„Unser Leben, Beten und Feiern berücksichtigt die unterschiedlichen Altersgruppen, Begabungen, Lebensformen und Lebenswelten.“ Unsere Vision

Segnen -

– Oder: Wenn der Himmel niederkniet…
Predigt vom 18.04.2021 | Pfr. Reinhard Kleinewiese

Ihr liebt Euch?
Wir segnen Euch!


Das ist unsere Einladung an alle Liebenden, weil wir glauben: Das ist Gottes Einladung – und die müssen wir unbedingt weitersagen!
Segnen – Im Lateinischen: Benedicere – Gut sagen/ Gutes sagen. Ich finde, das ist mehr als nur eine schöne Übersetzungsidee; das fängt schon mal gut an.
Etwas Gutes über dich sagen – das ist auch ein Segen. Dir etwas Gutes zusagen und zutrauen – das auch. Gottes Gutsein und Gottes Güte sich zusagen und weitersagen – erst recht.
Segnen: Das Gute soll in deinem Leben stärker werden als das Dunkle und Böse – mit Gottes Hilfe. Du brauchst nicht alles allein zu schaffen.
Zum Segnen gibt es sogar ein eigenes liturgisches Buch: Das ‚Benedictionale‘. Und was man so alles segnen kann: Menschen natürlich, Autos, Ringe, Steine, Häuser, Kreuze, Tiere aller Art, Altäre, Kirchen, Aufzüge, Feuerwehren, Küchen, Kathedralen…

Ich denke mit viel Freude an die Segnung bei Dankandachten der Erstkommunionkinder. Da dürfen die Kinder frei auswählen, welche ihrer Geschenke sie gesegnet bekommen möchten:
Und dabei sind dann: Fahrräder, Halskettchen, Gotteslobbücher, Fußbälle, BVB-Trikots, Smartphones… Dabei geht es nicht darum, den Fußball unter einen besonderen Segen Gottes zu stellen, sondern die Menschen, die ihn als Freude am Spiel nutzen. Dass die Kinder auf ihren Wegen mit ihrem neuen Fahrrad unter Gottes Schutz stehen sollen – und spüren, dass sie als Menschenkinder immer zugleich geliebte Gotteskinder sind – und gut auf sich und andere aufpassen sollen- darum geht’s.

Menschen bitten um einen Segen, und daraus spüre ich und höre ich eine tiefe Sehnsucht, sich in besonderer Weise Gottes Nähe zusprechen zu lassen.
Das kann man nicht selber – dazu braucht man ein Gegenüber.
Beim Segen ist letztlich immer Gott selbst das Gegenüber und der Wegbegleiter.

Segen verstehe ich als Zusage Gottes: Von Weggeleit; Begleitung, von Wachsen und Werden in einem lebenslangen Reifungsprozess. Dabei geht es nicht darum, dass mit Gottes Segen jetzt immer alles glatt läuft. Segen ist kein Führerschein für unfallfreies Leben. Das gibt’s nicht. Leben ist immer ein Abenteuer: Entweder riskiert man Läuse oder Langeweile. Aber Segen bedeutet: Du bist nicht allein unterwegs; du hast einen starken Partner; er nimmt dir vielleicht die Last nicht ab, hilft sie aber zu tragen – Segen ist Gottes Subsidiaritätsprinzip!
Segen muss man fühlen, hören, spüren, riechen, schmecken – mit allen Sinnen! Es muss ein Fest sein; ein wenig himmlisch – das wäre toll: Getragen von sinnerfüllten Gesten und Zeichen, von einer heilsamen Atmosphäre, von Nähe und Zärtlichkeit. Segen: So zärtlich berührt mich Gott – das wär’s!
Segen – Wertschätzendes Zeichen der in der Taufe geschenkten und neu erinnerten Nähe Gottes (Wir sind ja oft so vergesslich!)
Segen – Bewertet weder eine Person, noch einen Gegenstand; macht ihn nicht automatisch besser oder schlechter
Sagt aber: Du stehst/ Ihr steht unter Gottes Schutz
Meint aber: Gott stärkt das Gute in Euch, das er in der Taufe in Euch hineingelegt hat
Will: Dass Ihr dieser Zusage und dem Geschenk Gottes traut
Hofft: Dass Ihr diese Wertschätzung in Eurem Leben deutlich macht: Im Lieben, Hoffen und Glauben, im Vertrauen! – Salz der Erde – Licht der Welt sein und immer mehr werden. Nur eins bitte nicht: Fad, langweilig oder funzelig!

Ich habe viele Menschen segnen dürfen. Ich habe ihr ehrliches Anliegen gespürt. Ich habe wahrgenommen, was sie glücklich macht und was sie in Angst und Panik versetzt.
Ich habe ihren Wunsch gehört, sich deutlich unter Gottes Segenszusage stellen zu wollen; in Glück und Dankbarkeit, vor schwierigen Entscheidungen und Wegabschnitten; als ‚Pro-viant‘ für den nächsten Weg; auch – aber bei weitem nicht immer -  weil sie oft am Ende waren mit ihrer Kraft und ihrem Latein.

Wenn ich segne, schenke ich Gottes Segen weiter. Der Segen bewertet nicht die Qualität dieses/r Menschen. Segen bewertet auch nicht die Qualität einer partnerschaftlichen Beziehung, noch ihre Art und Weise ; erst recht nicht die Art und Weise, wie Menschen ihre Sexualität leben, noch Art und Form, wie sie es tun.
Ich segne mit der Hoffnung, dass das durchscheint, was Gott in jeden Menschen hineingelegt hat: Das Gute, das Vermögen zu lieben, Vertrauen, Treue, Wertschätzung, Achtung des je Anderen; und dass Menschen spüren: Du bist kostbar in Gottes Augen; einzig, wertvoll – Du bist Gottes Ebenbild.
Zudem glaube ich, dass in Gottes Plan eine weit größere Fülle und Buntheit von Lebensformen angelegt ist, als die katholische Kirche dies offenbar für möglich hält.
Der Heilige Augustinus bringt es punktgenau auf einen Satz:
„Liebe - und dann tu, was du willst!"
Will sagen: Wenn Du getragen bist von Liebe, wenn dies Deine Quelle ist, Dein Motor, Dein Benzin – dann kannst Du alles tun: Es wird immer gut sein, weil es von Liebe gespeist und getragen ist!

So habe ich in meinen 32 Dienstjahren mit viel Freude und Herzblut segnen dürfen:
Kinder, Männer, Frauen, Paare, Gesunde, Sterbenskranke; Hoffnungsfrohe und Tieftraurige, hetero- und homosexuelle Paare und Partnerschaften, Brautpaare bei ihrer Hochzeitsfeier und Geschiedene und wieder neu Verheiratete; Partnerschaften ohne und mit sakramentaler Verbindung; Zweifelnde, Fragende, Suchende und vom Glauben Getragene; konfessionell verschiedene Paare und religionsverschiedene; Menschen, wie Du und ich…

Und ich hatte wie oft das Gefühl:
Als jetzt Gesegnete haben sie anders den Raum verlassen als sie ihn betreten hatten…

Pfr. Reinhard Kleinewiese

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