„Unser Leben, Beten und Feiern berücksichtigt die unterschiedlichen Altersgruppen, Begabungen, Lebensformen und Lebenswelten.“ Unsere Vision

Tagesimpuls

Ermutigung in schwierigen Zeiten
Ab Montag, 30.03. finden Sie hier auf dieser Seite einen geistlichen Impuls für den Tag. In diesen schwierigen Tagen soll dieser Impuls Nähe und Verbundenheit vermitteln, Trost und Ermutigung geben und den Horziont weiten... 

Danke!

Mit dem Pfingstsonntag endet unsere Reihe der Tagesimpulse. Danke sagen wir allen, die mit Ihren Gedanken, Geschichten und Texten dazu beigetragen haben. Wir hoffen, wir konnten etwas Freude schenken und danken auch allen Lesern für ihr Interesse. 

Pfingstsonntag, 31.05.2020

Pfingsten
Salzburger Perikopenbuch um 1020,
© Bayerische Staatsbibliothek München

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Frohe Pfingsten!

Ein Pfingstbild aus dem 11. Jahrhundert, das mich seit Jahren begleitet: Versammelte Menschen (der Entstehungszeit des Bildes geschuldet: Männer), die den heiligen Geist empfangen. Aber nicht so, wie es gewöhnlich dargestellt wird: als Feuerzungen von oben herab, sondern als Fackeln aus der Mitte der Versammelten. Die Gemeinschaft (die Gemeinde) bringt den Heiligen Geist hervor. Sie produziert ihn nicht, er wird ihr von Gott geschenkt, denn „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

In einem noch geschlossenen goldenen Raum macht die Gemeinschaft diese Erfahrung des Geistes. Gold als Farbe des Göttlichen ist sozusagen der Lebensraum der Christen. Doch ihre Aufgabe ist es, diesen auszudehnen, andere Menschen zu begeistern für das Wirken Gottes in ihrem Leben. Dazu befähigt sie der Heilige Geist. Er macht die Gemeinde fähig, Angst und Menschenfurcht zu überwinden, hinauszugehen und die Menschen mit Gottes Heil bekannt zu machen. Ohne die Begegnung mit dem Heiligen Geist wäre dies nicht möglich gewesen.

Ich wünsche mir / uns / Ihnen diese Begegnung mit dem Heiligen Geist! Inmitten der Gemeinschaft den zu finden, der uns (in allen Krisen) stark macht. Die Fähigkeit, das, was wir für uns als wohltuend erfahren haben, an andere weiterzugeben! (inspiriert von Heinz Detlef Stäps)

In diesem Sinne:
geist-reiche Pfingsten!

Ihr Georg Aßmann, Pastor

Samstag, 29.05.2020

Tagesimpuls | von Thomas Gocke
Sich Neuem öffnen

Es wird Zeit, dass die Kirche die Zeichen der Zeit erkennt. Sie sollte neue Wege einschlagen und der modernen Gesellschaft Rechnung tragen. – Dies sind schöne Worte, die vermehrt seit dem 2. Vatikanischen Konzil so oder in abgewandelter Form immer wieder von Klerikern, Theologen und Laien gesagt oder geschrieben werden. Dafür ernten sie meist breite Zustimmung, auch außerhalb der Kirche. Leider verkommen diese Forderungen meist zu leeren Worthülsen und werden wenig bis gar nicht konkret mit Inhalten gefüllt. Schade! Selbstverständlich weiß ich, dass das auch schwierig ist, neue Wege für die Weltkirche oder auch schon für die Kirche in Deutschland einheitlich festzulegen.

Oft fehlt aber auch die innere Haltung, sich dem Neuen zu Öffnen. Die Zeichen dieser modernen Welt zu erkennen ist das eine, aber sie auch zuzulassen ist das andere – nicht alles pauschal erstmal schlecht zu finden und es abzulehnen. Wer hätte vor der Coronazeit gedacht, dass wir in Ahlen Gottesdienste im Videostream feiern würden? Die Klickzahlen und Rückmeldungen zeigen uns, wie wichtig und richtig diese Entscheidung war. Wie viele Menschen haben sich gefreut, als wir am Weißen Sonntag durch ganz Ahlen gezogen sind, um Familien und Häuser zu segnen? Auch eine Aktion, die diese Zeit erfordert hat und die gut war. Wir brauchen den Mut zur Veränderung.

Genau so gilt es weiter zu gehen. Mit der Bereitschaft sich auch weiterentwickeln zu wollen und es nicht nur zu sagen oder zu schreiben.

Thomas Gocke
 

Freitag, 29.05.2020

Tagesimpuls | von RENOVABIS
Vielfalt und Lebendigkeit

Schülerinnen der Klasse 5e des St. Ursula-Gymnasiums in Freiburg haben mit ihrem Lehrer Anton Fischer das Gebetsbild zum Pfingstfest gestaltet. Als Symbol für den Heiligen Geist wählten sie die Friedenstaube. Assoziationen wie „fliegen – unterwegs sein – frei sein – einer inneren Stimme folgen“ kamen ihnen in den Sinn. Dann folgten sie selbst einem spontanen Impuls: Sie gingen ins Freie, legten sich auf die Erde und hielten ihre bunt bemalten Friedenstauben vor die Unendlichkeit des Himmels. Und sie spürten Individualität, Buntheit, Kreativität, Lebendigkeit, Freude… Heiligen Geist!

Geheimnisvoller Gott,
Dein schöpferischer Geist
schafft Vielfalt und Lebendigkeit,
er inspiriert und erfreut.
Guter Gott,
Dein Geist
ist ein Geist des Friedens:

Wir bitten dich:
Stärke die Zufriedenheit in unseren Herzen
und die Friedfertigkeit in unserem Handeln.
Und lass uns staunden wahrnehmen,
was Dein Geist in dieser Welt bewirkt
und wie sehr wir ihn brauchen,
damit wir Deiner wunderbaren Schöpfung
und einander gerecht werden.

Amen

(Christian Hartl, für RENOVABIS)

Donnerstag, 28.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Gott atmen

Das ABC habe ich in der Schule gelernt. In einer katholischen Grundschule.
Damit ich lesen kann, entziffern, dechiffrieren, entdecken, enttarnen.
Damit ich kommunizieren kann – mit Dir und Euch
und der Welt da draußen und hier drinnen.
Das ABC des Lebens.
Das ABC des Glaubens auch.
Durchbuchstabieren,
was geglaubt wird,
was geglaubt werden muss,
was kaum zu glauben ist,
was gehofft werden darf.
Amen bis Zölibat
Aber niemals
Ja und Amen sagen
Zum bloßen Buchstaben, zum bloßen Gesetz
Buchstaben sitzen im Kopf, Geist aber beatmet meinen Leib ganz.
Ich will also Geist atmen, Gottes Geist
(Den gibt’s gratis, ein Geschenk seiner Gnade)
Heilig und heilsam.
Und ich merke,
dass ich damit neu anfangen muss,
in der Schule des Lebens,
in der Grundschule Jesu.
Ich will Gott atmen –
Ein und Aus
Von A bis Z

„Diesmal aber gibt Gott den Menschen nicht ein geschriebenes Gesetz, sondern seinen Geist. Das geschriebene Gesetz führt zum Tod – der Geist aber führt zum Leben.“  
Aus dem 1. Korintherbrief 3, Vers 6

Mit besten Grüßen auf dem Weg zum Pfingstfest
Ihr Reinhard Kleinewiese

Mittwoch, 27.05.2020

Tagesimpuls | von Lothar Weichel
Der gute Hirte

Liebe Leserin, lieber Leser.
Natürlich kennen Sie den folgenden Text, hier wiedergegeben in der Einheitsübersetzung von 2016.

Psalm 23
Der gute Hirte

1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.

5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Eine feine geistig-geistliche Aufgabe ist es, diesen Text neu für sich zu „übersetzen“.
Hier ein Vorschlag, formuliert von einem Schüler des Berufskollegs St. Michael:

Psalm 23
Die guten Hirten

Der Herr ist der Hirte,
aber meine Eltern sind meine Hirten.
Sie geben mir alles, was ich brauche.
Sie schenkten mir das Leben,
lehren mich Freundlichkeit, Güte und Disziplin.

Sie bringen mich an die Grenze meiner Möglichkeiten,
helfen mir, den richtigen Lebensweg zu finden,
bringen Farbe in mein Leben
und trösten mich in Zeiten der Traurigkeit.

Sie helfen mir, Entscheidungen zu treffen
und Probleme zu lösen.
Sie unterstützen mich in guten und in schlechten Zeiten.

Sie sind immer für mich da,
wenn ich sie brauche,
schenken mir Geborgenheit,
Wärme und Verständnis
und machen mich auf meine Fehler vorsichtig aufmerksam.

Sie erfüllen mein Herz mit Liebe,
lassen meine Augen mit Glanz erstrahlen
und erfüllen meine Ohren mit der Melodie des Lebens.

Sie helfen mir, Träume zu erfüllen,
Ziele zu erreichen,
Schranken zu überwinden
und die Freiheit zu genießen.

Ruhm sei unserer Mutter und unserem Vater,
und dem Allerheiligsten
so auch jetzt und in Ewigkeit, ohne Ende. AMEN!

Mein Vorschlag: Übersetzen Sie Psalm 23 für sich ganz neu!

Viel Freude dabei wünscht
Lothar Weichel

Dienstag, 26.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Morgendämmerung des Hl. Geistes

Auf der Schwelle zwischen Schlafen und Erwachen war da noch der Gedanke, wer wohl den genialen Regisseur dieses Traumes verpflichtet hatte, der mit einer interessanten und sogar logischen Geschichte aufwartete und mit überraschenden Details. Unser Gehirn ist offenbar zu faszinierenden Dingen in der Lage, wenn es mal von der Leine gelassen wird. Der Gedanke hielt sich sogar noch eine Weile nach dem Aufstehen. Leider fehlte die Zeit, die Handlung wenigstens skizzenhaft schriftlich festzuhalten. Außer einer bloß abstrakten Erinnerung an den Vorgang ist nichts davon geblieben.

Sicher wird manche gute Gelegenheit verschlafen, aber ebenso mögen manche interessante Gedanken auf diese Art „verwacht“ werden, erstickt vom grellen Tageslicht, eilig verscheucht von der täglichen Agenda.

Vielleicht sieht so auch die Morgendämmerung des Hl. Geistes in uns aus...

Wird es nach der Corona-Zeit ähnlich sein? Werden wir uns nachher noch erinnern an wichtige Beobachtungen und gute Ideen, an potentielle Funken des Hl. Geistes dieser Tage? Oder werden sie ausgelöscht von der Flut der täglichen Agenda? Jetzt ist immerhin Zeit für eine kurze Liste, möglicherweise geist-reicher Kandidaten zur weiteren Beobachtung –  und auch das nur als Skizze, unvollständig:

• Krankenhäuser und Pflegeeinrichtung haben ihre Wurzeln in der christlichen Nächstenliebe. Es ist – offensichtlich auch aus praktischen Gründen – nicht gut, sie vor allem wirtschaftlich zu betrachten.

• Wir sind viel mehr aufeinander angewiesen als wir im Normalfall denken. Mehr Bescheidenheit und Wertschätzung wären dem angemessen.

• Saisonarbeiter, Menschen auf der Flucht und in Armut: Wem es sonst schon schlechter geht, leidet in Krisenzeiten noch mehr – bei uns und weltweit. Wenn Da Abhilfe zu schaffen, sollte eigentlich auch in guten Zeiten ein dringendes Anliegen sein.

• Um Leben zu bewahren sind erfreulich viele Menschen zu großen Einschränkungen bereit. Daran könnten wir doch auch später und mit viel geringerem Aufwand anknüpfen: für ungeborene, alte, sterbende… Menschen.

• Für die Grundrechte – nur teilweise und befristet  ausgesetzt – gehen Menschen protestierend auf die Straße. Sind uns diese Rechte immer so wertvoll – auch als Rechte anderer bei uns und weltweit?

• Gemeinsame Gottesdienste wurden erfreulicherweise auch vermisst. Könnten wir dieser Sehnsucht weiterhin nachgehen – und wie gestalten wir eigentlich sonst unsere gemeinsame und unsere persönliche Beziehung zu Gott?

Ich lasse noch Platz auf meiner Liste.
Und Sie auf Ihrer?
Mal sehen, was noch kommt!
Noch ist der Alltag nicht erwacht…

Pfr. Dr. Ludger Kaulig
 

Montag, 25.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
Quo Vadis - Herr, wohin gehst du?

Diese Frage hat der Apostel Petrus an Jesus im Johannes-Evangelium in Kapitel 13, 36 gestellt. Petrus will mit Jesus gehen und mit Jesus immer zusammen sein, aber Jesus sagt, dass er nicht mitkommen kann und darf. Die Entscheidung von Petrus mit Jesus  zu gehen ist stark und positiv, aber Jesus hat seine Bitte abgelehnt. Ja, seine Entscheidung war klar, dass er zu diesem Zeitpunkt die Bitte von Petrus nicht verwirklichen konnte!

Letzte Woche bin ich unterwegs gewesen und zum Abend hin ging die Sonne unter. Der Himmel sah wirklich sehr schön aus. Diese Aussicht der Schönheit des Sonnenuntergangs hat mich gelenkt, um diese Ansicht auf meinem Handy zu erfassen. Ich musste auf einem kleinen Weg halten. Der Weg durch die Felder sah unendlich aus. Dann habe ich das Bild fotografiert und es lange in Gedanken betrachtet. Dieser Weg auf dem Bild hat mich gezwungen zu denken, wohin dieser Weg geht? Ich bin für einige Zeit dort geblieben und habe über die Frage von Petrus nachgedacht: „Quo Vadies“, wohin gehst du? Die Freude und Bequemlichkeit bei Jesus zu sein war für Petrus unverzichtbar. Er weiß nicht, das der Weg ein Kurzweg wird und dieser Weg von Angst und Furcht erfüllt sein wird.

Die meisten Menschen und ich selbst sind lieber in der Komfortzone, wo Freude und Bequemlichkeit herrschen. Menschen suchen immer schöne Urlaubsorte, wo viel Vergnügen sein wird. Menschen haben mehrere Freundeskreise, um den Kern der Freundschaft und Gemeinschaft tief zu erleben. Deswegen kann man sagen, dass Menschen ständig unterwegs sind, um dieses auszuleben.

Covid-19 hat die ganze Welt erschüttert. Die Grenzen sind von Land zu Land, Region zu Region geschlossen. Die Maßnahmen der Krise haben die Menschen beschränkt und sie sind in die Isolation geraten. Aber jetzt haben mehrere Regierungen in vielen Ländern angefangen, die Beschränkungen langsam und vorsichtig zu lockern und die Grenzen aufzumachen. Der Wunsch, sich wieder frei zu bewegen steigt und ist sehr stark und positiv in vielen Menschen, auch in mir. Die Frage ist: Wohin kann ich gehen? Wie kann ich in meine Heimat, zu meinen Freunden, zu meiner Mutter gehen? Kann ich zu allen Orten gehen und zu allen Menschen, wie ich früher gegangen bin? Ist dieser Weg, diese Fahrt bequem und bringt Freude? Werde ich infiziert auf dem Weg von diesem tödlicher Virus? Mehrere Fragen gehen mir und auch vielen Menschen durch den Kopf.

Ich bin zuversichtlich, meine Entscheidung ist stark wie die Entscheidung von Petrus. Er sagte: „Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen.“ (Jn 13, 37). Er wusste nicht, wie schwach er selbst ist und führte sein Leben in großem Maße aus dem Selbstvertrauen. Ich glaube, dass ich auch schwach bin. Schwach in meiner Sehnsucht nach Heimat, Urlaubsorten, Freundeskreise usw. Das Selbstvertrauen der Menschen ist manchmal eigenartig bis lustig. Millionen Menschen kaufen Woche für Woche Lotterielose. Jeder glaubt und jeder hat das Vertrauen, dass er oder sie der Lottogewinner von diesen Millionen sein wird. Der Corona-Virus infiziert Millionen Menschen von Tag zu Tag, aber der Mensch glaubt und vertraut im Fall von Corona, dass er oder sie nicht infiziert wird. Die Gedanken der Menschen sind schwach, eigenartig und manchmal auch lustig.

Vor allem ist es für uns wichtig, dass wir auf Jesu Liebe  unser Leben, unsere Gedanken bauen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Möge Gott jedem von uns dabei helfen!

Pfr. Joseph Thota

Sonntag, 24.05.2020

Tagesimpuls | von Lothar Weichel
Der Geist-Weg

Vor einigen Wochen las ich im Lokalteil der Westfälischen Nachrichten den Hinweis: „Bitte beachten Sie auch die Abstandsregelung im Paradies“. Natürlich war der Vorraum von St. Josef gemeint. Das aber blieb hängen: „Abstandsregelung im Paradies“. Meine Antwort: Von mir aus achte ich überall auf die nötige Distanz, aber nicht im „Paradies“. Das könnte manchen Damen und Herren so passen. Im Gegenteil. Dort gibt es, so glaube ich, unmittelbare Nähe zu Gott, Wiedersehen und Versöhnung. Da passt kein Blatt zwischen uns und Jesus!

Pfingsten – Der Theologe Karl Rahner schrieb dazu einen Text, der mich über vierzig Jahre begleitet hat:

Hast Du schon einmal geschwiegen, obwohl Du Dich verteidigen wolltest, obwohl Du ungerecht behandelt wurdest?

Hast Du schon einmal verziehen, obwohl Du keinen Lohn dafür erhieltest und man Dein schweigendes Verzeihen als selbstverständlich annahm?

Hast Du schon einmal etwas aufgegeben, ohne Dank, ohne Anerkennung, selbst ohne das Gefühl einer inneren Befriedigung?

Warst Du schon einmal restlos einsam?

Hast Du Dich schon einmal zu etwas entschieden, rein aus dem inneren Spruch Deines Gewissens heraus? Du kannst es niemandem mehr sagen, niemandem klarmachen; wenn Du weißt, dass Du eine Entscheidung fällst, die Dir niemand abnimmt, die Du für immer zu verantworten hast?

Hast Du schon einmal versucht zu lieben, wo keine Welle einer gefühlvollen Begeisterung Dich trägt, wo alles ungreifbar und scheinbar sinnlos zu werden scheint?

Hast Du schon einmal eine Pflicht getan, wo man sie scheinbar nur tun kann mit dem Gefühl, sich selbst auszustreichen, oder eine entsetzliche Dummheit zu tun, die einem niemand dankt.

Warst Du schon einmal gut zu einem Menschen, von dem kein Echo der Dankbarkeit und des Verständnisses zurückkommt, und Du auch nicht durch das Gefühl belohnt wurdest, „selbstlos“ oder „anständig“ gewesen zu sein?

Suche solche Erfahrungen in Deinem Leben.
Wenn Du solche findest, hast Du die Erfahrung des Geistes gemacht. Die Erfahrung, dass der Geist mehr ist als ein Stück dieser zeitlichen Welt. Die Erfahrung, dass der Sinn des Menschen nicht im Sinn und Glück dieser Welt aufgeht. Die Erfahrung eines Wagnisses, das eigentlich keine ausweisbare, dem Erfolg dieser Welt entnommene Begründung mehr hat?

Wenn Du die Erfahrung des Geistes machst, dann hast Du auch schon die Erfahrung Gottes gemacht. Sehr anonym vielleicht. Sogar so, dass Du Dich dabei nicht umwenden kannst..., um Gott direkt in den Blick zu bekommen. Um etwa zu sagen: Da ist er, ich habe ihn.
Man kann ihn nicht finden, um ihn triumphierend als sein Eigentum zu erklären...

Aber die Suche zählt.

Quelle: Karl Rahner, in : „Dimension Gott“. Arbeitshilfe hrsg. von der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit, Gars am Inn o. J.

Lothar Weichel

Samstag, 23.05.2020

Tagesimpuls | von Thomas Gocke
Jesus Christus ist Diakonie

Neben der Verkündigung des Evangeliums (Martyria), der Feier der Eucharistie (Liturgia) und der Gemeinschaft (Koinonia), ist der Dienst am Nächsten (Diakonia) eine der vier Grundvollzügen der Kirche. In dieser Zeit fallen uns ein Teil dieser Grundvollzüge und deren Befriedigung schwerer als andere. So können wir jetzt schon wieder eine Messe besuchen oder sie im Livestream sehen, so scheinen die Martyria und die Liturgia einigermaßen zum Zuge zu kommen. Besonders schwierig in dieser Zeit scheint die Koinonia, so darf man sich zwar wieder mit zwei Haushalten treffen, darüber Hinaus ist aber vieles noch nicht denkbar. Viele, und ich gehöre auch dazu, vermissen es, sich ausgiebig treffen zu dürfen.

Dabei wird die Diakonia häufig vernachlässigt, denn sie stellt nicht mich in den Vordergrund, hier bin ich nicht Empfänger (der Frohen Botschaft, der Eucharistie oder des Gemeinschaftsgefühl), sondern ich werde zum Spender. Ich muss dabei aktiv werden und da ist Corona doch eine schöne Ausrede, dass das jetzt nicht geht. Fast jede vierte Tafel in Deutschland ist noch geschlossen. Dabei wäre es doch jetzt umso wichtiger, zum Spender zu werden. Die Diakonie ist die „Urgeste“ des christlichen Handelns und sollte daher auch unser aller Handeln bestimmen. Jesu Existenz ist die Diakonie, in seinen Werken erkennen wir Gott selbst und Gottes Liebe zu den Menschen. Jesus zeigt allen, die es hören möchten, was das Reich Gottes ausmacht.

Es ist nun an uns selbst, die wir in seiner Nachfolge stehen, das fortzuführen, was Jesus begonnen hat. Barmherzigkeit und soziale Gerechtigkeit sind die heutigen Kriterien christlicher Nachfolge.

Thomas Gocke
 

Freitag, 22.05.2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
Es lebe die Zeit! Sie möge bleiben.

Nach langer Zeit - es werden so 15 Jahre sein - sind mir wieder Texte von Lothar Zenetti in die Hände gefallen. Seine Texte empfinde ich als sehr ausdrucksstark. Einige sind Kinder ihrer Zeit und wirken heute seltsam. Einige wirken heute auch seltsam anders und neu. So dieser Text über die Zeit, den wir bis „vor kurzem“ noch ganz anders gelesen hätten:

Die flüchtige Zeit
Ich dachte manchmal schon: du liebe Zeit,
wohin bist du so unbemerkt entschwunden?
Gefiel´s dir nicht bei uns, warst du es leid
und drehst nun anderswo schon deine Runden.

Wir brauchen dich, glaub mir und sei gescheit.
Du siehst doch, wie wir hasten und uns eilen,
wie jeder klagt: ich habe keine Zeit.
Und keiner kann noch irgendwo verweilen.

Das seh ich, sagst du, ich wär schon bereit
und bliebe gern, doch hör ich immer sagen:
verkürzen wir sie uns, die lange Zeit,
die Langeweile lässt sich schwer ertragen.

Ich geh, ich will nicht lästig sein. Ihr seid
sehr schnell geneigt, mich zu vertreiben,
mich totzuschlagen gar bereit.- Verzeiht,
am Leben möcht man schließlich bleiben.


Aus: Lothar Zenetti, In Seiner Nähe. Texte des Vertrauens (Topos Plus 431) (c) Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, S. 147
Im Internet sind dieser und andere Texte hier zu finden: http://www.der-schwache-glaube.de/2010/08/04/lyrische-texte-von-lothar-zenetti-zusammengestellt-von-christoph-fleischer-werl-2010/

Ralf Peters

Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Weg zum Himmel


"Wenn der Hans zur Schule ging,
Stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
Schaut er aufwärts allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
Ja, da sah der Bursche nicht,
Also dass ein jeder ruft:
'Seht den Hans Guck-in-die-Luft!'"

Die meisten von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder,  werden die Geschichte vom Struwwelpeter noch kennen.
Wissen Sie auch noch, wohin es am Ende führt?

"Also dass er kerzengrad
Immer mehr zum Flusse trat.
Und die Fischlein in der Reih'
Sind erstaunt sehr, alle drei.
Noch ein Schritt! und plumps! der Hans
Stürzt hinab kopfüber ganz!"

Mir sagt das: Wer nur nach oben schaut, wer seinen Blick nur gen Himmel richtet, der verliert den Bodenkontakt; der verliert den Blick für das, was hier direkt vor unseren Füßen liegt;
Der verliert den Kontakt zur Wirklichkeit – und der verliert auch den Kontakt zu Jesus Christus, der Mensch geworden ist – sehr konkret auf dieser Erde.
Unser Ziel ist sicherlich der Himmel, d.h. ganz bei Gott und in Gott zu sein.
Aber der Weg dahin ist der Weg, der über diese Erde führt.
Es ist der Weg, den Sie und ich zu gehen haben; er führt mitten hindurch durch Ehe und Familie, mitten durch die Schulsorgen und die Pubertät der Kinder; er führt mitten durch die Gartenarbeit und die Zeit dieser Krise; mitten über alle Schreibtische und durch alle Bücher.
Der Weg zum Himmel führt mitten durch diese Welt und niemals daran vorbei.
Das Ziel kennen, und auf dieser Erde dem Himmel den Weg bereiten.
Bis Jesus wiederkommt.
Bis dahin ist er mitten unter uns.

Herzliche Grüße zum Festtag
Reinhard Kleinewiese

Mittwoch, 20.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
Getrennt gemeinsam

Wer hätte vor einem Jahr beim Pfingstival 2019 gedacht, dass wir in solchen Zeiten wie heute landen würden… „damals“, als wir voller Inbrunst „Der Himmel geht über Ahlen auf“ gesungen und getanzt haben, während die Seifenblasen uns umschwirrten…

Und heute? Pfingstival 2020 fällt aus? NEIN!

Die 25. Auflage etwa (so ganz genau wissen wir es auch nicht mehr…) findet dieses Mal statt – und es wird eine Premiere sein: im Autokino am Wersestadion! Thema, passend dazu: „Getrennt gemeinsam“

Das Team der letzten Jahre hat sich wieder zusammengefunden, Christen der evangelischen, der griechisch-orthodoxen, syrisch-orthodoxen, der freikirchlichen und der katholischen Kirche. Wir wollen versuchen, durch die Autowände hindurch Gemeinschaft entstehen zu lassen, was natürlich nicht einfach ist. Aber es wird eine überkonfessionelle Band geben, wir werden singen können (im Auto), beten, wir werden das „Amen“ als Morsezeichen und Lichthupe üben, im Studium nannten wir es früher „nonverbale Kommunikation“.
Die Autos (und damit auch die Menschen drinnen) werden wieder gesegnet werden, mit Walnussblättern und Wasser – und alle Seelsorger*innen möchten sich dabei gerne beteiligen. So hoffen wir, dass der pfingstliche Geist uns ergreift – und spürbar ist, auch bei jeder Fahrt zum Getränkemarkt fährt Gott und die Erinnerung an unser Pfingstival dann mit…

Euer Pastor Willi Stroband
 

Dienstag, 19.05.2020

Bild: Thomas Schulz

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Bildnis

Dies ist mehr als ein Gesicht
Dies ist eine Inspiration
Eine Entgegnung
Eine Antwort
Eine Ikone
Gerade und gekreuzt
Kantig und fließend
Erhaben und erhebend
Jetzt aber schauen wir noch wie in einen Spiegel
Und unvollkommen ist unser Erkennen
Bruchstücke aufgesammelt
Mühsam geflickte Fragmente
Patchworkarbeit
Aus Staub und Tränen
Aus Liebe und Tod
Sind wir gemacht
Und doch:
Trotz allem
Mit Allem
Noch immer
IHM
Wie aus dem Gesicht
Geschnitten

„Die Liebe hört niemals auf.
Stückwerk ist unser Erkennen und Reden.
Jetzt aber schauen wir in einen Spiegel,
und sehen nur rätselhafte Umrisse –
dann aber werden wir schauen:
Von Angesicht zu Angesicht.“
(1 Kor 13,9ff.)

Pfr. Reinhard Kleinewiese

Montag, 18.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Kaulig
Blick unter die Maske

Ihr Deutsch war perfekt. Erst als sie leise Ihr Wechselgeld zählte, fiel ihr Migrationshintergrund auf. Da schaltete sie intuitiv auf Spanisch um. Unsere Muttersprache ist tief in unserem Bewusstsein verwurzelt und lässt sich schwer abschütteln. Einige Reflexe – in diesem Fall das Zählen – bleiben auch nach langen Jahren im Ausland möglicherweise noch erhalten.
 
Aber auch in Ausnahmesituationen – jedenfalls immer dann, wenn wir nicht lange nachdenken, spontan handeln und uns für eine Idee und eine Vorgehensweise entscheiden müssen und können, kann sich leicht zeigen, was in uns schon seit Kindertagen grundgelegt ist.
 
Religion ist auch eine Sprache und kann ebenso tief in Menschen verwurzelt sein. Vor etwa zwei Wochen erzählte mir ein Gemeindemitglied auf dem Marktplatz von seiner neuen Gewohnheit: Beim Händewaschen singt er nicht leise zweimal „Happy birthday“, sondern betet ein Vater unser.
 
Aus meinem Freundeskreis (danke, Christina!) kommt die Bemerkung: Gerade jetzt, wo oft Maskenpflicht herrscht, fallen auch die Masken. Ja, manches Mal ist das erschreckend, wenn dabei Angst, Hass und Aggression an die Oberfläche gespült werden. Aber diese sonst eher negative Wendung darf nun ebenso für erfreuliche Überraschungen stehen: Unter vielen Masken zeigt sich ein ganz wörtlich sym-pathischer Mensch, fähig also des Mit-Fühlens, solidarisch und hilfsbereit. Ohne viel nachzudenken, werden gute Grundlagen in Menschen aktiv, eine elementare Prägung.
 
In der Vorbereitung auf das Pfingstfest mag das ein Anlass sein, dem Hl. Geist zu danken für solche Einblicke  in das Wurzelwerk unserer Gesellschaft und auch in unser eigenes, ganz persönliches und ihn um Weisheit und Verstehen zu bitten, daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und nachhaltig Gewinn für alle zu schöpfen.

Pfr. Dr. Ludger Kaulig
 

Sonntag, 17.05.2020

Das Bild Maria Advocata (seit 1931 in der Klosterkirche der Dominikanerinnen), Monte Mario, Rom. Die Ikone gilt als eine der ältesten erhaltenen Marienikonen.

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Ein
e Marienlitanei aus Chile
Maria,
nicht nur im Mai
Mädchen aus Nazaret
jüdische Mutter
Schwester der armen Frauen
Nachbarin in Nazaret
Obdachlose aus Betlehem
Flüchtling nach Ägypten
im politischen Exil bis zum Tod der Machthaber
Mutter des erhofften Befreiers
Mutter des umstrittenen Messias
Mutter eines Justizopfers
voller Vertrauen
   bei der Hochzeit in Kana
voller Schmerz unter dem Kreuz
   des getöteten Sohnes
Mitglied der Basisgemeinde
   von Jerusalem
pfingstlich Begeisterte
Sprecherin der Armen bei Gott
unterwegs mit deinem Volk Israel
Licht für die unterdrückten
   Völker der Welt
Mutter des vom Tod Erstandenen
… bitte für uns.

Leicht abgewandelte Übersetzung aus dem Spanischen

Pfr. Georg Aßmann

Samstag, 16.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
Das Antlitz Gottes angesichts des Leidens

Das Foto vom Projekt "Kampf gegen Hungersnot Bridge of Hope Indien" hat mich tief berührt.
Seit dem 22. März 2020 laufen Millionen von Arbeitsmigranten wegen der Ausgangssperre in Indien zu Fuß von den Großstädten zu ihren Heimatdörfern. Dieser Mann auf dem Bild läuft zu Fuß von der Metropole Hyderabad zu seinem Dorf in die Region Srikakulam. Die Entfernung zwischen diesen beiden Regionen beträgt 900 Kilometer.

Die Armen und Verletzlichen tragen die Hauptlast dieser humanitären Katastrophe auf schlimmste Weise. Das wird überdeutlich im Gesicht des Mannes auf dem Bild, der Essen erhält. Sein Gesicht in seiner Nacktheit und Wehrlosigkeit ist ein Hilferuf: „Verlass mich nicht“. Der Philosoph Lévinas sagt: "Bei einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht treffen sich mehr als zwei Personen". Und so ist das Bild Ausdruck des Hungers der Wanderarbeiter auf der Straße, aber auch der Wohltätigkeit des selbstlosen Freiwilligen. Es spricht zugleich von der Verletzlichkeit und von Solidarität der Menschheit.

Die Situation dieser Person spricht uns an, sie zeigt uns die harte Realität von Menschen, die in Not sind. Lassen wir uns berühren vom Leid dieses Menschen, der für so viele Leidende in Indien und auf der ganzen Welt steht. Wir sind gefordert im gemeinsamen Kampf gegen das Coronavirus. Wir brauchen umfangreiche Netzwerke und eine Hingabe in unseren Herzen, die das Antlitz Gottes im Angesichts der Leidenden sieht und mit seiner Kraft kämpft.

Pfr. Joseph Thota

Freitag, 15.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
Maiandacht hoch über Ahlen

Letzten Samstag hatte ich Autokinopremiere, noch nie war ich in einem gewesen… und dann gleich mit einer Marienandacht… hoch über Ahlen, auf dem obersten Deck des Parkhauses am Kerkmannplatz, mit traumhafter Sicht über ganz Ahlen, ein wahrhaft erhebendes Gefühl… 50 Autos, voller „Helden des Alltags“, die extra dazu eingeladen worden waren, Frauen und Männer, die auch in diesen Zeiten weiter im Dienst an den Menschen stehen, medizinisches Personal genau wie die Verkäufer*innen in den Geschäften, quasi an der Corona-Front (natürlich wären noch viele andere Gruppen zu nennen, die ihren Platz dann in der Gottesdienstpredigt fanden)…

Thematisiert wurde das Wort Marias: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn!“ Jahrhundertelang eher als Vorbild für alle Frauen herangezogen, dass sie einfache „Magd“–Dienste zu verrichten haben… dabei ist hier mit „Magd“ nicht der Beruf von Putzdiensten oder Bedienungen gemeint, sondern ist ein wahrhaft königlicher Ehrentitel, den der Evangelist Lukas nicht feiner hätte auswählen können… die Parallele dazu ist eher der „Gottesknecht“ Jesus, so dass deutlich wird, wie hoch Maria, und damit alle Frauen, hier wertgeschätzt werden… Keinem Mann sollte es mehr einfallen, gering von Frauen zu denken, so eine der (wahrscheinlichen) Intentionen des Evangelisten… 2000 Jahre Menschheits-Geschichte zeigen dabei allerdings noch so manchen Nachholbedarf… aber wenn wir da eine andere Zukunft erträumen, dürfen wir sicher sein, dass Gott genau diese Zukunft mit uns träumt… immerhin…

Für mich besonders schön war auch, dass ich mir die Lieder von CD`s aussuchen konnte, Lieder, die mich schon seit meiner Jugend begleiten… Boney M.: „Mary`s boychild Jesus Christ“, das erste Nummer 1 – Weihnachtslied in Deutschland 1978… John Cale: „Hallelujah“, eines der meistgecoverten (nachgespielten) Songs der Neuzeit, bekannt geworden durch den Zeichentrickfilm Shrek… Bob Dylan: „Knockin`on heaven`s door“, ein Lied aus einem späten Western der 70er Jahre („Pat Garret jagt Billy the kid“), mit der für mich eindrucksvollsten Sterbeszene der Filmgeschichte, die mich immer an die Pieta-Darstellungen von Maria und dem toten Jesus erinnert hat, untermalt eben mit diesem Song… und schließlich das schönste Liebeslied der Welt (Geschmack ist ja immer subjektiv), Leonard Cohen „Suzanne“, er hat ja auch „Hallelujah“ komponiert… und so schließt sich der Kreis…

Euer Willi Stroband

 

Donnerstag, 14.05.2020

Tagesimpuls | von Heintraud Maria Schmelting

Wer es könnte
die Welt
hochwerfen
dass der Wind
hindurchfährt

Dieses kleine Sehnsuchtsgedicht von Hilde Domin lebt seit Wochen in mir. Als Halbjüdin verließ Domin schon vor dem Krieg Nazi-Deutschland. Als sie 1961 zurückkehrte, hatte ihre alte Heimat sich verändert – und sie selbst sich auch. Die Schwere der Vergangenheit, die Belastungen der Geschichte, der Tod ihrer Mutter – das alles zusammen wog schwer. Es müsste jemand da sein, schrieb sie 1962/63, und „die Welt hochwerfen, dass der Wind hindurchfährt“. Welch eine Sehnsucht, die Welt hochwerfen können, so dass der Wind einmal gründlich in dieser Welt aufräumt und wieder frische Luft geatmet werden kann!

Ob nach der gegenwärtigen Krise die kleine und große Welt für uns eine andere sein wird, mag ich nicht vorhersagen. Doch der Wunsch ist da und verstärkt die Sehnsucht in mir, dass vieles sich verändern möge, vieles sich verändern muss! Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Es gab sie doch für mich, die Wundermomente in der Vergangenheit, und sie hatten etwas Zauberhaftes.

Ja, „Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug“ (Hilde Domin).

Ich wünsche uns Luft zum Durchatmen,
bleiben sie gesund!
Maria Schmelting

Mittwoch, 13.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Maria im Mai

Mairegen bringt Segen. Alles neu macht der Mai. Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun‘ und Fass. Komm lieber Mai und mache, die Bäume wieder grün. Tanz in den Mai. Wonnemonat Mai. Maiandacht.
Und da fallen Ihnen sicherlich noch eine ganze Menge mehr Redensarten, Sprüche, Gedanken und Ideen zu diesem „Wonnemonat Mai“ ein…
Mai - das ist für mich der Inbegriff von Frühling, Wachstum, Lindgrün, Maibowle, Hoffnung.
Mai - das ist für mich auch der Monat der Gottesmutter Maria. Ich erinnere mich noch gut an meine Kinder- und Jugendzeit in Werl: Jetzt begannen (und beginnen nach wie vor) die Wallfahrten. Menschen auf dem Weg zur und mit der „Trösterin der Betrübten“, „Schmerzensmutter“ und „Himmelskönigin“.
Als Kinder haben wir in diesem Monat immer einen kleinen Marienaltar zuhause liebevoll gestaltet: Mit einer Marienfigur, einer Kerze und vielen selbstgepflückten Gänseblümchen.
Machen Sie sich doch auch auf den Weg – er muss ja nicht immer kilometerlang sein: Zu einer Marienfigur in einer unserer Kirchen und Kapellen oder in der Natur.
Maria – die neue Eva.
Das neue Leben: Sei gegrüßt!

Segne du, Maria, höre unsern Ruf,
zeig uns Gott, den Schöpfer, der uns alle schuf.
Er will, dass wir leben, er will unser Glück,
wirbt um unsre Liebe jeden Augenblick.
Wirbt um unsre Liebe jeden Augenblick.

Segne du, Maria, lass uns Segen sein,
Licht und Schatten wechseln-lass uns nicht allein.
Alle Dunkelheiten, Not und Einsamkeit,
hilf uns auszuhalten, geh‘ mit durch die Zeit.
Hilf uns auszuhalten, geh‘ mit durch die Zeit.

Segne du, Maria, zeig uns deinen Sohn,
Christus, Gottes Liebe, starker Lebensstrom -
Er trägt uns im Leben, weckt uns auf im Tod,
Spricht: Du bist erwartet, Mensch von deinem Gott.
Spricht: Du bist erwartet, Mensch von deinem Gott.

Melodie: Cordula Wöhler 1870
Neuer Text: Reinhard Kleinewiese 2013

Mit grünen Maigrüssen             
Reinhard Kleinewiese, Pastor

Dienstag, 12.05.2020

Tagesimpuls | Pater Jose Kalarickal
Zurück zur Normalität, oder zu mehr Gerechtigkeit?

In der Corona-Zeit bekam unser Planet eine Verschnaufpause.
Ist es nicht unglaublich, auf was plötzlich so alles verzichtet werden kann? Man erkennt, welche Dinge wirklich für einen wichtig sind. Die neue Handtasche? Nicht wirklich. 20 verschiedene Sorten Käse? Oder ein reiches Sortiment an Schönheitsprodukte? Wirklich nicht. Hauptsache – das Leben zu retten.

Hoffnung auf eine baldige Normalität wünschen sich die meisten Menschen. Es gibt Lob und gleichzeitig Kritik an den geplanten Lockerungen. Wirtschaft und Tourismusindustrie drängen zu mehr Lockerungen. Virologen und Epidemiologen warnen vor zu schneller Lockerung. Wer oder was hat Vorrang?

Wie versteht man das Wort „Normalität“? Bedeutet „Normalität“ die Zeit vor dem Corona-Ausbruch? In einigen Fällen findet man eine gewisse Normalität notwendig. Zum Beispiel: bei der Entlastung der Eltern mit Kleinkindern in einer vernünftigen Form, bei Ausübung des Berufslebens und Wiederbeleben der stagnierten Wirtschaft. In manchen anderen Fällen findet man die Rückkehr zur Normalität trügerisch. Zum Beispiel: in Klimafragen und in unkontrollierter Globalisierung.

Nach Corona wird es eine andere Welt geben. Nur was für eine? Müssen die wohlhabenden Länder des Westens in den Ländern Asiens und Afrikas billig produzieren und die Waren nach Europa und Amerika transportieren und dabei ungeahnte Luft- und Meeresverschmutzung verursachen? Ist das nicht unfair, dass unter dem Vorwand der Globalisierung die Großbetriebe die Kleineren schlucken? Solche und ähnliche Fragen gibt es noch mehr. Sind wir so stur, dass ein Virus uns zu Verzicht und Disziplin zwingen muss? Muss es immer höher, schneller und weiter sein?

Eine Normalität, die vor dem Corona-Ausbruch gab, möchte ich nicht haben. Sie soll anders sein: eine Welt, in der alle Menschen eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben und eine gerechte Verteilung der Güter der Erde haben… und… und. Dieses Virus ist ganz anders. Es ist stärker als alle seine Vorgänger. Was die Familie, Schule, Kirche, Gesellschaft oder Regierung nicht zu schaffen vermag – ich meine Verzicht und Disziplin – das hat ein Virus durchgesetzt. Unsere Sorge sollte nicht die alte „Normalität“ oder der „Wohlstand“ sein, sondern eine neue „Originalität“ und „Gerechtigkeit“ für alle Menschen auf der ganzen Welt. Dazu kann jede/ jeder Einzelne ihre/ seine Rolle spielen.

Eine schöne und neue Zukunft wünsche ich Ihnen und euch!
Pater Jose Joseph Kalarickal

Montag, 11.05.2020

Tagesimuls | von Thomas Gocke
Sehen wie Jesus

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh 14,6)“; ist der berühmte Ausspruch Jesu an seine Jünger, um Ihnen zu sagen, dass es Zeit wird für ihn zu gehen. Aber auch, dass sie nicht verloren sind, denn sie können ihm nachfolgen. Dazu müssen sie nur so handeln, wie Jesus es ihnen vorgelebt hat, in der Zeit, in der sie ihn begleitet haben.

Sie haben gesehen, wie er, die Ausgestoßenen in die Gemeinschaft aufnahm, die Menschen heilte und noch viele weitere Wunder tat. Sie haben gespürt, mit welcher Hingabe er den Menschen begegnete. Jesus machte keinen Unterschied zwischen arm und reich, jung und alt oder den sozialen Ständen.

Doch wie kann ich es schaffen, die Menschen so zu sehen, wie Jesus es getan hat?

Ein Tipp von mir dazu: In der Grundschule lernen die Kinder Jesus als den Menschen kennen, der die Gabe besitzt, die anderen Menschen nur mit dem Herzen zu sehen. Daher wird er auch der „Herzseher“ genannt.

Kann es etwas Schöneres geben, als seinen Gegenüber nur mit meinem Herzen zu sehen?

Thomas Gocke

Sonntag, 10.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
„Wo soll’s hingehen?“,
fragt die freundliche Dame im Reisebüro, und ich zögere.
Ja, wohin will ich eigentlich?
Es geht um zwei Wochen. Die Zeit will ich gut nutzen. Erholen möchte ich mich, aber auch etwas erleben, anderes sehen und denken als sonst. Möchte ich Neues entdecken oder Vertrautes genießen?
Gehe ich auf „Nummer sicher“ oder riskiere ich ein Experiment?
Warum mache ich mir eigentlich so viele Gedanken?
Es sind schließlich nur zwei Wochen und das nächste Jahr bietet neue Gelegenheiten. Unruhe ist da wohl kaum angebracht.

Lockdown: Die Wege sind reduziert auf ein notwendiges Minimum. An Fernreisen ist derzeit nicht zu denken. Die meiste Zeit bin ich zuhause. Welche Ziele bleiben, wenn die alltäglichen Aufgaben und die besonderen Projekte des Jahres ausfallen?

Manche haben schnell ein paar neue Ideen zur Hand: Die Zahl der Rekordversuche habe in dieser Zeit deutlich zugenommen, las ich gestern. Andere holen Aufgeschobenes hervor: Aufräumen, Anrufe… Oder sie machen Pläne für „danach“ – Insgesamt: erfreuliche Lösungen für den erzwungenen Stillstand.

Anstelle von „bleiben Sie zuhause“ sagt man in Frankreich wohl „restez chez vous“, also: „bleiben Sie bei sich“. Wenn ich also nicht nur zuhause, sondern tatsächlich bei mir bleibe, stellt sich die Frage nach dem Ziel anders:
Wo will ich hin mit meinem Leben? Theoretisch. 
Und nach welchem Ziel sieht es tatsächlich, praktisch aus?

Da wäre ja eine gewisse Unruhe angebracht.
Schließlich ist die Gelegenheit einmalig.

Es grüßt Sie an diesem Sonntag
Pfr. Dr. Ludger Kaulig

Weiterlesen: Kurzpredigt vom 10.05.2020

Samstag, 09.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
Menschlichkeit in der Corona-Krise

COVID-19, das unsichtbare Virus, hat bereits existenzielle Lektionen gelehrt: Die reichsten und mächtigsten Nationen, die  Atomwaffen und Waffen gelagert haben, werden von einem Virus  in die Knie gezwungen. Die mächtigen Länder, Super-power Nationen lernen mit Demut, dass das Leben sehr fragil und wertvoll ist.
Menschen brauchen einander. Ohne Nächstenliebe hat das Leben keine Bedeutung.
Menschen werden nachdenklich. Viele erleben in dieser Krisenzeit die Menschlichkeit. Achtsamkeit, Barmherzigkeit, Empathie, Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz sind die Eigenschaften der Menschlichkeit. Diese christlichen Tugenden sind deutlich sichtbar in vielen Menschen in dieser Krisenzeit. Ich entscheide nicht, wer mein Nächster ist, sondern der Hilfebedürftige nimmt mich als Nächsten, macht sich mir zum Nächsten (Gleichnis vom Samariter; Lk 10,25-37).
Vor allem können alle Mächte lernen, die Gegenwart einer Macht anzuerkennen, die vor allem ist. 
Mit großem Schmerz erkennen viele Länder, dass sie mehr Soldaten in ihren Ländern im Tötungsgeschäft haben als Ärzte, die vor Tod und Krankheit retten können.
Die Menschheit selbst ist auf dem Weg des Kreuzes. Möge dieses Kreuz alle Nationen dazu bringen, Feindschaft und Krieg zu beenden und vielmehr Auferstehung in menschlicher Solidarität zu sehen. Jetzt ist die Zeit für die Kirche, die Welt und die Menschheit in menschlicher Solidarität zu begleiten.

Wenn es von Schlimm zu Schlimmer geht:
„Vertraue auf den Herrn! Sei mutig und tapfer und hoffe geduldig auf den Herrn!“
(Psalm 27,14)

Pfr. Joseph Thota

Freitag, 08.05.2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
Endlich wieder Normalität!

Das habe ich mir heimlich von dem Gespräch der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten erhofft: die Kindergärten öffnen komplett, die Schulen auch, Kontaktbeschränkungen werden aufgehoben.
Dass das utopisch ist, weiß ich.
Es zeigt mir meinen unendlichen Drang nach Normalität. Hatte ich vorher ein Gespür für „das macht man so und so und das so“ ist es nun durcheinander gewirbelt. Wie teile ich mit Freunden Freude und Begeisterung, wenn die Umarmung - die noch  so viel mehr sagt als Worte - gerade tabu erscheint?
Grüße ich Menschen, die mir begegnen mit einem freundlichen „Hallo!“ oder  drehe ich mein Gesicht zur Seite um meinen Nächsten und mich zu schützen?
Die Normalität zu verlieren, ist anstrengend. Plötzlich muss ich mir Gedanken um vermeintliche, bisher gültige Selbstverständlichkeiten machen.
Auf der anderen Seite jubele ich. Endlich kann ich vieles Hinterfragen, was unumstößlich schien und Dinge einfach anders machen. Jetzt sitze ich in Dolberg am Dorfteich in der Sonne und schreibe diesen Impuls.
Dafür brauchte es allerdings den Schritt ins Homeoffice und die dort entstandene Erkenntnis: Das meiste kann ich digital, online und ortsunabhängig tun.
Das schafft mir Freiraum und anderen Kontakt. Am Dorfteich trifft man mehr Menschen als im Büro.
Und so führt mich das Kontaktverbot irgendwie zu neuen Formen der Kontaktaufnahme. Ein Gewinn!
 
Und doch wiegt vieles schwer, ist verloren gegangen. Besonders…
 
Was ist das? „Das iPad muss abkühlen, bevor Sie weiter arbeiten können.“
Zufälle gibt´s…
 
Und ich halte das Gesicht in die Sonne, schließe die Augen und denke:
Das Büro in der Sonne? Unnormal. Aber schön!

Ralf Peters

Psalm 104 – Loblied auf den Schöpfer
1Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du! *
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, *
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt.

3 Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /
Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, *

du fährst einher auf den Flügeln des Windes.
4 Du machst die Winde zu deinen Boten, *
zu deinen Dienern Feuer und Flamme.

5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, *
in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.

6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, *
die Wasser standen über den Bergen.

7 Sie wichen vor deinem Drohen zurück, *
sie flohen vor der Stimme deines Donners.

8 Sie stiegen die Berge hinauf, sie flossen hinab in die Täler *
an den Ort, den du für sie bestimmt hast.

9 Eine Grenze hast du gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten, *
nie wieder sollen sie die Erde bedecken.

10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, *
sie eilen zwischen den Bergen dahin.

11 Sie tränken alle Tiere des Feldes, *
die Wildesel stillen ihren Durst.

12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, *
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, *
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.

14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh *
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen,
damit er Brot gewinnt von der Erde *

15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl *
und Brot das Herz des Menschen stärkt.

16 Die Bäume des HERRN trinken sich satt, *
die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat,

17 dort bauen die Vögel ihr Nest, *
auf den Zypressen nistet der Storch.

18 Die hohen Berge gehören dem Steinbock, *
dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.

19 Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten, *
die Sonne weiß, wann sie untergeht.

20 Du sendest Finsternis und es wird Nacht, *
dann regen sich alle Tiere des Waldes.

21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute, *
sie verlangen von Gott ihre Nahrung.

22 Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim *
und lagern sich in ihren Verstecken.

23 Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, *
an seine Arbeit bis zum Abend.

24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht, *

die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
25 Da ist das Meer, so groß und weit, /
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: *
kleine und große Tiere.

26 Dort ziehen die Schiffe dahin, *
der Levíatan, den du geformt, um mit ihm zu spielen.

27 Auf dich warten sie alle, *
dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.

28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, *
öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem.

29 Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin *
und kehren zurück zum Staub.

30 Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen *
und du erneuerst das Angesicht der Erde.

31 Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, *
der HERR freue sich seiner Werke.

32 Er blickt herab auf die Erde und sie erbebt, *
er rührt die Berge an und sie rauchen.

33 Ich will dem HERRN singen in meinem Leben, *
meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.

34 Möge ihm mein Dichten gefallen. *
Ich will mich freuen am HERRN.

35 Die Sünder sollen von der Erde verschwinden /
und Frevler sollen nicht mehr da sein. *

Preise den HERRN, meine Seele!
Halleluja!

Donnerstag, 07.05.2020

Tagesimpuls | von Rembert Wilke
Das Nordfenster in der St.-Ludgeri-Kirche     
                                
Am vergangenen Sonntag wurde wiederum der Gottesdienst, der von Pfarrer Joseph Thota und Dr. Kaulig geleitet wurde, aus der St.-Ludgeri-Kirche im Live- Stream übertragen. In mehreren Einblendungen wurde dabei das Nordfenster der Kirche gezeigt. Dies war für mich Anlass genug, die Kirche zu besuchen und mich genauer mit dem Kunstwerk zu befassen. In der Zeit der Krise und der Entschleunigung  bieten sich gute Möglichkeiten, die Kirche näher kennen zu lernen.

Ich setze mich in die gegenüberliegende Bankreihe. Das Glasmosaik ist aufgeteilt in sieben mal sieben Einzelfenster, wobei die Zahl sieben in der Zahlensymbolik immer eine heilige Zahl bedeutet -  so gibt es sieben Sakramente. Der große Lebensbaum zeigt die Entwicklung vom Tod zum Leben. Ganz unten ist der gekreuzigte Christus zu erkennen, darüber die Urgemeinde mit Maria und elf Aposteln und oben sieht man den auferstandenen Christus im Himmel mit Engeln und Heiligen. Der Himmel ist symbolisiert von einem großen gelben halbkreisförmigen Bogen. Christus thront auf einem grünen Querbalken mit musizierenden Engeln. Von unten ragen blaue und grüne Säulen empor, welche vielleicht die Verbindung zum Himmel darstellen.

An sonnigen Tagen strömt viel Licht in den Kirchenraum und schafft eine bunte und mystische Atmosphäre. Während der Live-Übertragung wanderte der Lichtstrahl und beleuchtete verschiedene Teile der Frontseite des Altares.

Geschaffen wurde diese Glasmosaikwand  1963 von der Benediktinerin Erentrud Trost, die aus Paderborn stammt. Nach dem Abitur begann sie in Köln 1942 ein Medizinstudium, 1944 wurde sie im Krieg zum Dienst als Narkoseschwester verpflichtet. 1946 trat sie in die Benediktinerabtei Varensell an der Weser ein.  Von 1950 – 52 studierte sie an der Werkkunstschule in Münster. Der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit blieb der Entwurf von Glasfenstern und Mosaiken. Unter anderem schuf sie die gesamte Innenausstattung für den Neubau der Abteikirche Varensell, wo sie bis zu ihrem Tod 2004 lebte.

Kirchen sind auch Zonen der Stille, sie sind Räume, in denen Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen stattfindet. Man sollte den Raum auf sich wirken lassen und zur Ruhe kommen. Die katholischen Kirchen sind in dieser Zeit täglich geöffnet, wodurch verdeutlicht wird, dass Gott immer für uns da ist. Kunstwerke vermitteln eine Botschaft, die es zu entschlüsseln gilt. Durch Gottes Nähe werden wir gestärkt und kehren in den Alltag zurück.

Rembert Wilke

Mittwoch, 06.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Was möglich wäre (und das nicht nur in C.-Zeiten)…

Dem Alltagein Schnippchen schlagen
Der Bravheitauf den Schlips treten
Der Gleichgültigkeitins Messer laufen
Dem Trottauf die Sprünge helfen
Den Schwätzervon der Backe putzen
Dem Querulanteneine Bresche schlagen
Der Monotoniedie Flötentöne beibringen
Dem Unschuldswahndas letzte Hemd nehmen
Den Stumpfsinnauf’s Glatteis führen
Der Engstirnigkeitdie Stirn bieten
Der Unentschlossenheitdie Zähne zeigen
Der AngstBeine machen
Der Lügedas Blaue vom Himmel erzählen
Dem SchwarzmalerFarbe bekennen
Die Gewaltin’s Abseits stellen
Der Machtdas Kreuz brechen
Dem Todden Tod wünschen
Dem Opferreinen Wein einschenken
Dem Lebenin’s Gesicht lachen
Michmehr in’s Spiel bringen
IHMTür und Tor öffnen

Womit fangen Sie heute an?

Mit dabei  Ihr
Reinhard Kleinewiese, Pastor

Dienstag, 05.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Fels in der Brandung

Im kirchlichen Morgengebet beten wir heute den Psalm 144, der mit den Worten: „Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, …“ beginnt.
Mir kommt da ein Bild in den Sinn, wo ich oben auf einem Felsen stehe, umstürmt vielleicht von einem aufgewühlten Meer. Ja, da ist Gott mein Fels in der Brandung, „meine Festung, mein Retter, mein Schild, dem ich vertraue“ (Ps 144,2).
Wie anders sieht sich das Bild an:
 

Ein Felsen auf dessen schmaler Kante ein Mensch steht. Jeder Schritt könnte auch Absturz – Lebensgefahr bedeuten. Wie ist dieser Mensch dorthin gekommen? Wie kommt er wieder weg? Ist das auch der Felsen, den ich „Gott, meine Festung, mein Retter“ nennen möchte?

Wir werden immer auf „Sicherheit“ eingeschworen, auf die Versicherungen. Wir versichern uns, wollen uns oder andere nicht anstecken und wiegen uns (vermutlich unberechtigt) mit Mund- und Nasenabdeckung und Distanz zum Mitmenschen in Sicherheit.

Gott – wie oft mache ich Ihn harmlos, ungefährlich, einfältig, anspruchslos? Zum „Retter in der Not“, wenn es mir schlecht geht, in meiner kleinen eigenen Welt. Dabei ist Er doch drei-faltig, will mich herauslocken aus meiner kleinen eigenen Welt, hin zu den Andern, ins Risiko auch. Und trotz meiner Unsicherheit, spricht Er mir zu: Ich bin dein Fels, an Mich kannst du dich anlehnen.

Das ist nicht gefahrlos, schenkt aber einen Blick über die Kleinlichkeiten meines Lebens hinaus, öffnet meinen Blick für Ihn und die Freiheit und Herrlichkeit Seiner Schöpfung und aller Geschöpfe in ihr.
„Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist!“

Georg Aßmann

Montag,04.05.2020

Tagesimpuls | von Pater Jose Kalarickal
Viel Zeit……

Ein oft gehörter Satz bis vor der Corona-Krise lautet: „Ich habe keine Zeit“. Nicht nur die Terminkalender der Erwachsenen sind voll, sondern auch die von Kindern. Außerhalb der Schul- oder Arbeitszeit gibt es Termine wie Musikschule, Tanz- und Fitnesskurse, Geburtstagsfeiern und….und. Wenig oder keine Zeit für die Familie oder für sich selbst.

Jetzt in der Corona-Krise haben wir Menschen viel Zeit, sogar zu viel Zeit. Menschen sind daran nicht gewöhnt. Zu viel Zeit ist genauso schlimm wie zu wenig Zeit. Es ist eine große Herausforderung, wie man diese Zeit richtig einteilen, nutzen und verbringen kann.

Wie können wir als Christen diese Zeit gut verbringen? Ich habe auch kein fertiges Rezept. Ich kann euch und Ihnen ein Beispiel aus dem Leben meines Vaters erzählen. Er ist schon 2016 mit 93 Jahren gestorben. 15 Jahre vor seinem Tod hat er viel Zeit für Bibellesen und Gebet verbracht. Es hat mich überrascht, dass mein Vater die ganze Bibel – von Genesis bis Offenbarung – sechs Mal durchgelesen hat. Unüblich für einen Laien. Das hatte er vorher nie getan. Plötzlich hatte er Freude am Bibellesen gefunden. Vielleicht eine geschenkte Gnade. Die Folge: mein Vater ist viel gelassener und zufriedener geworden.
Bibellesen ist nicht nur etwas für Rentnerinnen und Rentner. Wer weiß, ob wir so viel Zeit und geistige Fähigkeit vor dem Tod haben! Nach dem Tod meines Vaters habe ich dies zu meiner Aufgabe gemacht, Bibel zu lesen.

Ich kann Ihnen das in dieser Zeit gut empfehlen. Warum? Als Christen ist unsere erste Aufgabe (erstes Gebot) „Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft“. Wie kann man einen lieben, wenn man ihn nicht kennt? Die Heilige Schrift (die Bibel) ist voll von Gottes Heilstaten an uns Menschen. Um diesen Gott besser kennenzulernen, ist es gut die Heilige Schrift zu lesen.
Die ganze Bibel zu lesen ist für viele Menschen nicht zumutbar. Einige empfehlenswerte Bücher aus der Bibel sind: Genesis, Das Buch Tobit, Das Buch Sprichwörter, Evangelium nach Matthäus und Johannes, Apostelgeschichte, Der Brief an die Epheser, Der erste Brief des Johannes. Oder für Anfänger empfehle ich drei Kapitel aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 5, 6 und 7. Darin findet man eine Zusammenfassung der Botschaft Jesu.

Bibel ist Gottes Wort und Gottes Wort ist Licht und Leben. Gotteslob Nr. 450: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, es hat Hoffnung und Zukunft gebracht, es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie Stern in der Dunkelheit“.

Eine schöne besinnliche Zeit wünsche ich euch und Ihnen.
Pater Jose Joseph Kalarickal

Sonntag, 03.05.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Flash-Mob Angelus-Gebet

In den letzten Wochen gab es viele gute Einfälle, kleine Zeichen zu setzen, um einander zu stärken: eine Kerze auf der Fensterbank, Musik oder Applaus vom Balkon, Glockengeläut…

Seit vorgestern läuten die Glocken nicht mehr um 19.30 Uhr zum gemeinsamen betenden Gedenken in dieser globalen Katastrophe. Vielleicht hat da jemand gedacht: Jedes Zeichen, auch ein so – schon rein technisch – mächtiges wie das Glockengeläut, kann sich auf Dauer abnutzen.
Deshalb möchte ich heute Ihre Aufmerksamkeit auf ein solches abgenutztes Zeichen lenken, das es tatsächlich immer noch gibt. Die Idee dazu ist alt: Vor fast genau 800 Jahren reiste der Hl. Franziskus nach Ägypten, um in den 5. Kreuzzug einzugreifen, Christen wie Muslimen ins Gewissen zu reden. Weder von einer politischen Wende noch von religiösen Bekehrungen ist zu berichten, allerdings von einer persönlichen Begegnung in gegenseitiger Wertschätzung mit Sultan Muhammad al-Kāmil.

Franziskus blieb aber offenbar davon beeindruckt, dass der muslimische Gebetsruf die Menschen für einen Augenblick im Alltag innehalten ließ, um an Gott zu denken. Türme gab es genug aber ein Rufer war überflüssig; schließlich hatte man Glocken. Daheim schrieb Franziskus gleich mehrere Briefe, um Entsprechendes anzuregen. Auf diese Initiative entwickelten zunächst die Franziskaner, dann die Kirche insgesamt das Angelus-Gebet (Es ist benannt nach dem ersten Wort: "Angelus Domini", "Der Engel des Herrn..."). Den Tag durch Gebetszeiten zu gliedern, Gott auf diese Weise im Alltag vorkommen zu lassen, war bis dahin vor allem eine Sache der Klöster. Für die Rezitation der Psalmen musste man lesen und singen können. Nun gab es eine einfache Form für alle Menschen.

Bei uns sieht sie mittlerweile so aus (Der Text dazu lässt sich auch im Wechsel zwischen einem Vorbetenden (V) und allen anderen (A) sprechen):
 
(3 Glockenschläge)
(V) Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, …
(A) …und sie empfing vom Heiligen Geist. (Vgl. Lk 1,28–35)
(V) Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
(A) Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.


(3 Glockenschläge)
(V) Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;…
(A) …mir geschehe nach deinem Wort. (Lk 1,38)
(Wie oben: Gegrüßet seist du, Maria …)


(3 Glockenschläge)
(V) Und das Wort ist Fleisch geworden…
(A) …und hat unter uns gewohnt. (Joh 1,14)
(Gegrüßet seist du, Maria …)
(V) Bitte für uns, heilige Gottesmutter (-gebärerin),
(A) (auf) dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.


(Dauerläuten mit einer Glocke)
Lasset uns beten!
Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 
Zwischen Eile und Lärm ist dieses Gebetsläuten heute (um 7.00 Uhr, 12.00 Uhr und 18.00 Uhr) oft bestenfalls Zeitgeber, meist wahrscheinlich nur ein Hintergrundgeräusch oder sogar eine Störung. Aber vielleicht hat es jetzt ja  eine Chance, wo wir wieder etwas geübter sind, darauf zu hören.
Zwei kurze Anregungen dazu:

1. Wem das ganze Gebet zu lang ist, dem empfehle ich, sich auf den Kern zu konzentrieren. Ich beschränke mich dann auf den einen Satz: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Es geht ja darum, dass der allmächtige Gott Mensch geworden ist, um bei uns zu sein, in unserem Alltag.
Bleiben Sie doch einfach einen Moment stehen (natürlich nicht auf einer Straßenkreuzung oder Rolltreppe und nur, wenn Sie zu Fuß unterwegs sind) und schauen sich um: Diese Zusage gilt jetzt, an diesem Ort, wo Sie gerade sind. Das ist sicher vor allem dann interessant, wenn Sie nicht immer zur selben Zeit am selben Ort sind. Wählen Sie doch einfach die Gebetszeit aus, zu der Ihr Alltag am buntesten ist.

2. Heute gibt es „Flash-Mobs“. Wer das nicht kennt: Man verabredet sich an einem oder an verschiedenen Orten z.T. mit völlig fremden Menschen zu einer gemeinsamen (mal lustigen, mal poetischen, musikalischen oder auch irritierenden) Aktion. Im Prinzip ist das Angelus-Gebet auch eine solche Aktion. Verabreden Sie sich doch mit Freunden und teilen Sie einander über WhatsApp oder so ganz kurz mit, wo Sie gerade sind, in welcher Situation Ihres Lebens gerade Gottes Zusage ankommt, bei uns zu wohnen.

Nicht nur als Ablösung für das 19.30 Uhr-Läuten, sondern auch angesichts der Überschneidung des Marienmonats und des Ramadan wäre jetzt doch ein schöner Moment, den Impuls des Hl. Franziskus aufzugreifen.

Pfr. Dr. Ludger Kaulig

Samstag, 02.05.2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
Das leichte Flattern von Schmetterlingsflügeln...

Ein chinesisches Sprichwort besagt, dass das leichte Flattern der Flügel eines Schmetterlings bis zur anderen Seite der Welt spürbar sein kann.
Haben Sie schon einmal einen Schmetterling beobachtet?
Haben Sie schon einmal einen Schmetterling auf Ihrer Hand gehabt?
Haben Sie das leichte Flattern der Flügel in Erinnerung?
Und erinnern Sie sich auch an die Freude, die Sie beim Anschauen dieses zarten Lebewesens überkam?
Wunder über Wunder in der Gestalt von Kleinheit, Zartheit, Zerbrechlichkeit und Schönheit.
Und das berührt.
Denn über all dem, was unser Leben ängstigt und schwer macht, gibt es „das leichte Flattern von Schmetterlingsflügeln“. Und wir können es in vielen Dingen auch in dieser bedrohten Zeit täglich erleben.
 
Da wird uns auf unsere Straße Musik gebracht und wir können mitsingen. Und unsere Nachbarn trauen sich aus den Häusern heraus in gebührendem Abstand, um mitzuhören und mitzusingen.
Ein Moment der Bewegung aus Bewegungslosigkeit.
 
Da bringen Menschen Lebensmittel in die Haushalte von alleinstehenden Senioren.
Momente der Bewegung und Zuwendung.
 
Da hält der Pfarrer im Garten des Seniorenhauses einen Gottesdienst, begleitet sich selbst auf der Gitarre.
Moment der Bewegung und des christlichen Zusammenseins.
 
Da bringen Seelsorger aus unserer Gemeinde den Ostersegen auf die Straßen, an die Häuser, in die Gärten.
Momente der Bewegung und des Zusammenhaltes, der Fürsorge und der gegenseitigen Freude.
 
Da werden Briefe und Päckchen in den großen Kasten an der Tür des Seniorenheimes für Angehörige, Freunde und Bekannte gelegt.
Momente der Bewegung, in denen Brückenbauer aktiv sind und das Alleinsein erträglicher machen.
 
Und abends um 19.30 Uhr bewegt sich das Glockengeläut der Kirchen von ihren Kirchtürmen her in unser Ohr hinein.
Bewegung – Klänge – Atemholen.
 
Es gibt noch viele Momente, die uns durch diese Coronazeit hindurch begleiten und helfen.
Es gibt noch viele Momente, die uns trotz Abstand näherbringen.
 
Ich wünsche uns, dass wir uns für diese Momente (für das Flattern von Schmetterlingsflügeln) immer einen wachen Blick bewahren. Einen wachen Blick für die liebens- und lebenswerten Dinge. Und ein offenes Herz, damit die Dinge uns auch erreichen können. Dann können die Schmetterlingsflügel über uns hinaus und durch uns an die andere Seite der Welt gelangen.
 
Ihre Ilse Waltraut Blomberg

Freitag, 01.05.2020

Tagesimpuls | von Heintraud Maria Schmelting
„Solidarisch ist man nicht allein“
1. Mai! Die Straßen und Wanderwege waren voll. Ein freier Tag im Kalender, und zum ersten Mal, seit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes 1949, wird es in diesem Jahr am 1. Mai keine Demos und Kundgebungen auf Straßen und Plätzen zum „Tag der Arbeit“ geben. Demonstriert wird online ab 11.00 Uhr, und er verspricht ein lebendiger Tag in den Netzwerken zu werden – passend zum Motto: „Solidarisch ist man nicht allein“. Auch andere Demos werden im Netz unterwegs sein; der arbeitsfreie Tag und die Ausgangssperre motivieren zur Teilnahme.

„Mir kommt diese Zeit entgegen“, sagte mir vor Wochen ein junger Mann, „ich bin lieber allein; ich sitze lieber am PC und pflege dort meine Kontakte!“ Na ja, man kann „mit Anstand Abstand halten“, doch die Zukunft wird dadurch nicht gesichert…

Solidarisch ist man nicht allein. Wir sind Herdenmenschen, Sozialwesen und auf Beziehungen angewiesen. Wir brauchen einander, wenn wir uns menschlich entwickeln wollen. Nur so lernen wir soziales Verhalten, und nur so tragen wir im christlichen Sinn zur Menschwerdung bei.

Ich wünsche Ihnen einen Überraschungskontakt,
und bleiben Sie gesund,

Heintraud Maria Schmelting

Donnerstag, 30.04.2020

Tagesimpuls | von Thomas Gocke
Videokonferenzen

Sie sind die schon vorher vorhandene, aber jetzt erst recht gebrauchte, Allzweckwaffe in der Coronazeit. Vorher allenfalls von großen Firmen genutzt, um lange Flugreisen zu vermeiden und schnelle Entscheidungen auch über große Distanzen zu ermöglichen, prägen sie jetzt das soziale Bild. Ob privat oder beruflich, Gesellschaft gibt es jetzt nur noch im Bildschirm, zumindest, wenn es dann mit mehr als einer anderen Person der Fall sein soll. So habe auch ich allein in den letzten beiden Tagen fast 10 Stunden in Videokonferenzen verbracht.

Die einen sagen, es ist anstrengend, man ist es nicht gewohnt so lange auf einen Bildschirm zuschauen und das Zuhören ist deutlich anspruchsvoller. Die Anderen sind froh, ihre Freunde, Familie oder Arbeitskollegen überhaupt sehen zu können. Das schafft dann immerhin ein bisschen Nähe. Ich bin da noch zwiegespalten.

Aber es weckt auch die Sehnsucht, nach dem einen, was ich eigentlich anstatt der Videokonferenz mit den Teilnehmern gemacht hätte. So wird mir von jedem Videochat unverblümt und wahrsten Sinne des Wortes vor Augen geführt, was ich jetzt nicht haben darf, die Nähe und die Gesellschaft. Die fiktive Nähe ist da nur ein schwacher Trost.

Da ist es doch gut und schön zu wissen, dass die Nähe zu meinem Gott in dieser Zeit nicht von Einschränkungen geprägt ist. Es gibt zwar zur Zeit noch keine Gottesdienste, an denen ich real teilnehmen darf. Aber in Gedanken und im Gebet ist er immer ganz nah bei mir. An ihn darf ich immer noch genau so nah ran oder weit weg, wie ich es mag. Das kann mir keiner verbieten. Diese Nähe ist auch nicht fiktiv, wie bei einem Videochat, sie ist ganz real. Mein Gott ist bei mir in jeder Stunde und an jedem Tag.

Thomas Gocke

Mittwoch, 29.04.2020

Tagesimpuls | Pfr. Joseph Thota
Der Schritt ins neue Leben

COVID-19 lässt nichts unverändert. Dieser Engel des Todes bringt wie das siebte Siegel des Buches der Offenbarung eine erschütternde Botschaft. Nichts wird wieder so sein wie zuvor. Die Art, wie wir anbeten, die Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen zueinander gestalten, die Art und Weise, wie wir arbeiten, wird sich ändern. Wir stehen am Beginn eines neuen Bewusstseins, einer radikal neuen Herangehensweise an unser Leben in einer fragilen Welt.
 
Soziale Distanz riskiert soziale Paranoia - Angst vor meinem Bruder und meiner Schwester. Das größte Problem besteht offenbar darin, dass wir nicht wissen, wie lange wir "sozial distanziert" leben müssen. Soziale Distanz beschneidet menschliche Grundbedürfnisse, sagt Psychologin Wolf: "Wir brauchen Kontakt, wir brauchen Beziehungen, das Gefühl eingebunden zu sein in eine Gemeinschaft." Ist der Zeitraum klar umrissen, können wir uns darauf einstellen. Ist der Zeitraum unklar, wird es schwierig. Und dennoch müssen wir uns an die Regeln halten. Die Maßnahmen der Corona-Krisenzeit entstehen aus Solidarität untereinander und führen uns zu neuen Formen der Solidarität. Erkennbar auch an der großen Spendenbereitschaft für mein Projekt "Bridge of hope". Herzlichen Dank dafür!

Pfr. Joseph Thota

Dienstag, 28.04.2020

Tagesimpuls  | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Das Buch vom "Wenn..."

Dieses kleine, unscheinbare Büchlein hat es in sich!
Titel: Das Buch vom „Wenn…“ – Überraschende Aussichten.
Neugierig geworden, fange ich an zu lesen.
Die Fragen beginnen immer mit „Wenn…“:

* Wenn Sie einen Tag lang zaubern könnten - was würden Sie tun?
* Wenn Sie plötzlich und auch nur für einen Tag unwiderstehlich charmant sein könnten – was würden Sie tun?

So federleicht und spielerisch wie die Fragen daherkommen und mich reizen, darauf spontan eine Antwort zu geben, so sehr spüre ich plötzlich, dass eine Antwort gar nicht so einfach ist. Ich überlege, was ich herbeizaubern oder wegzaubern würde? Corona weg? Und dafür – mehr…tja, mehr von was? Gar nicht so leicht…Jede Entscheidung zieht Konsequenzen nach sich. Und: Ich fange an zu bewerten, auszuwählen – und was für mich vielleicht erstrebenswert erscheint, muss für Dich und Sie und Ahlen und die Kirche noch lange nicht so sein... 
                                                                
Aber am „charmant sein für einen Tag“ habe ich schon meine helle Freude und male mir bunte Überraschungsmomente aus; aber dann: Bin ich denn so oft nicht charmant, kalt, genervt, lieblos? Und würden Menschen diese plötzliche „Charme-Offensive“ nicht sonderbar künstlich finden? Wer bin ich denn? Wie nehmen mich Menschen denn sonst überwiegend wahr?  Verändern wir uns in dieser außergewöhnlichen Zeit – oder nehme ich andere Menschen in meiner plötzlich ganz dichten oder entfernten Begegnung  anders wahr als sonst? Sind Sie vielleicht doch charmanter, offener, zugewandter, nerviger, liebevoller als ich es bisher wahrnahm?
Ich komme von einer Frage zu hundert weiteren…

Doch diese „Wenn“-Fragen aus dem kleinen Büchlein finde ich auch noch sehr reizvoll:

Wenn Sie Gott eine Frage stellen könnten, wie lautete sie?

Wenn Sie etwas an Ihrem Aussehen bleibend verändern könnten: Was wäre es?

Wenn Sie einen Tag aus Ihrer Vergangenheit komplett streichen könnten: Welcher wäre es?

Wenn Sie Ihren Kindern im Leben nur eine einzige wichtige Sache vermitteln könnten: Welche wäre es?

Wenn Sie zu irgendeinem Alter in Ihrem Leben zurückkehren und von da ein anderes Leben beginnen könnten, welches Alter wäre es?

Wenn Sie eine Person nennen sollten, von der Sie sagen, dass sie wirklich ihre Bestimmung im Leben gefunden hat: Wer wäre das?

Oder – wie wäre es denn mit dieser: Wenn Sie später einmal auf die Zeit der Corona-Krise zurückblicken – welche überraschend neue Erkenntnis hatten Sie damals gemacht?

Herzlich im Suchen und Fragen verbunden
Reinhard Kleinewiese, Pastor

Montag, 27.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
„Unser“ Ostersegen bei den Menschen in Ahlen

Am weißen Sonntag waren alle Seelsorger*innen unterwegs zu den Häusern der Menschen, um ihnen „live“ den Ostersegen zu spenden, den wir ja leider in den Kirchen in diesem (Corona-)Jahr nicht verteilen konnten. Und wohl nur selten waren wir alle einhellig von einer Aktion soooo begeistert wie von dieser!

Ca. 130 Anfragen hatten wir – und überall begrüßten uns fröhlich und gespannt gestimmte Leute, es war wie ein Traum, endlich den Menschen wieder etwas näher sein zu können und nicht nur virtuell!!
Bei mir trafen sich gleich „zwei Straßen“ im Wendehammer, natürlich mit großem Abstand – wir beteten und hatten unsere „Außen-Kirche“.

Einige warteten schon im großen Hausflur eines Hochhauses, der Garten war natürlich auch ein beliebter Treffpunkt (und einige Blumen bekamen den Rest des Segenswassers – ob sie wohl besonders blühen in diesem Jahr??!), viele Kinder freuten sich, dass sie die versprochene Straßenkreide-Ostereier mitgebracht bekamen (so manches Kunstwerk konnte ich jetzt per Foto schon bewundern!)…

Am Mittwoch habe ich in der Bauernschaft noch – neben den Menschen – auch zwei Ponys und den Hausdackel segnen dürfen…

Neben den guten Gesprächen war es einfach schön zu spüren, dass wir alle durch Gott miteinander verbunden waren!

Das werden wir sicher im nächsten Jahr wiederholen – aber: wer nicht so lange warten mag, kann sich jederzeit melden, segnen ist so etwas Schönes, wir kommen sofort, na ja, in nach-Corona-Zeiten (hoffentlich bald) „fast“ sofort…

Mit ganz lieben Grüßen
Ihr und Euer Willi Stroband
 

Sonntag, 26.04.2020

Tagesimpuls | vom TATORT-Team
Kommt her!

Das ist der Titel unseres TATORT-Gottesdienstes, der für diesen Sonntagabend geplant war und leider auch wieder ausfallen muss. Der Titel „Kommt her!“ wirkt paradox in dieser Zeit, wo wir zum Zuhause-Bleiben und Abstand-Halten aufgerufen sind. Dabei sind wir überzeugt: Viele von Euch und Ihnen würden sehnlichst gerne wieder her- und zusammenkommen – und vermutlich auch zum TATORT am Sonntag-abend.
Schon verrückt: Manchmal kann man sich einander gar nicht nahe genug kommen, nicht genug vonein-ander haben; dann wieder brauchen Menschen Abstand. Geglückte Beziehungen sind oft gekenn-zeichnet von einem ausgewogenen Verhältnis von Nähe und Distanz.

Nah und dicht beieinander lässt es sich auch entdecken, wie unterschiedlich wir beide doch sind. Wie in einem Vergrößerungsglas erkenne ich deine und meine Schokoladen-, aber auch Schwachseiten. Du bist eben immer auch Du: Einzigartig, Anders, eben Du – und nicht ich. Und das ist – bekanntlich – ja auch gut so.

Andersherum erleben Menschen auf räumliche Distanz auch tiefe emotionale Nähe, erspüren erst im Fehlen des Anderen, was er oder sie mir wirklich bedeutet; wer wir füreinander sind und sein können.
Ist das mit Gott auch so? ER, der oft so ganz Ferne, zeigt er sich in meiner Sehnsucht als der Nahe? Schafft diese Distanz vielleicht gerade erst jene Freiheit, in der wir frei atmen, gestalten, lieben und antworten können; in der der Mensch Mensch und Gott Gott sein kann?

Ist das Geheimnis von Ostern nicht ein Weggehen Jesu, ein Vorausgehen, das damit ein Wiederkommen – und damit im wahrsten Sinne, ein Wieder-Sehen erst möglich macht? Jesus hat in seinem Todesgeheimnis ja nicht einfach „Tschüss“ gesagt, sondern: Er werde auf ganz neue, intime und freie Weise jedem nahe sein – im Atem des Heiligen Geistes.

Andreas Knapp schreibt: „ Ist unser Suchen nach Gott vielleicht die Weise, wie ER uns auf der Spur bleibt – und unser Hunger nach IHM das Mittel, mit dem ER unser Leben nährt? Ist unsere Sehnsucht nach Gott die Flamme SEINER Gegenwart – und unser Zweifel genau der Raum, in dem Gott an uns glaubt?“

Kommt her! – Auch wenn wir uns momentan in unseren Kirchen und an manchen ‚TATORTEN‘ nicht so wiedertreffen können, wie wir uns das wünschen (auch wir vom TATORT-TEAM), so hören wir doch schon die Musik aus dem Festsaal; die Lichter sind angezündet, Brot und Wein sind aufgetischt – und die Einladung steht!

Bis zum Wiedersehen wünschen wir alles Gute!
Euer/Ihr  TATORT-Vorbereitungsteam
 

Samstag, 25.04.2020

Tagesimpuls | vom Kirchortteam St. Josef
Mitnehmen und Lesen
Da stand doch im Kalender ein schon lange geplanter Termin: Treffen des Kirchortteams St. Josef bei Reinhard Kleinewiese Mitte April. Hmm… in Corona-Zeiten nicht möglich. Also haben wir uns per Skype getroffen und nach kleinen Startschwierigkeiten sind wir miteinander ins Gespräch gekommen. Was könnten wir tun am Kirchort St. Josef im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten?

Die Idee kam erst einen Tag später, obwohl sie schon vor längerer Zeit angedacht war: Wir installieren ein offenes Bücherregal im Paradies der St.-Josef-Kirche. Gefüllt aus dem Bestand der ehemaligen Bücherei St. Josef. Und zwar jetzt.
Jetzt, wo die Kirchen offen sind von 09.00 – 18.00 Uhr;
jetzt, wo viele Kinder Langeweile haben und sich vielleicht über ein spannendes Buch freuen;
jetzt, wo Erwachsene die Kirche auch mal in der Woche aufsuchen und Lesestoff gerne mitnehmen. 
Und das alles nicht zum Ausleihen, sondern zum Verschenken.
Ein Anruf beim Corona-Bürger-Telefon gab die nötige Sicherheit. Alles in Ordnung, wenn der Mindestabstand im Paradies eingehalten wird, wenn Desinfektionsmittel zur Verfügung steht, wenn Hinweisschilder vorhanden sind…

Das Regal war dank der tatkräftigen Unterstützung des Küsters zügig aufgebaut und vom Kirchortteam in vorschriftsmäßiger Zweier-Besetzung schnell gefüllt, mit einer kleinen Auswahl an Romanen, Kinder- und Jugendbüchern. Einige theologische Bücher aus privatem Bestand, Sachbücher und Restbestände an CDs sind auch dabei. 

Und ab heute kann es losgehen: Wir laden Sie ein, beim Besuch der St.-Josef-Kirche einen Blick in das alte neue Bücherregal zu werfen. Vielleicht ist das Passende für Sie oder Ihre Familie dabei? Bedienen Sie sich und tauchen Sie ein in die Welt der Bücher. Wir wünschen Ihnen jede Menge schöne Lesestunden! Und wenn erste Lücken im Regal entstehen:
Wir legen nach! Wir haben noch jede Menge Potential.
In Buchform und auch sonst.

Herzlicher Gruß
Euer/Ihr Kirchortteam St. Josef

Freitag, 24.04.2020

Tagesimpuls | von Birgit Ruhmöller
Lass die Sonne in dein Herz…

Blauer Himmel, Sonne pur. Es ist noch frisch heute Morgen als ich mich zu einem Spaziergang an der Langst aufmache.

Lass die Sonne in dein Herz, genau, das war der Grund.

Blankgeputzt der Himmel, kein Wölkchen zu sehen soweit das Auge reicht.
Aber, es gibt schon Leben. Einige Angler genießen die Ruhe und ein fröhliches „Guten Morgen“ durchbricht die Stille.
Die Enten schlafen am Ufer, die Vögel zwitschern vergnügt ihr Morgenlied.
Aber halt, was ist dort hinten los? Es schreit und schnattert ziemlich laut! Den Kopf gerade nach oben gestreckt – eine Gans auf der Wiese. Lautstark macht sie auf sich aufmerksam – und aus dem Gebüsch kommt die Antwort…
Langsam erwacht der Frühling. Die Bäume belauben sich in den schönsten und facettenreichsten Grüntönen – eine wahre Augenweide. Einen Moment auf der Bank sitzen – und genießen…

Einige Walker kommen vorbei. Spaziergänger wünschen einen „guten Morgen“. Ein Vater winkt mit seinem kleinen Sohn den Enten auf dem Langstteich zu. Die beiden haben sichtlich Spaß miteinander.
Wir grüßen einander freundlich mit einem Lächeln im Gesicht.
Das Geschnatter der Enten wird lauter. Sie schwimmen um die Wette – oder auch nicht…

Und immer noch blauer Himmel und Sonne pur.
Was für ein schöner Tag…

Lassen Sie die Sonne in Ihr Herz,

Birgit Ruhmöller

Donnerstag, 23.04.2020

Tagesimpulos - von Heintraud Maria Schmelting
Mit Höchstgeschwindigkeit durchs Leben!

Seit Wochen shut-down.
Corona diktiert das Tempo.
Herunterfahren, Entschleunigung, Stillstand.

Wer’s zu sagen hat sagt:
Die Menschen müssen bald wissen,
wann der Stillstand ein Ende hat.

Dabei haben wir nie stillgestanden.
Mit Höchstgeschwindigkeit waren wir unterwegs.

Mein Standort auf der Erde ist zum Schwindeligwerden:
Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um sich selbst,
am Äquator mit 1670 km/h

Sie dreht sich um die Sonne
mit 30 km/h – pro Sekunde!

Der Horizont, eine Illusion.
Auch die Sonne geht nicht auf, nicht unter.

Die Erde dreht sich,
und wir mit ihr.

Ob wir wachen oder schlafen,
wir sind Tag und Nacht unterwegs,
mit 107.000 km/h!

Daran ändert auch Corona nichts,
und Staunen geht immer!
Gott sei Dank!

Heintraud Maria Schmelting

Mittwoch, 22.04.2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
Zum Brunnen laufen

Der Dichter Antoine de Saint – Exupéry erzählt in seinem Buch „Der Kleine Prinz“ folgende Geschichte.
Ein Händler bietet  höchst wirksame, durststillende Pillen an:
„Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu  trinken.“
„Warum verkaufst du das?“, sagte der kleine Prinz.
„Das ist eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler.
„Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche.“
„Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“
„Man macht, was man will...“
„Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“; sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen...“

In dieser kleinen Geschichte geht es für mich nur vordergründig um Zeitersparnis und Zeitgewinn. Saint- Exupéry hat diese Geschichte auf dem Hintergrund einer lebensbedrohlichen Erfahrung geschrieben. Nach einem Flugzeugabsturz im Jahre 1936 suchte er in der lybischen Wüste verzweifelt nach Wasser. Im letzten Augenblick wurde er von einer Wüstenkarawane gerettet.

„Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“, lässt Saint-Exupéry den  kleinen Prinzen sagen, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen.“

Und  dieser Satz trifft. Nur auf ihn kommt es an. Alles andere schiebt den Händler mit seinen Pillen und den Folgen in die dunkle Ecke der Bedeutungs- und Sinnlosigkeit. Saint- Exupéry kennt das Gefühl des Verdurstens. Er kennt das Gefühl der Verlorenheit, der Einsamkeit, der Verzweiflung, der Aussichtslosigkeit, der Angst. Und er kennt die Freude darüber, einen Brunnen als Ziel zu haben. Er weiß von der Kostbarkeit trinken zu dürfen und aus Lebensbedrohung gerettet worden zu sein. Aus Lebensbedrohung ins Leben.                                                   

Zu welchem Brunnen würden wir laufen nach dem Ende der Durststrecke durch die Coronabedrohung?
Zu dem Brunnen der Kommunikation, zu dem Brunnen der Umarmung, zu dem Brunnen des gemeinsamen Singens, zu dem Brunnen des gemeinsamen Gottesdienstes, zu dem Brunnen des
 Miteinanders,  zu dem Brunnen der Fahrt durch die Welt, zu dem Brunnen, der uns zusammen mit anderen (wofür auch immer) jubeln  lässt?

Zu welchem Brunnen würden wir laufen?
Zu welchem Brunnen werden wir laufen?
Wir  werden....
Aus Lebensbedrohung ins Leben.

Ihre Ilse Blomberg

Dienstag, 21.04.2020

Tagesimpuls | von Angelika Aperdannier
Durch die Glaswand hindurch

Beim Umbau des alten Pfarrhauses St. Marien vor fünf Jahren dachte jeder beim Einbau der etwas sperrigen und schwerläufigen Glastür eigentlich nur an den Datenschutz. Sie soll nach Büroschluss den öffentlichen Bereich vom eigentlichen Pfarrbüro trennen, zum Beispiel bei abendlichen Sitzungen und Veranstaltungen im Kaminzimmer.

Ein Glück jetzt für die Mitarbeiterinnen, die hinter der Glaswand virengeschützt guten Sichtkontakt haben zu allen, die sich jetzt noch hinein trauen ins Pfarrbüro:
Die Küster, die hinter den Kulissen in den tagsüber geöffneten Kirchen nach wie vor aktiv sind;
die Seelsorger, die ihre Terminkalender völlig neu füllen mit kreativen Aktionen und Angeboten;
die Hausmeister, Anlagenpfleger, Reinigungskräfte, die unbeeindruckt der aktuellen Situation ihre notwendige Arbeit tun;
die Verwaltungsreferentin, die täglich nach dem Rechten sieht;
die einzelnen Besucher, die doch lieber persönlich die Spende für MISEREOR oder "Bridge of hope" abgeben oder ein dringendes Anliegen haben, das nicht telefonisch oder digital zu klären ist.

Hinter der Glaswand geschieht vieles etwas anders als vor der Coronazeit: Pfarrnachrichten per Post, Homepage mit täglicher Aktualisierung, Terminabsagen und Stornierungen, Telefon und E-Mail und Chat als verstärktes Mittel der Kommunikation, Anmeldelisten für Ostersegen oder Bücherei-Lieferservice…

Und täglich der freundliche Mitarbeiter des Briefkuriers, der weiterhin die Post abholt und weiterleitet; die Paketzusteller, die wie selbstverständlich auf eine Unterschrift verzichten und ihre Päckchen kontaktlos auf dem bereitgestellten Tisch ablegen.

Das Leben steht nicht still, es läuft nur gerade etwas anders als gewohnt. Viele entdecken neue Formen des Miteinanders und nehmen sich gerade jetzt Zeit für ein Gespräch, für ein Telefonat, für einen Brief. Und auch im Pfarrbüro sind wir da und nehmen uns gerne Zeit für Ihre Anliegen, auch durch die Glasscheibe hindurch.

Alles Gute Ihnen allen für die weitere Corona-Zeit… und die Zeit danach.

Angelika Aperdannier
 

Montag, 20.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
Einmal am Tag die ganze Stadt segnen!

Es ist 19.30 Uhr. Jetzt höre ich auch die Glocken der Bartholomäus- und der Marien-Kirche. Ich schalte den Fernseher ab – die x-te Corona-Sondersendung – und stelle mich vor ein Kreuz in meinem Wohnzimmer. Dann beginne ich mit dem Kreuzzeichen, bete ein „Vater unser“ und denke anschließend vor Gott und mit ihm an die Menschen in unserer Pfarrei und unserer Stadt: an die mit Covid-19 Infizierten und mittlerweile auch an die daran Verstorbenen, ihre Angehörigen, an alle, die Angst vor einer Erkrankung haben aber auch vor Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Ruin, an alle, für die das Zusammenleben auf engem Raum jetzt zu verschärften Konflikten führt, aber auch an die, die uns alle versorgen, an alle, die kreativ versuchen, das Beste aus dieser Zeit zu machen und jene, die sowieso ganz andere Sorgen haben – kurz an die ganze Stadt. Und dann segne ich sie alle, einmal rundherum in alle Himmelsrichtungen.

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal auf diesen Gedanken kam – vielleicht nach dem Sondersegen von Papst Franziskus noch vor Ostern, allein auf dem Petersplatz: Urbi et Orbi. Zumindest „urbi“ also! Die „urbs“ ist in diesem Fall zwar nicht Rom, die „Ewige Stadt“, sondern Ahlen (ich schreibe „urbi“ also gegen jede Verwechslungsgefahr mit einem kleinen „u“) – aber warum nicht? Einmal die ganze Stadt segnen!

Selbst in Münster ist man sich nicht so ganz sicher, ob es den Titel des Stadtdechanten noch gibt, welche historischen Wurzeln er hat und welche Funktion dem heute noch zukommen könnte. Aber das wäre doch zumindest eine sehr sinnvolle: die ganze Stadt zu segnen!

Und das Schöne daran: Das ist nicht einmal an den Stadtdechanten oder -pfarrer gebunden, eigentlich an gar kein Amt, keine Weihe. Das kann jeder getaufte Mensch: Im Namen des dreifaltigen Gottes Segen spenden.

Wenn es um 19.30 Uhr wieder läutet, können Sie ja daran denken, dass ich Sie, ja, Sie, gerade jetzt segne. Ich hoffe natürlich, Sie spüren das und es tut Ihnen gut. Sie können das aber auch selbst ausprobieren – sogar unabhängig von der Uhrzeit und der Corona-Krise, vielleicht am Morgen nach dem Aufstehen oder zum Tagesabschluss -, alle, die Ihnen lieb und wichtig sind zu segnen oder eben einfach „urbi“, die ganze Stadt.

Ihr Pfr. Dr. Ludger Kaulig

Sonntag, 19.04.2020

Tagesimpuls  | von Heintraud Maria Schmelting
„Weißer Sonntag 2020“ oder „der weiße Fleck im Glauben“

„Weißer Sonntag“ in den 90er Jahren: Pfarrer Gramatke und ich gingen nachmittags gerade zur Kirche rüber, um die Dankandacht am Erstkommuniontag zu feiern. Da kam die Mutter eines Kommunionkindes auf uns zu: „Sie müssen entschuldigen, dass wir heute morgen zur Messe nicht da waren. Wir haben es nicht geschafft, denn es kamen gerade unsere Verwandten. Sie dürfen aber sicher sein, wir haben trotzdem gut gefeiert!“ Diese kurze Begegnung hat sich tief in mir eingeprägt. Eine Erstkommunionfeier, ohne Kirchenbesuch, ohne Gottesdienst, ohne die erste hl. Kommunion – und heute denke ich: es war ein echter weißer Sonntag, ein weißer Fleck im Festkalender!

Wenn wir umgangssprachlich etwas ausdrücken wollen, das noch unbekannt, unerforscht, oder vielleicht nicht existent ist, dann sprechen Wissenschaftler auch von einem „weißen Fleck“ – z.B. auf der Landkarte, in der Medizin, im Nachrichtenwesen. Vielleicht erfährt der uns so bekannte „Weiße Sonntag“, der ursprünglich einmal seinen Namen von den Neugetauften in ihren weißen Kleidern erhalten hat, in diesem Sinn eine neue Bedeutung. Und ich sage das aus echter Betroffenheit.

Durch die Coronakrise bedingt müssen Erstkommunionfeiern in diesem Jahr auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Durch meine damalige Erfahrung bin ich mir nicht mehr sicher, ob am „Weißen Sonntag 2020“ (oder wann immer der Erstkommuniontermin geplant ist) nicht doch in manchen Familien - ohne jeden Gottesdienst - 'schön gefeiert' werden wird, so wie damals, in den 90er Jahren schon. Die Kommunion, naja, die ließe sich ja nachreichen...

So gesehen hat sich die Bedeutung des „Weißen Sonntags“ unmerklich und doch spürbar mit deutlichen Hinweisen verändert – er wurde zu einem  „weißen Fleck im Glauben“. Der ungläubige Thomas im Tagesevangelium hatte wohl auch diesen weißen Fleck. Er hätte seine Finger in die Wunde des Auferstandenen legen können. Er ließ sich anrühren, sah (ein) und glaubte.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: "Ostern" hat mir gefehlt. Ostern ist Anfrage und Zusage zugleich. Ich wünsche uns, dass wir den „weißen Fleck“ unserer Zweifel und Fragen aus-halten und ansehen. Ich wünsche uns Begegnungen, die anrühren, damit wir mitten in unserem Alltag Ostern erfahren!

Heintraud Maria Schmelting

Samstag, 18.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Günter Gramatke
Nagelprobe für unseren Osterglauben

Papst Franziskus hat am Karfreitag den traditionellen Kreuzweg auf dem nahezu menschenleeren Petersplatz gebetet. Die Texte stammten von Insassen und Mitarbeitern der Haftanstalt „Due Palazzi“ in Padua, bzw. von betroffenen Angehörigen.

Ein Häftling schreibt:
„Mir war nicht bewusst, dass das Böse in mir langsam immer mehr anwuchs. Auf einmal und wie eine Lawine entlud sich meine Erinnerung an all das Unrecht, das ich in  meinem Leben erlitten hatte, und ich beging ein Unrecht, das unermesslich größer war als alles, was mir zugefügt wurde..Ich hatte auch meine Familie in den Abgrund gebracht; durch mich verloren sie ihren Familiennamen und ihre Ehre, man nannte sie nur noch die Familie des Mörders. Ich suche nicht nach Rechtfertigungen oder Haftverkürzung, ich werde meine Strafe bis zum letzten Tag verbüßen, denn im Gefängnis habe ich Menschen gefunden, die mir mein verlorenes Vertrauen wiedergegeben haben.“

In der Betrachtung der Mutter eines Häftlings heißt es:
„Nicht einen Augenblick hatte ich die Versuchung, meinen Sohn aufgrund seiner Verurteilung im Stich zu lassen. Am Tag seiner Verhaftung änderte sich unser ganzes Leben. Es ist wie eine scharfe Klinge: die auf uns alle gerichteten Finger machen das Leid, das wir eh schon in unseren Herzen tragen, noch größer“.

Und aus der Betrachtung eines Richters:
„Zu wahrer Gerechtigkeit kommt es jedoch nur durch die Barmherzigkeit, die den Menschen nicht für immer ans Kreuz nagelt. Sie kann helfen aufzustehen, indem sie ihm beibringt, das Gute fruchtbar werden zu lassen, das trotz des Bösen, das er getan hat, in seinem Herzen nie ganz erlischt. Nur wenn er seine Menschlichkeit wiederfindet, wird der Verurteilte sie auch im anderen erkennen können, in dem Opfer, dem er Schmerz zugefügt hat.“

Warum beginne ich meinen österlichen Impuls mit solchen unter die Haut gehenden Bekenntnissen? Weil sich, wie es ein Theologe formuliert hat, im Kern des Christentums das geheimniserfüllte Geschehen von Ostern verbirgt als das große Paradox des Sieges durch eine Niederlage. Der Glaube an die Auferstehung ist eine Kraft, die sich in der Schwäche offenbart. Wir können in dieses österliche Geschehen eingehen und es mit dem eigenen Lebenslauf verbinden. Das ist die Nagelprobe für unseren Osterglauben, wie wir eigenes Leid ertragen und die Not anderer mittragen.

• Wir müssten Ostern in den Beinen haben, um aufzustehn für das Leben gegen alles, was niederdrückt.
• Wir müssten Ostern in den Händen haben, um zuzupacken, wo Hilfe gebraucht wird und verborgene Notsignale ausgesandt werden.
• Wir müssten Ostern im Herzen haben, um das Liebenswürdige im anderen zu entdecken, ohne vorschnell zu urteilen.

So verstanden sind die Lebenszeugnisse der Kreuzwegautoren auch Zeugnisse der Auferstehung voller Dynamik und Sprengkraft.
Im oben dargestellten Ausschnitt des Fensters in der St.-Elisabeth-Kirche wird das bildlich dargestellt. Es geschieht Auferstehung wie eine Explosion aus dem Nichts. Der feste Rahmen wird gesprengt, Das Licht bricht sich eigene Bahnen. Wie die Auferstehung damals geschehen ist, wissen wir nicht. Das bleibt für uns ein Geheimnis. Wir wissen nur eines: auch bei den Jüngern hat die Auferstehung Jesu den „alltäglichen Rahmen des Fassbaren“ gesprengt. Ihr Leben wurde aufgebrochen. Der Glaube an die Auferstehung brach sich seinen Weg durch die Geschichte bis heute.

Günter Gramatke, Pfr.

Freitag, 17.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Joseph Thota
"Bevor uns Corona erwischt, werden wir verhungern"

Ausgangssperre,  Abstand halten,   Isolation… Als Inder denke ich in der jetzigen  Situation in besonderer Weise an die Menschen in Indien. Für wohlhabende Menschen in den Industrieländern ist es schwer genug, die Corona-Regelungen einzuhalten. Wie schwer muss es dann erst für die Menschen in Indien sein?
Zufällig habe ich einen kleinen Artikel im Internet gefunden:

Ausgangssperre (Lock down) in Indien:
Seit dem 25. März gilt in Indien eine dreiwöchige Ausgangssperre, die die Verbreitung des neuen Coronavirus im Land verhindern soll. 1,37 Milliarden Menschen sollen, so hat es Premier Narendra Modi gesagt, "vergessen, was es heißt, vor die Tür zu gehen". Bereits nach kaum einer Woche sieht es so aus, als drohe die größte Ausgangssperre der Welt zur humanitären Katastrophe zu werden. Weder erklärte er, wie Indiens Ärmste über die Runden kommen sollen, noch ließ er seinen Bürgern die Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen.
Zwischen der Rede und dem Inkrafttreten der Ausgangssperre lagen keine vier Stunden. Reiche Inder räumten die Lebensmittelregale leer. Ärmere versuchten, die Stadt zu verlassen.
 (Spiegel)

Inzwischen hat die Indische Regierung bis zum 03. Mai die Ausgangssperre verlängert.

Wegen der Ausgangssperre haben die Menschen in meinem Dorf "Madepalli"  und unzählige Menschen in ganz Indien keine Arbeit und kein Einkommen. Die Regierung liefert diesen Menschen 5 Kilo Reis pro Familie pro Monat. Es reicht überhaupt nicht, um den Hunger der Armen zu stillen. Die Menschen im Dorf sind auch sehr ängstlich geworden. Regierung und TV berichten über das Corona-Virus, aber liefern keine Schutzmaßnahmen und Geräte. Viele arme Menschen in Indien sagen: "Bevor uns Corona erwischt, werden wir verhungern". Die Kinder unter ihnen strecken die Hände aus, als zwei Männer mit Mundschutz Essen verteilen.  In Indien wohnen manche zu zehnt in einer Hütte und haben kein fließendes Wasser, um sich die Hände zu waschen.  Für viele Menschen ist nicht das Coronavirus im Moment das Problem, sondern die Ausgangssperre ist das Problem. Aber sie haben keine andere Möglichkeit als diese ungewöhnlichen Maßnahmen auszuhalten. Sie hoffen darauf, ihr normales Leben bald zurückzubekommen.

Einige sagen in Deutschland: „Uns geht es aber hier in Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern sehr gut. Die Rahmenbedingungen passen, nur der persönliche Kontakt fehlt“. Die Menschen sind von Land zu Land und von Ort zu Ort in unterschiedliche Corona-Krisensituationen hineingeraten. Wir beten und vertrauen, dass Gott der Herr die Welt rettet.

Wenn es von Schlimm zu Schlimmer geht:
„Vertraue auf den Herrn! Sei mutig und tapfer und hoffe geduldig auf den Herrn!“  (Psalm 27,14)

Pfr. Joseph Thota

Weiterlesen: >Kirche und Welt >Indien

Donnerstag, 16.04.2020

Tagesimpuls | von Birgit Ruhmöller
Und jetzt brennt sie...
Ja, die Osterkerze brennt, ein Zeichen und Symbol für die Auferstehung Christi. „Ich bin das Licht der Welt“, so können wir es im Johannesevangelium lesen.

Jesus – ein Lichtblick – ins Licht blicken – auf Ihn blicken

Gehen Sie diesem Gedanken nach. Zünden Sie sich eine Kerze an. Und schauen Sie:
aus dem Dunkel – ins Licht
aus der Angst – ins Licht
aus der Einsamkeit – ins Licht
aus der Trauer – ins Licht
aus der Verzweiflung – ins Licht
aus der Enttäuschung – ins Licht
aus der Verlorenheit – ins Licht
aus dem Streit – ins Licht
aus dem Zweifel – ins Licht
aus der Ungeduld – ins Licht
aus dem Warten – ins Licht
aus dem Stillstand – ins Licht
aus der Enge – ins Licht
aber auch
aus der Hoffnung – ins Licht
aus dem Glauben – ins Licht

Kleine Gedankensplitter, die jeden Einzelnen von uns mehr oder weniger betreffen.
Manchmal auch mitten ins Herz. Vielleicht nicht nur jetzt!
Gerade haben wir Ostern gefeiert – wir sind mitten in der Osterwoche!

Jesus ist auferstanden, Er lebt, Halleluja! Er lebt für uns, mit uns und in uns.

Kommen Sie gut durch den Tag,

Birgit Ruhmöller

Mittwoch, 15.04.2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
Gott segne uns

Liebe Leserinnen und Leser!
Ich möchte Ihnen heute einen Segen aus dem Tagesimpuls der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart weitergeben. Formuliert hat ihn die Pastoralreferentin Beatrice Dörner.
Er möge uns in dieser Zeit antreffen und finden.
 
Gott segne uns
 
Gott segne uns,
wenn wir nicht weiter wissen und Angst haben.
Er segne uns mit ruhigen Gedanken.

Gott segne uns,
wenn wir mit der Faust auf den Tisch schlagen wollen.
Gott segne uns mit Ruhe und Kraft.

Gott segne uns,.
wenn uns die Stille bedrückt.
Er segne uns mit inspirierenden Gedanken.

Gott segne uns,
wenn wir uns auf das Hier und Jetzt einlassen.
Gott segne uns mit Leben und Güte.
 
Seien Sie gesegnet.

Dienstag, 14.04.2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
Predigt aus der Osternacht, 11.04.2020 Livestream St.-Ludgeri-Kirche

Drei Frauen gehen in aller Frühe zum Grab.
Sie tragen wohlriechende Öle bei sich. Sie wollen den Leichnam nach altem Brauch einbalsamieren.
Und ich frage mich: Ja, wissen die denn nicht, dass da der Stein vor dem Grab ist? Wie bekommen sie den denn weg? Einfach zur Seite rollen ist nicht, sagt meine Vorstellung. Die sind doch verrückt!
Aber, Gott sei Dank: Er ist schon weggerollt.

In der Vorbereitung auf die Feier der Osternacht dachte ich an dieser Stelle:
Das ist das Potential der Krise: Plötzlich geht´s!
Ganze Betriebe stellen ihre Produktion um: anstatt Textilien Mundschutz, neben Autos auch Beatmungsgeräte, anstatt Schnaps Desinfektionsmittel.
Unserm Kleinen wurden die Schuhe zu klein: Im Geschäft angerufen, Fotos per WhatsApp bekommen, anhand der Bilder Schuhe ausgesucht, Schuhübergabe auf einem Hocker vor dem Geschäft, Geld später überwiesen. Plötzlich geht das!
Dann die aufblühenden Nachbarschaftshilfen und Freundschaftsdienste: Einkaufen gehen, telefonieren, eben nach dem Rechten hören, Enkel, die ihren Großeltern Smartphones und Tablets einrichten, vor die Tür legen und dann telefonisch einweisen. Die Sehnsucht macht´s möglich!
Auch ein Stammtisch geht per Video. Dauert auch genauso lange – zumindest in meinem Fall.
Bei uns zu Hause wird deutlich mehr mit den Kindern gebastelt und gesungen. Wir machen nun einen Morgenkreis wie im Kindergarten, für den Waldspaziergang hat meine Frau ein Waldbingo aus einem Eierkarton gebastelt. Das alte „dafür bleibt wenig Zeit“ ist tot. Kreativität auf dieser Ebene ist bei uns auferstanden.
Die vielen Beispiele, wo pragmatisch geholfen wird: Ich las von einer Pizzabäckerin, die kostenlos Pizzen für Obdachlose ausgibt. Und daneben die vielen kleinen Dinge, die selbstverständlich, fast schon im Verborgenen geschehen. Das ist eine sehr schöne, schillernde Beschreibung der momentanen Situation.

Ich will nicht hinwegtäuschen über die Dinge, die nicht mehr sind und teilweise ganz gestorben sind und nicht wiederkommen:
• zu allererst die Menschen, die in Folge der Viruserkrankung gestorben sind.
• Menschen, die bereits jetzt ihren Arbeitsplatz verloren haben
• Unternehmer, Freiberufler und Selbständige, die bereits jetzt pleite sind.
Ich will nicht hinwegtäuschen über die Schwere dieser Zeit:
• Die Einsamkeit, keine Berührungen, kein Lachen im gleichen Raum, kein simples: „Kann ich dir was anbieten?“ und dem Gegenüber einfach etwas eingießen.
• Kontaktverbot. Wie irre das ist für uns Menschen, die aus Gemeinschaft und Berührungen Kraft und Zufriedenheit schöpfen. Und doch ist ein Kontaktverbot das Gebot der Stunde.
Ich will nicht hinwegtäuschen über die Herausforderungen:
• Wie versorge ich mich, wenn ich zur so genannten „Hochrisikogruppe“ gehöre? Soll ich überhaupt noch an die Luft?
• Wie organisiere ich Arbeit und Familie, jetzt wo alle Unterstützungssysteme wie Schulen, Kitas, Verwandtschaft und Freunde wegfallen?

Wie schnell und auch verständlich wir doch ins Negative, ins Dunkel rutschen.

Haben Sie noch die Aufbrüche und kreativen Ansätze im Kopf, die ich gerade beschrieben habe?

Gut, dass heute Ostern ist.
Gut, dass neben den Tod das Leben gesetzt wird.
Gut, dass diese Kerze leuchtet.
Gut, dass es Geschichten von Gott und den Menschen gibt, die Licht ins Dunkel bringen.
Gut, dass der Stein vor dem Grab der Finsternis zur Seite gerollt ist.

Ich wünsche Ihnen, uns, der ganzen Gesellschaft, dass uns die Krise neben allem Dunklen, Schweren und allen Abbrüchen auch Aufbrüche schenkt, die das Dunkle nicht zur Seite schiebt, aber einen Hoffnungsschimmer schenkt. Ein bisschen wie der Schein am Feuer, der vorne Wärme schenkt, aber doch nicht die Kälte im Rücken vertreibt.

Und vielleicht hören wir bald Geschichten am Feuer, die von kleinen Aufbrüchen berichten, von Wegen, die sich mitten in der Krise auftaten und die uns geholfen haben, wieder ans Licht zu kommen.

Fürchtet euch nicht! Halleluja!

Ralf Peters

Ostermontag, 13.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Willi Stroband
...und dann machten sie ein Picknick.
Heute, am Ostermontag, wird in allen christlichen Kirchen die Emmausgeschichte verlesen, in diesem Jahr leider meist ohne Mitfeiernde...für viele Christen ist diese Geschichte von den beiden Jüngern, die am Ostermorgen traurig gen Emmaus ziehen und die dann von Jesus begleitet werden, ohne dass sie ihn zu Anfang erkennen, eine der schönsten der ganzen Bibel. Auch viele Brautpaare suchen sich für ihre Hochzeit genau diese Stelle aus, in der Hoffnung, genauso wie die beiden Freunde für alle Zeiten gemeinsam durch's Leben zu gehen, mit Jesus an ihrer Seite.
Aber... was wäre, wenn sich dieses Ereignis heute, Ostern 2020, zutragen würde? Bei den Anordnungen zum "social distancing" dürften sie sich zu dritt gar nicht öffentlich zeigen, nur zu schnell kämen Ordnungshüter und würden diese "Versammlung" auflösen - und Jesus müsste 200 Euro Strafe zahlen...auch das gemeinsame Mahl in der Herberge wäre gar nicht machbar, denn sie wäre geschlossen! Tja, kein Emmaus möglich in diesen an sich schon schwierigen Zeiten? Kein österlicher Trost, der in die Zukunft weist? Na, nur gut, dass man diese Geschichte noch ein klein bisschen anders lesen kann...
Vielleicht waren die beiden Jungs unterwegs, unterhielten sich über das, was sie in den letzten 2-3 Jahren mit Jesus alles erlebt hatten, wie sie immer wieder staunten - wie er ihr Leben verändert hatte...voller Begeisterung fiel ihnen immer mehr ein...und dann...und dann, tatsächlich, spürten sie ihn in ihrem Herzen, er war bei ihnen, so nah, wie nie zuvor... und sie erinnerten sich genau an dieses Versprechen: " Wenn 2 oder 3 versammelt sind, und Ihr an mich denkt, dann bin ich mitten unter Euch, habt keine Angst, so wird es sein..." Und so war es... ich kann die Luftsprünge richtig sehen, die sie veranstaltet haben, als sie es erkannten.. und dann machten sie ein Picknick, nur sie beide, draußen, unterwegs, und sie waren nicht allein, als sie das Brot brachen... denn ER war bei ihnen....für alle Zeiten, ihr Leben lang!

Emmaus, in Zeiten von Corona, für Jesus ja so was von kein Problem...und für uns, für Euch alle auch nicht...
Ein frohes und gesegnetes Osterfest....

Euer Willi Stroband

Karsamstag und Ostersonntag, 11./12.04.2020

Tagesimpuls und Ostergruß | von Pfr. Dr. Ludger Kaulig
„Christus ist die Mitte unseres Tuns.“
Manche können das mit Entschiedenheit so sagen, ja, sogar mit Begeisterung. Andere würden den Punkt gerne durch ein Fragezeichen ersetzen. Wieder andere ahnen, dass solch ein schlichter Satz zu gefährlichen Untiefen neigt, leicht dahingesagt zur leeren Chiffre werden kann. Was heißt schon „Mitte“? Es ist eine räumliche Metapher, die sozusagen in der Geographie unseres Lebens eine Entsprechung sucht. Reale Räume, die das darzustellen versuchen, können dabei helfen: unsere Kirchen.

Schon am ersten Fastensonntag fügten wir in den Zyklus unseres Fastenbildes ein Foto aus der St.-Ludgeri-Kirche ein. Es zeigt das Taufbecken. In keiner anderen unserer Kirchen ist es so zentral platziert. Und tatsächlich: Man könnte sagen, es ist der Nabel unserer Welt, erinnert so an die Leben sichernde Verbindung im Mutterleib. Unsere Tradition verwendet hier auch das Bild vom Mutterschoß, aus dem wir zu neuem Leben geboren werden. Das setzt zwangsläufig einen Tod voraus; das Taufbecken ist auch Bild jenes Grabes, das sich im österlichen Geschehen von der Sackgasse zum Durchgang wandelt.

Mit schwindelerregender Leichtigkeit feiern wir meist die Taufe, erfassen in der Freude am neuen Leben kaum das Drama dieses Durchgangs, wischen vielleicht etwas zu eilig den Tod beiseite. Speziell die Osternacht gibt uns jeweils eine neue Gelegenheit, das mit Bedacht noch einmal zu betrachten, dem in der Tauferneuerung zuzustimmen.

In der mehr als sonst eigenartigen Osterfeier dieses Jahres werden nicht nur manche Elemente fehlen und vor allem Sie. Rundherum ist so viel von unserem Leben erstarrt, eingefroren, wie tot, dass uns fast nichts anderes übrig bleibt als, aus der Zerstreuung, von den bunten Rändern unserer Welt, einzukehren in unsere Mitte. Mag sein, dass diesmal die Erinnerung an die Taufe mehr denn je als Eintauchen in den Tod erfahrbar wird, dass sich das österliche Drama mischt mit den düsteren Farben der Angst um Gesundheit und Arbeit, um uns und um die, die uns nahestehen. Wir brauchen diesmal vielleicht weniger als sonst die Hilfe der alten Bilder von der Sintflut und dem Durchzug durch das Rote Meer, um die Bedrängnis greifbar zu machen.

Der Taufritus verzichtet – wohl aus praktischen Gründen – auf das Eintauchen und beschränkt sich längst auf sanftes Übergießen, die Tauferneuerung gar auf das Besprengen mit ein paar Wassertropfen. Wir verlieren so das Bild des Aufatmens, Nach-Luft-Schnappens beim Auftauchen, ein starkes Bild des neuen Lebens.

Ich hoffe aber, dass Sie gerade in der (Grabes-)Stille dieser Tage andere Zeichen dieses neuen Lebens entdecken, Keimlinge in der Mitte, die uns geblieben ist, bei uns selbst, in Ihren Familien, in unseren Kirchen, in Momenten einer beredten Stille, in einem Buch, das Ihnen in die Hände fiel, im Silberstreif einer Nachricht, die Hoffnung macht, in einer Erinnerung, die sich aufdrängt oder aufleuchtet, einer Hoffnung, einem Wunsch…

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen da Christus begegnet unter der Gestalt in den Zeichen dieser Welt, in die er sich hineingegeben hat und die er durchwirkt wie ein Impfstoff mit seinem Tod und seiner Auferstehung, dass wir erfahren, erkennen, benennen und bejubeln können: Wir sind längst immun gegen den Tod! Dieses Leben, Gottes Leben kann uns niemand nehmen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – auch im Namen des ganzen Seelsorgeteams – ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Pfr. Dr. Ludger Kaulig

Karfreitag, 10.04.2020

Tagesimpuls | von Heintraud Maria Schmelting
Weglaufen geht nicht!

Karfreitag ist nichts für schwache Nerven. Keine Glocken, keine Orgel, kein Schmuck, wenig Besucher. Viel Stille, viel Zuhören, viel Andacht, erhabene Feierlichkeit. Das ist Karfreitag, solange wie ich denken kann. Karfreitag ist nichts für alle. Karfreitag hält nicht jeder, nicht jede aus. Die Leidensgeschichte Jesu, ein sachlicher Bericht, ist emotional kaum auszuhalten. Und im Zuhören laufen Leidensbilder unserer Zeit mit – von Menschen, die gefoltert, verhöhnt, verraten, betrogen und beschämt werden.

Das ist der erste Teil der langen Liturgie – und folgerichtig schließt sich das, was zum Himmel schreit an: die vielen Bitten und Fürbitten. Und auch hier möchte ich mit Martin Buber sagen: „Von der Not eines Menschen bleibt eine Spur in meinem Herzen zurück. Gott, lies, was drin geschrieben steht!“

Karfreitagsmenschen suchen Trost. Die Trauer um fehlende Nähe hat sie vereinzelt. Die Liturgie führt uns zurück zu dem, den man aufs Kreuz legte und für seine Barmherzigkeit festnagelte: „Kreuzverehrung“ nennen wir diesen Teil. Ein Beziehungsangebot unseres Gottes, möchte ich diesen Teil nennen. Und mit dieser unausgesprochenen Frage werden wir entlassen – ohne Orgel, mit Schweigen in der Luft.

Karfreitag 2020. Draußen prägt ein Virus schon lange eine Karfreitagsatmosphäre – jetzt, für einen Tag deckungsgleich. Es gibt Tage, die sind kaum auszuhalten, sie wollen nur eins: gelebt werden! Das letzte Wort hat auch hier das Leben! Warten wir´s ab!

Heintraud Maria Schmelting

Gründonnerstag, 09.04.2020

Tagesimpuls | Pfr. Günter Gramatke
Sich mit allen Sinnen dem Hoffnungsfrohen öffnen
Es sollen keine romantisierende, die harte Wirklichkeit verklärende Gedanken sein, die ich hier während der weltweiten Coronakrise niederschreibe, sondern eher Erfahrungen, die mich mit vielen anderen verbinden. Kurze Wortwechsel in Haus und Nachbarschaft, selbstverständliche Angebote zu helfen, der Austausch von E-Mails und Telefongesprächen machen deutlich: über alle körperliche Distanz hinweg ist soziale, innere Nähe möglich. Und wir stehen nicht allein mit unseren zwiespältigen Gefühlen, mit unseren Ängsten und Zukunftssorgen in dieser so noch nie erlebten Zeit einer sich rasant über den ganzen Erdkreis ausbreitenden Pandemie.

Ist es nicht völlig paradox, was wir augenblicklich erleben? Einerseits konnten wir tagelang herrliche Sonnentage genießen und uns an dem zarten Grün an Hecken und Bäumen und an den ersten Frühlingsblumen erfreuen. Andererseits macht es uns beklommen, wenn wir in den Medien den Verlauf der Krise verfolgen, wenn es heißt, dass auch wir den Höhepunkt noch längst nicht erreicht haben, wenn wir erfahren, wie rapide in manchen Ländern täglich die Zahl der Todesfälle steigt. Es sind unheimlich Bilder, die uns bis in die Nacht hinein verfolgen können.

Was kann uns in solcher Zeit Halt geben, was unser Vertrauen stärken? Mir fällt ein Wort des Jesuitenpaters Alfred Delp ein: „Gott umarmt uns mit der Wirklichkeit.“ Er trug es in sein Tagebuch ein, als er während des Nationalsozialismus im Gefängnis saß und mit seinem Todesurteil rechnen musste. Alfred Delp hielt auch in äußerster Not an seiner Überzeugung fest, dass Gott uns in allem, was uns täglich begegnet, nahe sein will, sei es Freudiges oder Leidvolles. Deshalb schlage ich als Impuls für den heutigen Tag vor:

• sich trotz aller Fragen und Ungewissheiten mit der Wirklichkeit arrangieren, so wie sie ist.
• Sich mit allen Sinnen dem Lichtvollen, Erwärmenden und Hoffnungsfrohen öffnen.
• Gleichsam in den „Falten des Alltäglichen“ das Liebenswerte finden.

Ja, die Hoffnung ist eine Kraft, welche die Wirklichkeit nicht schönredet, sondern uns hilft, auch dunkle Wegstrecken zu überwinden und schwere Schicksalsschläge auszuhalten. Möge diese Hoffnung in uns siegen! Bleiben Sie gesund!

Günter Gramatke, Pfr.
 

Mittwoch, 08.04.2020

Tagesimpuls | Pfr. Joseph Thota
Langer Karsamstag

Derzeit bin ich fassungslos. Es ist unfassbar, wie der Schatten der Corona-Krise über der ganzen Welt liegt, wie schnell das Leben sich verändert hat und wie ein unsichtbarer Feind die Menschen überall in Angst und Sorge geraten lässt.

Die Mission der Kirche ist es, Gemeinschaft aufzubauen. Aber jetzt  kann diese Missio nicht erfüllt werden. In dieser Krise bittet die Kirche die Gläubige, Abstand zu halten und in Isolation zu bleiben.  
Papst Franziskus sagt: „Die Kirche in dieser Corona-Krise ist wie eine mobile Krankenstation. Kirche soll für menschliche Zerbrochenheit und für das Verwundete dasein. Im Moment brauchen die Menschen die heilende Berührung der Mutterkirche“. Kirche soll sich öffnen nach außen.

Die Orte der Gottesgemeinschaft sind still. Der Vatikan bleibt geschlossen. In vielen Ländern wird das Sakrament der Eucharistie nicht gefeiert. Was Kriege und Verfolgungen in der Kirchengeschichte nicht geschafft haben, das hat das unsichtbare Virus mühelos geschafft. Das ist sehr schmerzhaft für viele Gläubige. So finden zum Beispiel meine Mutter in Indien und auch viele Gläubige in Ahlen es wirklich sehr schwer auf die Eucharistie und den Gottesdienst zu verzichten. Ich empfinde diese Situation auch für mich persönlich schwer, aber ich bin froh, dass es noch die Möglichkeit gibt, die Eucharistiefeier zumindest online zu verfolgen.

Heute erleben alle Gläubige einen „langen Karsamstag“. Die Kirche verzichtet am Karsamstag auf der Feier der Eucharistie und sie meditiert über die Passion mit voller Hoffnung auf der Auferstehung. Sie glaubt und sie ist sicher, dass der Karsamstag  mit einem siegreichen Osterfest beendet wird.
Ein Sprichwort: Alle langen dunklen Nächte enden mit der Morgendämmerung. Das Böse hat ein Ablaufdatum. Ich hoffe und schaue auf das Ablaufdatum der Corona-Krise. Ich warte auf den Tag, an dem das normale Leben wieder beginnen kann.  Die Auferstehung des Herrn gibt mir diesen Mut, voller Hoffnung nach vorne auf das neue Leben zu schauen.

Wenn es von Schlimm zu Schlimmer geht
„Vertraue auf den Herrn! Sei mutig und tapfer und hoffe geduldig auf den Herrn!“
(Psalm 27,14)

Pfr. Joseph Thota

Dienstag, 07.04.2020

Tagesimpuls | von Lothar Weichel
Licht am Ende des Tunnels
Langsam aber sicher reicht es mir mit den Absagen und dem andauernden Absagen-müssen. Ich will sie nicht mehr, sie ziehen nach „unten“. Abgesagt wurden und werden Familienfeiern, Verwandtenbesuche, die Treffen mit den so wichtigen Freunden, Geburtstagsfeiern, Konzert- und Theaterbesuche, Chorproben, Reisen (u. a. Irland), Taufen, Erstkommunionfeiern, Hochzeiten, die Bundesliga…

Jetzt und sofort möchte ich wieder „zusagen“, also ich will „ZUSAGEN“. Diese Zusagen helfen uns zu leben, geben uns das „Leben“, reichern unser Leben mit Leben an:
Sonne und Frühling sind zugesagt; tragfähige Beziehungen und Liebe sind fest zugesagt; Zuwendung und Zuneigung sind zuzusagen; Musik und Lesen sagen uns zu; Wertschätzung und Vertrauen sind zuzusagen; Gebete und Gespräche tragen Zusagen…

Und nun: Ostern und die Auferstehung Jesu feiern – jetzt erst recht! Vielleicht in neuen Formen. Denn wir feiern die größte ZUSAGE Gottes, der ja der größte Liebhaber des Lebens ist (und daran glaube ich noch immer). Seine ZUSAGE: „Du wirst leben! Meine Liebe zu euch und eure Liebe zueinander lässt sich niemals begraben! Das Licht am Ende des Tunnels bin ich!“

Oder balltechnisch formuliert: Ostern ist der Traumpass Gottes in den freien Raum der Liebe.

Ihr Lothar Weichel

 

Montag, 06.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Georg Aßmann
Vernetzt und verbunden
Immer wieder begegnet mir, nicht erst in diesen Tagen, das Wort „Netzwerk“. Vernetzt sollte ich sein! Gerade wenn ein Virus wie Corona mich zwingt, zu Hause zu bleiben, ist ein Netzwerk gut und hilfreich: ich kann telefonieren mit gut vernetzten Freunden, kann Hilfen anbieten oder empfangen. Ich kann mir in vielen Netzwerken einen Rat suchen…. Und sollte das weltweite Netz (worldwide network) einmal ausfallen, gestört sein, Google einmal nicht erreichbar, oder die Seite zum Beantragen finanzieller Staatshilfe wegen Überlastung unerreichbar, dann spüren viele die Wichtigkeit des Netzes.

Vernetzt – mir fällt dabei eine alte, auch bekannte Geschichte von einer Spinne ein, die an einem schönen Morgen vom hohen Baum am feinen Faden herabglitt. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, dass sie im Laufe des Tages immer großartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing. Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab, um es auszubessern. Da entdeckte sie einen Faden, der ihr schönes Netz störte, weil er nicht in das Muster hineinpasste. Außerdem schien er vollkommen sinnlos zu sein: Er lief gerade in die Höhe und sie konnte nicht erkennen, wo er eigentlich endete. Kein einziges Insekt hatte sich daran gefangen. Verärgert biss sie ihn durch, - und lag im Staub, eine Gefangene im eigenen Netz. Denn sie kappte so den Faden, an dem sie herabgestiegen war und der das Netz über den Boden hielt.

Vernetzt und verletzt – klingen ähnlich. Ein Buchstabe Unterschied nur.
Ich sollte meine Vernetzung, meine Fäden in den Blick nehmen. Auch den seidenen Faden ansehen, pflegen, der nach oben führt, nicht ins Muster passt und manchmal sogar ohne Sinn erscheint, da er keinen messbaren Ertrag erzielt. Und vielleicht trägt mich in einer Verletzung besonders diese Vernetzung nach oben.
Ich wünsche allen und mir ein solchen (gepflegten) „seidenen Faden“.

Ihr Georg Aßmann

Sonntag, 05.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Gotteslob am Sonntag

„Ach, diese Tage“, klagt der ältere Mann am Telefon, „was soll ich denn tun? Die Kinder und Enkel dürfen mich nicht besuchen; die noch verbliebenen Freunde darf ich nicht treffen. Mal in den Garten gehen und etwas Frühling pflanzen; sich mal auf eine Bank in die Sonne setzen, mal in die Stadt gehen – ja, aber sonst…Die Tage sind irgendwie grau, obwohl der Himmel so schön blau und weiß leuchtet. Und jeder Tag gleicht dem nächsten. Ein Corona-Einerlei. Was mach ich nur in dieser Zeit mit jedem einzelnen Tag?“

Ein paar kleine Nachfragen von mir, dann erzählt er gerne. Wir erinnern uns (plötzlich!?) wieder an besondere Lebenszeiten, fühlbar dichte Erlebnisse von kleinem und großem Glück; Bilder aus Urlaubszeiten in den Bergen, von Gipfelerlebnissen und schmerzenden Waden; vom Entdecken eines Edelweiß und vom Trinken aus einem quellfrischen Bach – nach anstrengender Wanderung fast noch köstlicher als ein kühles Bier. Musik hat er selbst gemacht auf seinem geliebten Keyboard – und manche gute Stimmung für die Freunde und Freundinnen gezaubert… Ach ja, das ist schon lange her…
„Wo ist denn Ihr Keyboard jetzt?“ – Die Frage überrascht ihn. Und im Nachgrübeln wird er immer sicherer: Er wird es finden – und hervorholen. Und aufstellen – und wenn es gelingt, dem guten alten Ding auf seine guten alten Tage auch wieder ein paar Töne entlocken; eine Melodie vielleicht – hoffentlich: Das wäre toll!

Ich spüre, wie Energie durch seinen Körper strömt, seine Stimme wird heller und klarer.
„Und wenn es klappt, dann spiele ich – für mich und die guten alten Freunde. Und, weil heute ja Sonntag ist, ein Gotteslob, ein Loblied für den Schöpfer dieses Tages.“

Sieh diesen Tag!
Denn er ist Leben, ja das Leben selbst.
In seinem kurzen Lauf liegt alle Wahrheit, alles Wesen Deines Seins:
Die Seligkeit zu wachsen, die Freude zu handeln, die Pracht der Schönheit.
Denn gestern ist nur noch ein Traum - und morgen ist nur ein Bild der Phantasie.
Doch heute, richtig gelebt, verwandelt jedes Gestern in einen glückseligen
Traum und jedes Morgen in ein Bild der Hoffnung.
So sieh denn diesen Tag genau!

(Kalidasa, indischer Dramatiker)

Herzlich grüße ich Sie an diesem Sonntag
Reinhard Kleinewiese, Pastor

Samstag, 04.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Variation zu Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte.
Er führt mich in das Geheimnis, das wir Leben nennen.
Er lässt mich dabei nicht allein.
Er führt mich so, dass der Weg unter meinen Füssen wächst.
Er macht seinem Namen alle Ehre: Vorsichtig und sorgsam, kundig und klug ist seine Führung.
Er überlässt nichts dem Zufall, aber alles der Fügung.
So fügt sich eins zum anderen, Schritt um Schritt.
Schatten wechselt mit Licht, Wüste mit Garten,
er aber bleibt immer derselbe, ganz Er;
darum fürchte ich nichts und niemand.
Der Hirte meines Lebens bleibt bei mir,
er hütet mein Leben, er schützt es, weil er es schätzt:
Darum bin ich -
und werde: Tag um Tag.
Wie Zeichen sind mir die kleinen großartigen Wunder,
die er mit mir am Wegesrand entdeckt.
Ich schaue die Welt mit neuen Augen:
Ein Tisch ist mir gedeckt, überreich,
in rot und dunkelblau,
hoffnungsgrün und schmetterlingsleicht;
das Gold der Ähren leuchtet im warmen Brot,
im Blut des neuen Bundes spiegelt sich der Himmel.
Sprachlos werden meine Feinde vor Neid erblassen,
denn maßlos mutig ist deine Liebe, du guter Hirte.
Auch meine Wunden darf ich dir zeigen,
wie königlich salbst du mich mit jedem Wort.
Darum traue ich dir über den Weg,
vertrau mich dir an,
traue dir alles zu:
Sogar, dass Du mein Leben über den Tod hinaushebst
in eine Fülle,
von der ich jetzt
nur träumen kann.

Pfr. Reinhard Kleinewiese

Freitag, 03.04.2020

Tagesimpuls | von Ralf Peters
Steh auf!
Es ist schon eine verrückte Zeit gerade. Die einen sind zu Hause, weil sie nicht arbeiten dürfen, weil sie die Kinder betreuen, weil Kurzarbeit angesetzt ist, weil sie „im Homeoffice“ sind.
Andere arbeiten mehr als sonst und weit darüber hinaus, weil sie in „systemrelevanten“ Bereichen arbeiten: im Gesundheitswesen, im Lebensmittelsektor, bei Banken, im Onlinehandel, sind zuständig für die öffentliche Ordnung und vieles andere.

Bei denen, die Zuhause sein müssen, wird vermehrt gerödelt und ausgemistet. Kleidercontainer sind voller als sonst, sagte mir jemand. Wofür sonst keine Zeit bleibt, das wird jetzt angepackt. Das Rödeln sorgt bestimmt auch für den nötigen Ausgleich, wenn alle zwangsweise beieinander sind. Und bei denen, die weiter arbeiten müssen, schwingt neben der Arbeit bestimmt auch die Angst vor Ansteckung mit. Im Ganzen scheint das Leben gerade sehr distanziert, von Vorsicht geprägt.

Das macht so langsam etwas mit mir. Ich fühle mich mehr und mehr zerrissen. Da zieht so viel an mir: die Arbeit, die recht kleinen Kinder, keine Betreuung in der Kita und bei der Tagesmutter, die Großeltern sind nicht verfügbar, keine sozialen Kontakte, keine üblichen Berührungen bei Begrüßungen, das Augenmerk auf Distanz. Zuhause könnte ich auch noch viel tun. So richtig kann ich mir selbst nicht erlauben, das eine zu tun und das andere zu lassen. Was ist jetzt gerade richtig?

Ich plädiere für ein wenig mehr Gelassenheit – vielleicht auch, weil mir selber das gerade schwerfällt. Vielleicht bin ich auch neidisch auf die, die – vermeintlich - nicht so viel Grübeln wie ich. Die den häuslichen Handwerkermodus oder ähnliches einschalten (können) und sich darin frei und glücklich fühlen. Oder diejenigen, die viel lesen, mit Hingabe nähen, sich einfach Zeit nehmen mit den Kindern zu basteln, zu singen und zu spielen.

Wenn das (öffentliche) Leben wieder hochgefahren wird, geht es weiter. Wie genau, mit welchen Veränderungen, wissen wir nicht. Aber weiter geht es. Egal, wie ausführlich ich jetzt gerade grüble und nachdenke.
Und dann kommen mir die Dinge in den Sinn, die schön sind:

Die Fotoaktion in der St.-Ludgeri-Kirche (Bild sieh oben): Die vielen Menschen, die mir nicht nur Bilder schicken, sondern auch die ein oder andere Zeile dazu schreiben. Manchmal hänge ich dann nicht nur einfach Bilder in die Kirche, sondern Geschichten. Radfahren mit meinem vierjährigen Sohn: (Fast) jeden Tag drehen wir eine Runde mit dem Fahrrad. Ich bin „Doc“, er ist „Lightning“ und wir fahren ein Rennen nach dem anderen, wie im Film „Cars“. Familien mit kleinen Kindern wissen, wovon ich spreche…Der Garten: Der Rasen ist gedüngt, die Kanten geschnitten, Beete und Fugen sind unkrautfrei. Die Kinder helfen mit oder klettern oder schaukeln.

Das Schwere, das Grübeln auf der einen Seite, die schönen Dinge auf der anderen. So ist diese Zeit gerade. Aber ist es nicht immer so? Ich grüble schon wieder…
„Steh auf, nimm deine Liege und geh!“ sagte Jesus zu einem Kranken (Joh 5,8). Vielleicht sagt er das auch gerade zu mir – und zu Ihnen.

Ralf Peters

Donnerstag, 02.04.2020

Tagesimpuls | von Heintraud Maria Schmelting
Wenn Ostern unsichtbar zu werden scheint...
Bild: Peter Weidemann | In: Pfarrbriefservice.de

Mittwoch, 01.04.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
Kein Aprilscherz
Nach einem Aprilscherz ist mir wahrlich nicht zumute. Manchmal aber möchte ich mir die Augen reiben und denken: Vielleicht ist das Alles nur ein böser Alptraum, eine schlechte Science-Fiction Episode, eine üble Laune der Natur. Aber dieser Virus setzt nicht nur in mir Gedanken frei, die überraschen und überrumpeln… und Fragen meines Glaubens anstoßen.                                        

Wenn Alfred Delp schreibt: ‚Die Welt ist Gottes so voll‘ - und ich mag ihm in „guten Zeiten“ gerne folgen – dann frage ich mich: Ist die Welt jetzt vielleicht Gottes so leer? Wird mit dieser massiven Form einer weltweiten Corona-Bedrohung nicht auch die Frage nach Gott; mein Verhältnis zu Gott und Gottes Verhältnis zu mir und dieser Erde neu gestellt werden (müssen)?

Wo und wie ist ein Gott, der seine Schöpfung und seine Geschöpfe liebt? Wie zeigt sich dies? Zeigt sich Gott denn? Er, der das große Geheimnis ist und bleibt, nah und zugleich immer unverfügbar; kein Gott für meine Privatschatulle, die ich öffne, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Aber wie dann?                                                         

Und dann das Gebet? Hilft es denn nicht? Und wenn doch, wie? Dämpft es eher meine innere Angst als dass ich wirklich glaube, dass da oder dort ein Gott ist, der mich hört und der mit dieser Welt etwas ‚zu tun haben will‘?  Meinen unsere Gebete etwa, wir müssten Gott durch unser Beten und Bitten erst einmal „in Kenntnis“ setzen über das Elend und die Angst in und um uns? – Die Krise um uns kann auch zur Glaubenskrise in uns werden. Oder – entlarvt sie nur, was schon längst unterhalb der Oberfläche so alles gedacht, aber schon lange nicht mehr geglaubt wird? – Eine echte Prüfungszeit.

Noch einmal Pater Alfred Delp in einem seiner letzten Briefe aus dem Gefängnis, drei Monate vor seiner Hinrichtung am 2. 2.1945 in der JVA Plötzensee, Berlin:
„Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen, und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und für das Elend.“

Das schreibt einer, der vertrauend und ringend mit Gott schon lange unterwegs ist. Und ich frage mich gerade, wo ich am 1.4.2020 stehe…Und Sie?
Herzlich
Ihr Reinhard Kleinewiese

Dienstag, 31.03.2020

Tagesimpuls | von Pfr. Reinhard Kleinewiese
„Kreativ in der Krise“ - wo das öffentliche Leben größtenteils stillsteht und sich das berufliche und private Leben tief verändert, verbreiten sich offenbar nicht nur Angst und Resignation in Deutschland. Ich höre und erlebe mitten im Frühlingswetter aufkeimende Ideen: Wandern, Spazierengehen, Joggen ist angesagt; ich sehe Kinder, die auf dem Bürgersteig malen; alte Spiele für Drinnen und Draußen erleben eine ungeahnte Renaissance; basteln, falten, kneten – real und virtuell. Menschen werden kreativ, helfen einander, lernen ein Musikinstrument oder eine Fremdsprache, streamen, lesen, telefonieren (das geht mit dem Smartphone!) und schreiben Briefe.  Super finde ich das! –

Zugleich ist mir klar: Das ist nur eine Seite einer Medaille, deren andere Seite Angst und Sorge in ungewissem Zeitrahmen ist. –

Kreativ werden auch Kirchengemeinden; auf einmal geht Vieles auch digital, über die Homepage, übertragen auch wir Gottesdienste live in die Wohnzimmer und Küchen…
Ob auch der persönliche Glaube der Menschen einen Kreativitätsschub erhält? Jetzt, wo wir nicht mehr zusammen feiern und beten können – fällt das Gebet bei Ihnen aus? Finden Sie neue, alte, kreative Formen des Betens? Könnte Ihr Einkaufs- oder Spazierweg in eine unserer tagsüber jetzt geöffneten Kirchen führen? Singen Sie mitten in der Schönheit der Schöpfung? Entdecken Sie ein Kreuz neu in Ahlen oder in der Umgebung – und fällt Ihnen ein Gebet ein für die Flüchtlinge an der griechisch-türkischen Grenze?

Manchmal ist mehr ‚drin‘ als wir dachten. Nicht wahr?

Ihr Reinhard Kleinewiese
 

Montag, 30.03.2020

Tagesimpuls | von Ilse Blomberg
"Guten Tag!"
Vor einigen Tagen hat mir eine Freundin ein Video geschickt, das mir so richtig das Herz erwärmte. Und deshalb möchte ich etwas davon weitergeben.
Nicolas, ihr 5jähriges Enkelkind wird von seinem Vater gebeten:
„Kannst Du der Oma mal erklären, was das Coronavirus ist?“
Nicolas Gesicht auf dem Video zeigt, dass er diese Frage beantworten kann und er erklärt seiner Oma ganz genau, wie und wodurch das Virus in ihren Körper gelangen könnte und wie sie sich schützen kann.
„Man muss sich die Hände waschen, dann geht das Coronavirus weg.
Und wenn es noch da ist, kann man nur noch in den Garten gehen oder einkaufen oder arbeiten, wenn man muss und weniger rausgehen.
„Und wenn man sich begrüßt, gibt man sich die Hand?“, fragt der Vater weiter.
„Nein!“
„Ja, was macht man dann?“
„Dann kann man winken, winken und Hallo sagen.“ Er macht eine große Winkbewegung und lehnt sich in den Sessel zurück. Aber dann setzt er sich wieder ganz gerade hin und ergänzt: „Oder man sagt - Guten Tag -!“
Und mit diesem „Guten Tag“ gibt er seinem Begrüßen eine ganz andere Bedeutung. Und vielleicht spürt schon er, dass ein hingehuschtes Hallo nicht genug sein kann in diesen bedrohlichen Zeiten. Und dass jeder, der seinen Gegenüber mit „Guten Tag“ begrüßt, ihm damit auch einen guten Tag wünscht.

Und so wünsche ich Ihnen und Euch auch einen „Guten Tag“:
einen guten Tag, der mit hellem Sonnenschein in Dein Zimmer tritt,
einen guten Tag, der mit Frühlingsblumenduft Deine Nase kitzelt,
einen guten Tag, der mit schöner Musik Dein Ohr verwöhnt,
einen guten Tag, der die Straße der Hoffnung aufblitzen lässt, damit Du die Kraft in den Beinen nicht verlierst,
einen guten Tag, an dem Du spürst, dass Gott Dich einhüllt in den Mantel seiner Liebe.
 
Guten Tag      
Ilse Waltraut Blomberg

Aktuelles

05.06.2020

10.00 Uhr Übertragung aus der St.-Ludgeri-Kirche

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Presseberichte

14.05.2020

Ahlener Zeitung vom 11.05.2020

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