!?
So vor Gott kommen können: Mit meinen Sehnsüchten, Hoffnungen, meinen Sternenträumen – und mit zu einer Schale geöffneten Händen einfach IHM auch hinhalten dürfen: Meine Leere, mein Dasein, mein Gott-Bedürftig-Sein.
Nicht immer schon angefüllt oder gar abgefüllt mit Diesem und Jenem; sondern aufrecht stehend offen sein für Gottes Verheißungen.
Das Gebet der Hl. Getrud kennt einen zweiten Teil:
„Und fülle mich neu mit dem Trunk heiliger Hoffnung, auf dass ich lebe!“
Versuchen Sie es doch auch einmal…
Herzlichst

Ihr Reinhard Kleinewiese, Pastor

Montag, 16. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Zukunftsgesicht


Ihr seid der Hoffnung Gesicht – den Hoffnungslosen Licht –
der Beginn einer neuen Welt.
Ihr seid der Heimat Gesicht – den Heimatlosen Licht –
der Beginn einer neuen Welt.
Ihr seid der Zukunft Gesicht – den Ahnungslosen Licht –
der Beginn einer neuen Welt.
Keine neue Welt, die den Himmel verspricht,
keine neue Zeit, die das Heute vergisst,
eine Welt, die Leben lässt.


Als die Gesangsgruppe ‚Ruhama‘ dieses Lied vor Jahren vorstellte, traf es mich mitten ins Herz: Der Hoffnung ein Gesicht geben, ebenso der Heimat und der Zukunft – dieses Bild gefällt mir bis heute. Und wer, wenn nicht wir Menschenkinder, wenn nicht Sie und ich, sollten das denn tun?
Wem, wenn nicht den Menschen guten Willens, wenn nicht Ihnen und mir – hat Gott in der Geburt des Jesus von Nazareth gezeigt, dass er ganz menschlich mitten unter uns, in uns und durch uns ‚zur Welt‘ kommen will?
Mach’s wie Gott: Werde Mensch.
Aber: Sind wir’s denn nicht – oder etwa noch nicht?
Der Theologe Karl Rahner hat es in einem prägnanten Satz einmal so gesagt:
„Ich bin Christ, um es zu werden!“
Der Mensch – ein Werdender, ein Wachsender, ein Entwickler, ein Entfalter – ein Abenteurer auf den Spuren des Lebens, seiner selbst und seinen noch unentdeckten Möglichkeiten. Ebenso der getaufte Christ – schon geistbeschenkt, vor aller eigenen Leistung himmlisch geliebt: Da kann was draus werden!
Stimmt: Wir sind schon – der Hoffnung Gesicht, der Heimat und der Zukunft Gesicht- und dürfen’s immer mehr werden – für manche Heimatlose, Hoffnungslose, Zukunftsängstliche und mit allen Weggenossinnen und Weggenossen.
Mitten in den coronabedingten Ausnahmezeiten den Mut nicht aufgeben, der Geduld Gottes vertrauen, dem Gebet Zeit geben zu wirken und der Hoffnung ein Gesicht zu geben; wach und kritisch mitten im Heute leben, sorgfältig Tun und Handeln auszurichten in Solidarität und zum Schutz gerade der Schwachen und Gefährdeten – so kann’s gehen. Keine neue Welt und keine neue Zeit, die das Heute vergisst – sondern eine besondere Zeit, die herausfordert, Gesicht zu zeigen; die empfindsam macht für das Nicht-Selbstverständliche, das Zarte, die kleinen Wunder des Lebens – in einer Welt, die leben lässt.

Mit Ihnen unterwegs
Ihr Reinhard Kleinewiese, Pastor

Sonntag, 15. November 2020

Tagesimpuls | von Maria Schmelting
steigen oder sinken

Du musst steigen oder sinken,
Du musst herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboss oder Hammer sein.  (J.W. von Goethe)

Ich verliere auch nicht gern – wahrscheinlich habe ich als Kind zu wenig Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Doch das Leben hat mir Nachhilfe gegeben: nicht alle Träume konnte ich im Planspiel meines Lebens siegreich nach vorne setzen; manches Mal hat das Schicksal mich weggekickt, und ich musste wieder vorn anfangen. Rechts und links von mir ging es anderen ähnlich, und der Glückswürfel rollte sich weiter und tut es bis heute. Und immer noch erlebe ich mich drin, bin mitten im Spiel, bei dem es um Gewinnen und Verlieren geht, o-der ums Steigen und Sinken!
Steigen oder sinken: mit diesen zwei Wörtern erfahren wir jeden Morgen den aktuellen Stand der Inzidenzzahlen in der Coronakrise. Gewinnen oder verlie-ren: selbst ein Präsident, der doch als Zweiter hohe Zahlen gewonnen hat, kämpft immer noch peinlich um seine Vorherrschaft.
Steigen oder Sinken – Gewinnen oder Verlieren – Sie und ich, wir haben unsere eigenen Erfahrungen im Lebensgepäck, wir hatten oft keine Wahl und nicht immer Einfluss darauf. Das Spielbrett unseres Lebens – wie ein stabiler Am-boss: mag draufhämmern wer will, wir formen durch innere Stärke und eigenen Widerstand daran mit, wie das Spiel des Lebens am Ende ausgehen soll.
Wir tun gut daran, ein Schrift- oder Herzenswort zu kennen, das uns hält und stärkt und wieder aufbauen kann, wenn das Selbstwertgefühl sinkt. Mein Wort ist zurzeit dieses: „Sprich DU das Wort, das tröstet und befreit!“
Und ihrs?

Maria Schmelting

Samstag, 14. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Kunstwerk unseres Lebens

Bildbände bekommt man, glaube ich, meistens geschenkt und kauft sie eher selten selbst. Um solche Geschenke davor zu bewahren, dankbar angenommen – mit mehr oder weniger Interesse -, dann aber erstmal achselzuckend ins Regal gestellt zu werden, wo sie dekorativ verstauben, habe ich mir schon seit längerer Zeit etwas anderes angewöhnt: An einer gut sichtbaren Stelle in der Wohnung oder im Büro lege ich jeweils einen Band aus. Wenn ich dort das erste Mal am Tag vorbeikomme, blättere ich einmal um und gönne mir etwas Zeit für das Bild.
Zum wiederholten Mal liegt dort ein Bildband von Andy Goldsworthy (* 1956). Er nimmt Dinge aus der Natur und gestaltet daraus Kunstwerke. Sie sind mal monumental z.B. aus Steinen oder großflächig als Erdarbeit mit einem Bagger, meist aber klein, zerbrechlich und vor allem:  vergänglich – aus Halmen, Blätter, Beeren, Eiszapfen… So bleiben von Goldsworthys Werken meist nur Erinnerungen in Gestalt der Fotos, die dieses Buch präsentiert.
Eigentlich eine schöne Analogie unseres Lebens. Schaffen wir nicht auch aus kleinen alltäglichen Dingen das flüchtige Kunstwerk unsers Lebens – oft scheinbar nur noch eine Erinnerung im Fotoalbum oder, schon halb vergessen, auf einer Festplatte?
Wenn Gott sich erinnert, wenn in der Bibel steht, dass er an uns denkt, ist das viel mehr als ein Gedanke oder ein altes Foto. Wenn Gott wohlwollend, barmherzig an uns denkt, ist der Gedanke Wirklichkeit, bedeutet Leben und Erlösung (für mich besonders deutlich und eindrucksvoll: Lk 23,42-43). Weil Gott uns nicht vergisst, sind wir lebendig auch jenseits des Todes, bei ihm gegenwärtig jenseits der Zeit. Auch wenn wir die Eucharistie als „Gedächtnisfeier“ begehen, wirken wir mit ihm diese göttliche Art der Vergegenwärtigung. Da wird nun umgekehrt er unter uns gegenwärtig in ganz schlichten Dingen. Ich lese das auch als Einladung, mit ihm im Flüchtigen und Vergänglichen das Ewige zu entdecken.
Der Herbst bietet eine gute Gelegenheit, das mit den Mitteln von Andy Goldsworthy auszuprobieren. Die Natur bietet gerade jetzt besonders viel und besonders schönes „Material“ und der derzeitige Lockdown ist vielleicht gerade eine gute Zeit dafür, das behutsam zu sammeln, fast schon zärtlich zu komponieren und dabei im herbstlich Vergehenden die göttlich zeitlose Gegenwart zu meditieren.
Als konkrete Anregung schicke ich Ihnen noch einen Link – www.artnet.de (und dann nach „Goldsworthy“ suchen) –
und grüße Sie herbstlich und herzlich.

Ludger Kaulig

Freitag, 13. November 2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
„Danke!“

Manchmal haben Kinder die besten Ideen und Gedanken. Die Erfahrung mache ich immer wieder.
Bei einem Gottesdienst mit Erstkommunionkindern Ende Oktober erzählte ich von Samuel, der von Gott gerufen wird. Im Anschluss fragte ich die Kinder: „Was meint ihr, wieso ruft Gott eigentlich Menschen? Was sagt der denen? Was sollen die machen?“
Erstmal schweigen. Dann kamen ein paar Ideen.
Und es entwickelte sich - ungefähr -folgendes kurzes aber einprägsames Gespräch:
Kind: „Dass die Danke sagen.
Ich: „Was meinst du genau?“
Kind: „Ja, dass man Danke sagt.“
Ich: „Du meinst, Gott sagt den Menschen „Sag, Danke, wenn du etwas bekommst oder dir etwas Gutes getan wird.“?
Kind: „Genau. Man muss Danke sagen. Das will Gott. Dann ist es gut.“
Und ich merkte, wie mir im Anschluss Situationen durch den Kopf gingen, wo ich „Danke“ gesagt habe, weil mir etwas Gutes getan wurde. Das waren kurze Erinnerungen an schöne Momente!

„Danke dafür!“ sagt
Ralf Peters

Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 17, Verse 11-19, hält dazu diese thematisch passende Erzählung bereit:
Und es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter. Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

Donnerstag, 12. November 2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
Uns eint die Liebe 

Im November ballen sich die Totengedenktage.
Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag.
Wer hat im Laufe seines Lebens nicht einen lieben Menschen verloren?
Einem Theologen wurde einmal die Frage gestellt:
„Werde ich nach dem Tod mein verstorbenes Kind wiedersehen?“
„Die Frage ist falsch gestellt“; antwortete er.
Da ist kein ich, da ist alles eins. In der Zeitlosigkeit sind wir und unsere Verwandten eins. Für den Verstand ist das nicht zu begreifen, weil wir uns nur eine personale Beziehung vorstellen können. In der Zeitlosigkeit gibt es eine viel innigere Verbundenheit.
Und deshalb dürfen wir Gott von ganzem Herzen bitten: „Öffne unsere Herzen und Augen und mach unseren Verstand bereit, dass wir sehen lernen.“
Als ich vor 13 Jahren die Nachricht vom plötzlichen Tod meiner einzigen Tochter bekam, war ich nicht fähig, zu sehen. Ich war wie gelähmt.
Und diese Lähmung machte es möglich, dass die Wahrheit dieser Nachricht nicht in meine Seele drang. Sie entfernte sich von meinem Geist und ließ so zu, dass der Körper funktionierte.
Wäre ich sonst in der Lage gewesen, in der Wohnung meiner gerade verstorbenen Tochter aufrecht zu stehen?
Wäre ich sonst in der Lage gewesen, ihren leichten Parfümduft, der noch in der Garderobe hing, einzuatmen und nicht zu ersticken?
Als ich in der Messe neben dem Sarg meiner Tochter stand, sah ich nur das Holz. Ich sah eine Kiste. Ich sah nicht weiter. Ich wollte keine Beziehung zu dem Holz haben. Ich sah meine Söhne weinen, ich weinte nicht.
Einige Tage später ging ich an den Ort in der Kirche zurück, an dem dieses Holz, diese Kiste gestanden hatte. Der Sarg meiner Tochter.
Jetzt konnte ich sehen. Durch das Holz hindurch sehen. Und ich sah. Ich sah sie. Und der Wunsch wurde übermächtig in mir, sie zu berühren und zu wecken: „Steh auf mein Kind, es ist schon hell!“ Keine gnädige Lähmung schützte mich mehr.
„Öffne unsere Augen, dass wir sehen lernen!“, bitten die zwei Blinden im Matthäusevangelium:
Und wenn auch meine und unsere Augen sich auftun, was dürfen wir sehen und erkennen?
Wir sehen und erkennen, dass Gott uns ein Versprechen anbietet.
Er verspricht uns, dass wir eins sind mit den Toten. Kein Diesseits und kein Jenseits. Eine Gemeinschaft, in der wir uns nur auf die Beziehung Gottes zu uns verlassen können.
Uns eint die Liebe.
 
Ilse Blomberg

Mittwoch, 11. November 2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Martinszüge abgesagt…
Was bleibt, wenn das schöne Brauchtum der Pandemie zum Opfer fällt? Kein Laternenbasteln, keine Umzüge, kein Martinsspielt, keine Martinsgans…
Es bleibt – wie in der Martinsbasilika von Tours – recht wenig vom Heiligen Martin: ein kleiner Schrein für ihn, dem ersten Heiligen, der kein Märtyrer war, und ein Bild in der Kuppel. Auch in darauf gibt es keine Laternen und keine Gänse. So bleibt Gelegenheit, einmal nachzudenken, auch jenseits des Brauchtums. Was also macht uns Martin erinnerungswert?
Ich denke an den neugetauften, jugendlichen Martin, der sich fragt: Wie geht Christsein? Er hatte noch keine bestehenden Traditionen zur Hand. Er musste suchen, was für ihn Christusnachfolge sein könnte. Und er suchte nicht nur oberflächlich, sondern von der Wurzel her (radikal). Ich denke an sein jugendliches Mitgefühl anderen gegenüber, symbolisiert im geteilten Mantel. Er hilft spontan, völlig unkonventionell, ja nahezu leichtsinnig. Ich denke auch an seine Bescheidenheit, selbst als Bischof. Er wohnt statt im Bischofshaus in einer armseligen Hütte vor der Stadt (aus der das Kloster Marmoutier entstand). Er gibt sich als Bischof nicht mit einem funktionierenden Zentrum zufrieden, sondern geht zu den Leuten aufs Land und schaut sich ihre Lebensverhältnisse und Sorgen an, hilft Kranken und Armen, und trägt so die Botschaft Jesu über den Stadtkern hinaus. Ja, das sollte über seinen Tod hinaus gelten. Darum wurde sein Grab zum Wallfahrtsort für Heil-Suchende.
Martin ist spontan, mutig, konsequent, ideenreich, ausdauernd, auf Jesus konzentriert, barmherzig, wirklich Lebenszüge, die zum „Mitziehen“ einladen. Lebenszüge, die gerade in Zeiten eingeschränkter liturgischer Versammlungen neu die Frage an uns heute stellt:
Wie geht Christsein - heute?
Die Frage, die schon Martin mit sich trug – und auf seine Weise, ohne ihm verfügbare Tradition beantwortete.

Pfr. Georg Aßmann
 

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