„Wir engagieren uns im Dialog mit den christlichen Konfessionen, Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften und allen Menschen guten Willens.“ Unsere Vision

Gedanken zum Sonntag

von Pfr. Willi Stroband | Zum Valentinstag, 14. Februar 2021 
"Das Leben findet einen Weg!"

Dieses Zitat aus dem 1. "Jurassic Park" - Film von 1993 habe ich immer noch im Ohr (das ist der Film über den Vergnügungspark mit den Dinosauriern)...und gerade jetzt möchte ich diesen Spruch ergänzen:"...und die Liebe auch!"

Am Sonntag ist Valentinstag, leider können wir keinen Gottesdienst feiern wie sonst, mit Texten, Liedern und Gedanken zur Liebe, die unterschiedlichsten Paare segnen sich gegenseitig, bekommen ein give-away zur Erinnerung mit nach Hause... Und auch wenn das in diesem Jahr nicht geht, die Liebe findet auch in diesen Zeiten ihren Weg, wie immer. Denn auch früher schon, in Kriegszeiten zum Beispiel, fanden sich immer wieder Menschen, die spürten, wir gehören zusammen. 

Und so sage ich manchmal scherzhaft, dass ich der "letzte Romantiker" sei und mir deswegen die Lebens- und Liebesgeschichten für Hochzeiten und Beerdigungen erzählen lasse... und erzähle sie dann mit meinen Worten. Natürlich habe ich mich auch schon gefragt, ob das Nacherzählen des von anderen Erlebte der richtige Weg ist - meine Antwort für mich war immer: JA! "Ihr solltet Euch Euer Leben `mal von mir erzählen lassen, damit Ihr merkt, wie schön und spannend das doch (auch) ist!" Und diese Gedanken über das Leben von Oma und Opa vom Friedhof mitzunehmen, sie im Herzen zu bewahren, was könnte es schöneres geben...außer vielleicht später `mal zu bemerken, ein bisschen von den Beiden steckt ja tatsächlich auch in mir...

Und Liebesgeschichten, ob lange her oder gerade passiert, sind doch viel schöner, als das, was man leider oft in der Zeitung lesen muss. Und gerade die jüngeren Leute von heute haben da ihre Wege gefunden. Sie machen alle wieder einen Antrag, wunderschön komponiert und lange darüber nachgedacht...und wage es bloß niemand, das "kitschig" zu nennen, denn es ist ja wahrlich das richtige Leben und kein Film. Anträge auf der 3. Plattform des Eiffelturms, ein Weg aus Fackeln zum Rand eines norwegischen Fjords, wo dann der Mann bereits wartet, mit dem Ringdöschen in der Hand, ein Essen am Strand während des Sonnenuntergangs auf Norderney - oder auch der Ring versteckt im Kartoffelsalat (echt passiert...und nix passiert mit ihren Zähnen, zum Glück). Diese Erinnerungen wird man sein Leben lang, vielleicht sogar auch nach dem Ende der Beziehung behalten..."Wir 68er" hätten doch so schnell keinen Antrag gemacht, das entschied man spontan...oder auch nicht, ich lasse mir gerne EURE Geschichte erzählen! Seit den 90er Jahren etwa hat sich diese Form des Fragens wieder eingebürgert, es gibt sogar ein Wort dafür: "Neo-Romantik". In diesem Kontext begann es auch, dass die Bräute sich wieder vom Papa in die Kirche führen lassen, mitgeprägt sicher von amerikanischen Fernsehfilmen oder der Übertragung von Hochzeiten europäischer Königshäuser... das kann man belächeln, aber ist das für den Papa nicht auch ein ganz besonderer Moment, mit seiner großen Tochter am Arm hereinzukommen? Ich bleibe auch bei den Männern vorne stehen - und wenn dann die Kirchentür aufgeht, die Sonne flutet herein, und erst sieht man nur die Umrisse - es ist ein mysthischer Moment! Und nie sehe ich stolzere Menschen...außer vielleicht bei der "Pinkelparty" des 1. Kindes!

Na, ja, und dann gibt es noch etwas Neues: viele junge Männer bitten wieder die Väter um die Hand ihrer Tochter - wow! Wer hätte das gedacht..und ich sage dann auch den Papas schmunzelnd, dass ihre Antwort natürlich überhaupt keinen Einfluss habe auf die Entscheidung der jungen Menschen - aber schön ist es doch. Und so hat man hoffentlich einen schönen Nachmittag/Abend mit den Schwiegereltern in spe, die ihren Zukünftigen dann ´mal ganz für sich haben...

Es gäbe noch viel zu erzählen, aber das dann lieber demnächst wieder "live"...doch vielleicht ahnt Ihr jetzt, warum ich sooo gerne Priester bin, wer bekommt schon so viele schöne Geschichten...und ich darf sie dann sogar noch mit meinen Worten wiedergeben, eigentlich hätte Rosamunde Pilcher neidisch auf mich sein müssen....so wünsche ich Euch allen von ganzem Herzen trotz alledem einen wunderschönen Valentinstag

Euer Willi 
 
 

Gedanken zum Sonntag

von Ilse Waltraut Blomberg | 01.08.2020    
Die ausgebreiteten Arme des Christo Redentor

Im digitalen Gottesdienst, den Pfarrer Georg Aßmann am 5. Juli 2020  in der Ludgerikirche hielt, nahm er uns mit in seine Erinnerung an Besuche bei einem befreundeten Priester in Brasilien. Er stellte uns in Wort und Bild die Christusstatue in Rio de Janeiro vor und welche Bedeutung sie für ihn hat:
„Jedes Mal, wenn ich in Rio de Janeiro  landete, kam es mir vor, als empfange mich der Christus mit offenen Armen.“
Anlass für seine Erinnerung waren die Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium11, 28 – 30.
Vers 28: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich  werde Euch Ruhe verschaffen.

Durch seine Predigt wurde mir einmal mehr bewusst, dass die offenen Arme des Christo Redentor (Christus, der Erlöser) über meinem Sohn im Jahre 2003 ausgebreitet waren und ihn behütet und beschützt haben.
Es war im Juni des Jahres 2003. Mein damals 27jähriger Sohn Hans Kristian begleitete als Rundfunkmoderator eine Schulklasse aus Stuttgart auf ihrer Klassenfahrt nach Rio. Die Schüler und Schülerinnen waren in Familien untergebracht. Mein Sohn begleitete ihr Programm und berichtete darüber. Dazwischen hatte er aber auch viel Freizeit. So beschloss er, einen Tag für sich allein zu nutzen.
Er erzählt:

„Ich bin mit der Standseilbahn auf den Berg Corvado hoch zum Christusdenkmal gefahren. Und obwohl ich ein Rückfahrticket hatte, entschied ich mich, den Weg abwärts zu Fuß zu gehen. Der Abstieg dauerte länger, als ich dachte und es wurde schnell dunkel, da ich im Bergschatten ging und die Sonne schnell auf der anderen Seite verschwand. Ich ging lange im Dunkeln durch den Wald. Ich schätze mehr als 1 Stunde. Dann entdeckte ich erste Hütten. Ein junger Brasilianer kam auf mich zu und sprach mich auf englisch an. Er warnte mich, ich solle nicht mehr weiter gehen, da ich mich am Rande einer Favela befinde und das sei  für mich gefährlich. Er fragte mich, ob ich ein Taxi wolle, er würde eins besorgen und ich solle hier auf ihn warten. Nach einiger Zeit kam er mit einem Moped zurück. Ich setzte mich hinten drauf und er fuhr mich durch die Hüttensiedlung hindurch bis zu einer belebten Straße mit einer Busstation. Die Fahrt hat ungefähr 15 Minuten gedauert. Meinem Helfer konnte ich nur mit wenig Bargeld danken, aber er verabschiedete mich lachend und winkend. Ich stieg in einen Bus Richtung des Zentrums und erreichte wieder mein Hotel.“

Ich wünsche Ihnen einen Sonntag voll guter Erinnerungen. Erinnerungen an Lebensereignisse, in denen Sie behütet und beschützt wurden. 
Ihre Ilse Waltraut Blomberg

Gedanken zum Sonntag

von Pfr. Dr. Kaulig | 28.03.2020
Reflexe des Haben-Wollens

Diese Geschichte dürften manche schon kennen: Ein König hatte zwei Söhne. Als Eignungstest für die Thronfolge gibt er ihnen auf, den größten Saal des Palastes möglichst kostengünstig zu füllen – egal womit. Der ältere Sohn trifft schon bald ein paar Bauern, denen er gleich mehrere Wagenladungen Stroh zu einem Super-Sparpreis abkaufen kann. Dann stopft er das alles in den großen Saal, so dass gerade noch sein Vater und sein Bruder hineinkönnen, um die Füllung zu bewundern. Nun ist der jüngere Sohn am Zug. Der lässt erst einmal den Saal räumen und dann – stellt er eine Kerze in die Mitte und zündet sie an. Der ältere Bruder ist etwas begriffsstutzig und protestiert, der Vater aber versteht: Sein Jüngster hat den Raum mit Licht gefüllt.

Mir fiel die Geschichte ein angesichts der Berichte von Hamsterkäufen, bei denen Toilettenpapier eine zentrale Rolle spielt...
Weiterlesen: >Pfr. Dr. Kaulig >Briefe und Gedanken

Gedanken zum Sonntag

von Pfr. Willi Stroband | 02.02.2019
Hoffnung im Alter

Vor zwei Wochen hatte Ilse Blomberg hier etwas über das „Älterwerden“ geschrieben, darüber hatten wir uns unterhalten, und auch ich habe mir so meine Gedanken gemacht (zumal ich gerade einen Artikel für ein Buch schreiben durfte: „Hoffnung im Alter“):

Tja, klar kenne ich das, dass man die Treppen nicht mehr so beschwingt hochkommt, der Rücken sich meldet, in den Bergen LAUFE ich nicht mehr rauf und runter, sondern schreite… auch wenn ich noch etwas jünger als Ilse bin, aber das Jahr meines Geburtstags fiel mit der letzten deutschen Meisterschaft von Schalke 04 zusammen (Dortmund-Fans denken jetzt: „Willi ist ja steinalt…!“). Auch ich bin im Sportabitur die 100m in 11,7 Sekunden gelaufen, na und? Jetzt geht es gemächlicher, vielleicht genießt man so die Natur viel mehr.

Manches fiel mir natürlich früher leichter, ich war sicher auch spontaner – jetzt mache ich halt das, was ich mir zutraue – und darüber freue ich mich. Ich war in allen Erdteilen dieser Welt – aber ich treffe mich genauso gerne im Thüringer Wald oder im Sauerland oder in Ahlen, vielleicht kommen so die Freunde in den Genuss eines Besuches des heimlichen Herzens Deutschlands im Münsterland.

Den Spruch mit dem „man ist so alt wie man sich fühlt“ fand ich schon immer dumm, daran habe ich mich nie orientiert. Morgens um 7 fühle ich mich immer wie 90 (obwohl, keine Ahnung, wie „man“ sich da fühlt, ich habe so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt in diesem gesegneten Alter…), wenn mir was gelingt, bin ich wieder 23 (daran erinnere ich mich noch!), ich versuche, das hinzukriegen, wo ich gute Erfolgsaussichten habe…das andere war eben zu einer anderen Zeit dran...Ich vergleiche mich selten mit meinem früheren ICH von vor vielen Lebensjahrzehnten, heute bin ich der Mensch im Jahre 2019, hier und jetzt setze ich mir (möglichst) genau die Ziele, die ich erreichen kann: Allgäu statt Antarktis, meine deutsche Handballnationalmannschaft vorletzte Woche Mittwoch in der Kölner Lanxess-Arena anfeuern anstatt selbst auf dem Parkett zu stehen, auch mal  Sessellifte benutzen anstatt aus Prinzip jeden Höhenmeter in den Bergen zu Fuß zu erklimmen (die Aussicht genieße ich genauso!), demnächst doch mal ein E-Bike benutzen anstatt nur auf die eigene Muskelkraft vertrauen…Landpfarrer in Ahlen zu bleiben und nicht mehr das frühere Ziel des Papstes anzustreben…

Und ich hoffe ganz optimistisch, es bleibt auch so – bin gespannt, wie es sein wird, wenn ich tatsächlich mal die 80 oder gar 90 erreicht habe…Mein erstes Ziel ist aber jetzt doch die 66, natürlich wegen Udo Jürgens, „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“…und er ist immerhin auch 80 geworden und quasi auf der Bühne gestorben…ich ziehe die Nähe zum Altar vor…

Wenn Sie etwas älter sind als ich, erzählen sie mir demnächst an der Kasse oder draußen im Schnee, wie es in echt ist…ich werde zuhören…

Herzliche Grüße
Euer Willi Stroband                            
 

Gedanken zum Sonntag

von Ilse Waltraud Blomberg | 19.01.2019
Plötzlich alt?
Kennen Sie das?
Dass die Schere zwischen Wollen und Vollbringen  immer größer wird?

Kennen Sie das?
Dass Ihre Kinder schmunzelnd  nachsichtig  sagen:
„Wir brauchen für den Weg 20 Minuten, mit Mutter 40.“

Kennen Sie das?
Dass Sie zu Ihrem Geburtstag ein volles Haus haben wollen und während der gedanklichen Vorbereitung wissen: „Das kriege ich  nicht hin.“

Kennen Sie das?
Dass Ihr altersunabhängiges Gefühl in einer Gruppe jüngerer Menschen fehl am Platze ist und Sie dem Spruch: „Man ist so alt wie man sich fühlt.“, nicht mehr trauen?

Kennen Sie das?
Dass Sie sich  von langjährigen Freunden im Ausland verabschieden und denken: „Das war  das letzte Mal. Die Reise ist zu beschwerlich.“

Wann fängt das an? Dieses Denken, ja diese Gewissheit, dieses und jenes bekomme ich nicht mehr hin. Dieses und jenes war das letzte Mal. Die Anstrengungen einer Reise sind zu groß?
Fängt es schleichend an?
Überfällt es uns plötzlich? 
Was ich im Jahre 2018 noch konnte, kann ich 2019 nicht  mehr?

Über meinem Schreibtisch hängt der wunderbare Satz von Hilde Domin:
„Ich setzte den Fuß in die Luft, / und sie trug.“ Und dieser Satz hat mich meistens beflügelt und mir Mut für den Alltag gegeben. Aber allmählich will  eine Seite in mir den Zauber dieser Worte verdrängen und spricht zu mir: „Deinen Fuß wird keine Luft tragen.“

Aber dann gibt es noch eine andere Seite in mir mit einer anderen Sprache, nennen wir sie Mutmachsprache:
„Solange Du Deinen Fuß setzen kannst und willst, wird die Luft Dich tragen, auch wenn Deine Schritte kleiner und langsamer werden oder vielleicht gerade deshalb.“

Und den Optimismus dieser Mutmachsprache möchte ich in unseren Sonntag hineinleuchten lassen für alle, die das gerade lesen, aber besonders für uns Senioren und Seniorinnen:
„Ich setzte meinen Fuß in die Luft, / und sie trug.“

Ilse Waltraut Blomberg

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